Laufener Stadtrat stimmt den ÖMR-Beschlussvorschlägen zu

Die Ökomodellregion will mehr sein als eine gute Idee. Und das Programm ist ambitioniert. „Wir werden zum Teil schon von den weiteren Schritten überholt“, stellte Bürgermeister Hans Feil in der jüngsten Sitzung des Laufener Stadtrates fest. Da Laufen als letzte der zehn Gemeinden zur Ökomodellregion Waginger See / Rupertiwinkel gestoßen war, gilt es nun, notwendige Beschlüsse zu fassen. Der Stadtrat segnete einhellig ein Zehn-Plus-Vier-Punkte-Programm zu Zielen und Praxis ab.

Zehn Punkte sind verpflichtend, stellte das Gemeindeoberhaupt vorweg fest. So soll eine ÖMR-Gemeinde bei der Verpachtung ihrer Flächen auf ökologische Bewirtschaftung setzen. Kommunale Wälder sollen zu naturnahen Wäldern mit mindestens 30 Prozent Laubholanteil werden, unter Beteiligung seltener Arten wie Eibe, Elsbeere und Speierling. Totholz soll erhalten bleiben, Waldränder zu einem ökologisch wertvollen Übergang hinaus zu Feld und Wiese werden. „Keine Chemie und keine Entwässerung“, steht explizit im Programm.

„Ökokonto-Flächen für extensive Landwirtschaft nutzbar machen“, heißt es unter Punkt 3. Kommunale Grünflächen können Rückzugsgebiete für seltene Pflanzen sein und somit Nahrungsquelle für Bienen. Dafür wird die Stadt einen Pflegeplan erstellen. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel kommen für kommunale Flächen nicht in Frage. Solche „neuen Maßnahmen“ sollen der Öffentlichkeit näher gebracht werden, um Beschwerden wegen „schlechter Pflege“ zuvorzukommen.

Die Anlage und Pflege von Streuobstwiesen sowie die Verwertung des Obstes stehen ebenfalls auf dem Programm. Kommunale Einrichtungen und gemeindliche Veranstaltungen sollen mit regionalen und biologisch erzeugten Lebensmitteln versorgt werden. Auch im Beschaffungswesen sieht man ein großes Potential für nachhaltiges Handeln. Produkte wie Kaffee und Tee für die Verwaltung sollen das Bio- und das Fairtrade-Siegel tragen. Ziel ist ein Ökomodellregion-Geschenkkorb, bestückt mit regionalen und/oder ökologisch erzeugten Lebensmitteln.

Um dem Flächenverbrauch entgegenzuwirken, ist die Innenentwicklung der Orte zu stärken. Ein Kataster über Leerstände bei Wohnungen, Gewerbebauten und Baugrundstücken soll dabei helfen. Ökokonten könnten gemeindeübergreifend eventuell im Rahmen eines ILE- oder Leader-Programms erstellt werden. Moorrenaturierung und Moorschutz schreibt sich die ÖMR ebenso auf ihre Fahnen.

Auf Randgrundstücken und entlang von Verkehrswegen will man Wildfruchthecken, Blühwiesen und seltene heimische Baumarten pflanzen. Zu guter Letzt sollen „neue solidarische Formen der Landbewirtschaftung“ – sprich Gemeinschaftsgärten – gefördert werden. Einen Punkt hat die Stadt Laufen ausdrücklich nicht aufgenommen: „Nutzung öffentlicher Pflanzflächen für Gemüse und Beerenobst.“

„Weil wir keine Flächen haben“, begründete das Bürgermeister Hans Feil, falls welche zur Verfügung stünden, könne man das immer noch machen.


Georg Linner bot sich an als Referent im Stadtrat für die Ökomodellregion. Das Gremium wird voraussichtlich in seiner nächsten Sitzung darüber befinden, Foto: Hannes Höfer

Werner Eckl fragte, ob es denn entsprechende Daten über die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen in der Gemeinde gebe. „Die Landwirte sind gerade dabei mit ihren Anträgen aktuelle Daten zu liefern“, wusste Grünen-Stadtrat und Landwirtschaftsfachmann Georg Linner zu berichten, damit würden neue Datensätze erstellt. Linner machte dem Stadtoberhaupt das Angebot, sich als Stadtratsreferent in Sachen ÖMR zur Verfügung zu stellen, was der ausdrücklich begrüßte. Als Stellvertreter bot sich Peter Schuster an, der als Geschäftsleiter der Gemeinde Kirchanschöring das Projekt von er ersten Stunde an begleitete hat. Er bezeichnete die Initiative ÖMR als „wichtigen Schritt in eine nachhaltige Zukunft.“

Passend zum Thema bat Agnes Thanbichler, die Stadel im Haarmoos unbedingt zu erhalten. „Es gibt fast keine mehr“, bedauert die ÖDP-Stadträtin, denn sie seien auch wertvoller Lebensraum. Hans Feil erinnerte Kollegen und Bürger daran, dass das Obst entlang des Grüngürtels von jedermann geerntet werden dürfe. – höf

Ein Bericht von Hannes Höfer.

Erstes Netzwerktreffen der oberbayerischen ILEs

Das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern veranstaltete zusammen mit der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) Waginger See – Rupertiwinkel, dem Zusammenschluss der Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Stadt Tittmoning, Taching am See, Markt Waging und Wonneberg am 28. März 2017 das Erste Oberbayerische ILE Netzwerktreffen. Akteure, größtenteils Bürgermeister aus den acht oberbayerischen Integrierten Ländlichen Entwicklungen und Angehörige des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberbayern kamen im Rupertiwinkel zum Erfahrungsaustausch zusammen.


Der Behördenleiter des Amts für Ländliche Entwicklung, Herr Peter Selz spricht die Grußworte zum Netzwerktreffen, Bild von ALE Oberbayern.

In diesen acht ILEs, von denen zwei bezirksgrenzenüberschreitend mit schwäbischen Gemeinden zusammenarbeiten, sind 63 Kommunen organisiert. So vielfältig wie Oberbayerns Landschaften und Menschen sich darstellen, so unterschiedlich sind die Aufgabenstellungen und Ansätze der ILEs. Die Beteiligten konnten so die Netzwerke weiter stärken, Impulse setzen und gegenseitig Feedback geben. In Kurzpräsentationen und auf einem Marktplatz stellten sich die ILEs jeweils persönlich vor.


Die ILE Waginger See - Rupertiwinkel wird von Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner, zugleich Vorstandssprecher der ILE, vorgestellt, Bild von ALE Oberbayern.

Herr Herbert Häusl, Bürgermeister von Waging ein ehemals aktiver Landwirt, referierte zu dem Programmpunkt Gewässerschutz, der alle Integrierte Ländlichen Entwicklungen in jeweils unterschiedlicher Aufgabenstellung berührt. Rund um den Waginger und Tachinger See begann die interkommunale Zusammenarbeit der fünf Anrainer-Kommunen zum Thema Tourismus und Gewässerschutz mit dem Kommunalen Seenbündnis. Zusammenfinden und Zusammenarbeiten an den gemeindeübergreifenden Zielen des Kommunalen Seenbündnis standen im Vordergrund. Weitere Impulse gaben die INTERREG III und INTERREG IV Prozesse sowie die interkommunale Vorgehensweise bei der Initiative boden:ständig. Unterstützt wurde das kommunale Seenbündnis durch die enge Zusammenarbeit des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Traunstein und des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberbayern. Letzteres ist mit einem boden:ständig Projekt in der Flurneuordnung Waginger-Tachinger See aktiv vertreten und hier können bereits realisierte Gewässerschutzmaßnahmen in den Ortschaften Ebing und Schuhegg besichtigt werden.


Herr Herbert Häusl, Bürgermeister des Markts Waging am See und Vorstandssprecher der Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel, referiert zum Thema Gewässerschutz, Bild von ALE Oberbayern.

Der im touristisch hochattraktiven Naturraum „Voralpine Moränenlandschaft“ gelegene Waginger-Tachinger See erreicht in der Bewertung nach der EU Wasserrahmenrichtlinie nur einen mäßigen Zustand. Der gute Zustand sollte bis 2015, muss aber spätestens bis 2027 erreicht werden. Im INTERREG III A- Projekt „SeenLandWirtschaft“ 2004 - 2007 wurde ein Übermaß an Phosphor, zum weit überwiegenden Teil aus der Landwirtschaft stammend, als der entscheidende Faktor für die Gewässerqualität erkannt. Der Phosphor gelangt vor allem bei Starkregen über das gesamte Gewässernetz in den See.

Nach dem Motto der Initiative boden:ständig, zum Gewässerschutz das Machbare jetzt zu tun, sind in der Flurneuordnung Waginger-Tachinger See in einem ersten Schritt mehrere ingenieurökologische Baumaßnahmen zum Nährstoffrückhalt umgesetzt worden. Gleichzeitig sind die Seenberater des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aktiv bei den landwirtschaftlichen Betrieben im Seeneinzugsgebiet vor Ort.

Zukünftig wird das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern kleinere Bodenordnungsmaßnahmen mit dem Ziel des Gewässerschutzes durchführen. Dabei werden Gewässerschutzmaßnahmen wie Rückhaltebecken und Grabenaufweitungen flächensparend umgesetzt und gleichzeitig agrarstrukturelle Verbesserungen durch Flächenzusammenlegung und Wegebau erreicht. Im Weiler Voitswinkel in der Gemeinde Wonneberg wurde dies bereits erfolgreich realisiert.

2015 ist aus dem Seenbündnis und weiteren Kooperationen die ILE Waginger See – Rupertiwinkel entstanden: Hier arbeiten die beteiligten Kommunen in neun verschiedenen Themenbereichen von der Infrastruktur über das Zusammenleben, Tourismus, Wirtschaft und Landwirtschaft, Wasser, Natur- und Umwelt, Orts- und Landschaftsbild sowie Management zusammen. Diese Themen sind in unterschiedlicher Intensität mit dem Flurneuordnungsverfahren Waginger-Tachinger See, dem MORO Projekt, der Ökomodellregion, dem kommunalen Seenbündnis, LEADER, INTERREG und dem Tourismusverband vernetzt.


Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurden viele Aspekte der Arbeit innerhalb der ILEs erörtert. Hier, Guido Romor vom ALE Oberbayern im Gespäch mit Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer des Ökomodell Achentals und Hans-Jörg Birner, 1. Bürgermeister der Gemeinde Kirchanschöring, Bild von ALE Oberbayern.

Die sieben weiteren oberbayerischen ILEs: Auerbergland e.V., LimesGemeinden, Kulturraum Ampertal e.V., Zwischen Lech und Wertach, ILE im Achental, Erdinger Holzlandgemeinden, Altöttinger Holzlandgemeinden sind ihre jeweils eigenen Wege der kommunalen Allianz gegangen. Die älteste ILE, das Auerbergland e.V. arbeitet seit über 20 Jahren zusammen, die ILE Altöttinger Holzland ist gerade drei Jahre jung. Bei der Veranstaltung in Kirchanschöring brachten in einem moderierten Forum die Vertreter aus allen ILEs ihre jeweils unterschiedlichen Erfahrungen ein und die Themen praktisches Zusammenarbeiten, die vielfältigen Aspekte der Umsetzung, die Arbeitsorganisation und die Wünsche der Kommunen an die Verwaltungen wurden diskutiert.

Ein Bericht von: Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern

Eingangsbild: interessierte Zuhörer während der Vorträge, Bild von ALE Oberbayern.

Weitere Informationen vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern zum Netzwerktreffen der oberbayerischen ILEs finden Sie hier.

Fach-Exkursion zur ILE Ilzer Land

Im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung Waginger See – Rupertiwinkel wurde am 18. / 19. November 2016 eine zweitägige Exkursion zur beispielhaften ILE Ilzer Land zum gegenseitigen Austausch unternommen. Bestens organisiert von der Schule der Dorf- und Landentwicklung (SDL) Thierhaupten und fachlich kompetent von den Ämtern für Ländliche Entwicklung Ober- und Niederbayern begleitet, waren sich die Teilnehmer einig: Wir konnten viele interessante Ansätze und Anregungen für unsere eigene Arbeit mitnehmen und der Exkursion viel abgewinnen.

Die ILE Ilzer Land mit einer Fläche von 350 km² und 38.000 Einwohnern liegt 30 km nördlich der Stadt Passau. Die landkreisübergreifende Kommunalallianz von mittlerweile 12 Kommunen rund um das Ilztal im Bayerischen Wald besteht seit der Erarbeitung des bayernweit ersten Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts seit dem Jahr 2005. Nach über zehnjähriger Zusammenarbeit als interkommunale Initiative „Hand in Hand im Ilzer Land“ (Verein Ilzer Land e.V.) ist das Ilzer Land mittlerweile eine Vorzeigeregion, die vom Engagement und der Kreativität der beteiligten Kommunen und ihrer Menschen lebt. In atemberaubender Geschwindigkeit wurden bereits über 400 Projekte umgesetzt.

Die Exkursion ins Ilzer Land ermöglichte mit unterschiedlichen Exkursionsschwerpunkten und Referenten Einblicke in einen langjährigen Prozess, in dem die interkommunale Zusammenarbeit gewachsen und als Marke erfolgreich geworden ist. Die ILE Ilzer Land mit ihren Handlungsfeldern wurde von fünf Bürgermeistern und einer Vielzahl von weiteren Akteuren vorgestellt. Die wesentlichen Stationen waren:

  • Die einfache Dorferneuerungen der Saldenburger Ortsteile Preying und Ebersdorf mit einem herausragenden privaten Engagement in der Ortsmitte von Ebersdorf. Die Themen Nahversorgung, Bistro, Wohnungen und Energie werden in diesem Innenentwicklungsprojekt maßgeschneidert gelöst, wie die Fotos eindeutig beweisen.


Nahversorgung in Ebersdorf, kleine Ortsmitte, Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)


Nahversorgung in Ebersdorf mit Café und Dorfladen, Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)


Nahversorgung in Ebersdorf mit Café und Dorfladen; Tachings Bürgermeisterin, Ursula Haas und die Leiterin der Tourist Info Waginger See, Eva Gruber im Gespräch mit der Betreiberin von Café und Dorfladen.
Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)

  • Die Grafenauer „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ in Kooperation mit der Städtebauförderung und dem Leuchtturmprojekt „Technologie Campus Grafenau“ der Hochschule Deggendorf. Die Innenentwicklungsmaßnahme im Stadtzentrum ist ein regionaler Impulsgeber durch die anwendungsorientierte Vernetzung von Forschung und Wirtschaft, wie uns der 1. Bürgermeister der Stadt Grafenau Max Niedermeier erklärte (siehe Foto). Mit auf dem Bild sind die beiden Vorstandssprecher der Integrierten Ländlichen Entwicklung Waginger See - Rupertiwinkel:Tachings Bürgermeisterin Ursula Haas sowie der Bürgermeister der Gemeinde Kirchanschöring, Hans-Jörg Birner.


Das Leuchtturmprojekt „Technologie Campus Grafenau“ der Hochschule Deggendorf; von links Hans-Jörg Birner (1. BGM Kirchanschöring), Max Niedermeier (1. BGM Stadt Grafenau) und Ursula Haas (1. BGM Taching a. See), Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)

  • Der Gemeindeentwicklungsprozess in Ringelai, mit dem Keltendorf Gabreta und dem derzeit in Bau befindliche Multifunktionshaus zur Stärkung der ärztlichen Versorgung.


Die Exkursionsgruppe erfährt Näheres zum Gemeindeentwicklungsprozess in der Gemeinde Ringelai, Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)

  • Das abendliche Zusammentreffen und Vorstellen der Ökomodellregionen Waginger See - Rupertiwinkel und Ilzer Land mit Diskussionen in großer Runde. Informationen zur Akademie für ökologischen Landbau im Lehr- Versuchs und Fachzentrum Kringell gab es anderntags in Hutthurm.
  • Einen Einblick in das Bundesgolddorf Perlesreut mit Haus der Kinder, Innenentwicklung und Marktensemble erhielt die Exkursionsgruppe von Bürgermeister Manfred Eibl. 


Spaziergang durch Perlesreut mit 1. BGM Manfred Eibl, Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)


Führung durch das Haus der Kinder in Perlesreut mit 1. BGM Manfred Eibl, Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)

  • Die Strukturen der ILE Ilzer Land wurden in der Bauhütte vorgestellt. Dort gab es auch eine Podiumsdiskussion mit Wirtschaft, Verwaltung und Bürgermeistern zur Regionalen Vernetzung im Unternehmernetzwerk des Ilzer Landes.


Podiumsdiskussion in der Bauhütte in Perlesreut gemeinsam mit Akteuren der ILE Ilzer Land, Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)

  • Der Markt Röhrnbach mit der Dorferneuerung der Ortsteile Außernbrünst-Deching und dem interkommunalen Gewerbepark Prombach. Diesen entwickelt auf 7,5 ha ein Zweckverband der Gemeinden Röhrnbach und Perlesreut an einem landschaftlich und verkehrstechnisch geeigneten Standort.


Die Exkursionsgruppe, Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)

  • Der Markt Hutthurm zählt 732 Gewerbetreibende und entwickelte an einem lagegünstigen und landschaftlich geeigneten Standort am Ortsrand für seine großen mittelständischen Betriebe ein Gewerbegebiet. In Zusammenarbeit mit der Städtebauförderung wird derzeit das Marktzentrum neu gestaltet.

An dieser Stelle sei allen Akteuren und Bürgermeistern der ILE Ilzer Land und den Organisatoren unserer Exkursion Herrn Werner Weny (Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern) und Herrn Guido Romor (Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern) ein herzliches Dankschön für ihre Mühe und die lehrreichen Einblicke ins Ilzer Land ausgesprochen: Die beiden Tage waren perfekt!
Danke auch an Herrn Romor, der uns die Bilder und Texte zur Verfügung gestellt hat.

Eingangsbild: Spaziergang durch die Stadt Grafenau mit Führung von 1. BGM Max Niedermeier, Bild von Guido Romor (Amt f. Ländliche Entwicklung Oberbayern)

 

Gemeinderat Saaldorf-Surheim stimmt ÖMR-Beschlusspaket zu

Saaldorf-Surheim. Selten gewordene heimische Baumarten und Hecken pflanzen, Obstanger fördern, eine möglichst naturverträgliche Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Gemeindeflächen anstreben, Kauf von regionalen oder biologisch erzeugter Produkte – das alles und mehr sind Punkte eines umfangreichen kommunalen Beschlusspakets, dem der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung fast ausschließlich einstimmig zugestimmt hat und mit denen er die Mitgliedschaft in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel als Gemeinde in konkrete Taten umsetzen möchte.

Neben der Saaldorf-Surheim sind Teisendorf und Laufen aus dem Berchtesgadener Land Mitglied in der Ökomodellregion (ÖMR). Aus dem Nachbarlandkreis Traunstein sind die Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Tittmoning, Waging am See und Wonneberg beteiligt.

Für die zehn Kommunen gebe es eine Reihe von Gestaltungsmöglichkeiten, sagte Bürgermeister Bernhard Kern einführend. An seiner Seite saßen Alfons Leitenbacher, Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Traunstein, sowie der Kirchanschöringer Bürgermeister Hans-Jörg Birner als Sprecher der ÖMR. Die beiden beantworteten eine Reihe von Fragen, die die Gemeinderäte im Zuge der Beratung und Diskussion äußerten.

Gleich zu Beginn der Sitzung nahm Bürgermeister Kern Bedenken vorweg, mit denen er sich in Gesprächen mit Landwirten immer wieder konfrontiert sah: „Ich weise vehement und deutlich zurück, dass wir das Augenmerk auf Biobetriebe setzen und sozusagen einen Keil zwischen konventionell und bio treiben.” In der Gemeinde gebe es sechs Biobetriebe und rund 60 konventionell wirtschaftende Betriebe im Haupterwerb, erklärte er. Für jeden Landwirt basiere die Beteiligung an der ÖMR auf freiwilliger Basis.

Hans-Jörg Birner sprach von „neuen Erwerbsmöglichkeiten” und „Einkommensalternativen” für Landwirte durch Angebote der Ökomodellregion. Sie sei eine gute Plattform, um konventionell wirtschaftende und Biobetriebe an einen Tisch zu bringen. „Uns ist wichtig, dass auch konventionelle Landwirte auf uns zukommen, wenn es Missverständnisse gibt oder wir gegebenenfalls nachjustieren müssen.”

Alfons Leitenbacher ging auf den Hintergrund des von der bayerischen Staatsregierung initiierten Landesprogramms ein, wonach die Bio-Produktion bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden soll, um die weiterhin steigend hohe Nachfrage stärker aus regionaler Produktion decken zu können (nähere Informationen im Internet unter www.oekomodellregionen.bayern.de). Insgesamt gibt es in Bayern momentan zwölf Ökomodellregionen, Waginger See-Rupertiwinkel ist eine davon.

„Die Wertschöpfung soll unseren Bauern zugute kommen”, so Leitenbacher. „Ich sehe es als Verpflichtung nach vorne zu schauen und Dinge dahinzulenken, wo Chancen liegen.” Angesichts schwieriger Rahmenbedingungen wie aktuell wieder dem schwankenden Milchpreis mache es Sinn, neue Bereiche, Zukunftschancen und Einkommensmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe auszuloten. Das Nebeneinander von konventioneller und Bio-Landwirtschaft beschrieb er mit dem Sprichwort „leben und leben lassen”. Die ÖMR zeige mögliche Wege in die Zukunft auf.

Das Hauptaugenmerk liege bei der ÖMR auf der Landwirtschaft, doch auch die Gemeinde habe ihre Handlungsmöglichkeiten, hatte zuvor Birner betont. Maßnahmen könnten ein Imagegewinn für den ganzen Ort sein und auch auf andere Bereiche, zum Beispiel den Tourismus, ausstrahlen, fügte Leitenbacher hinzu.

Insbesondere die wiederholten und sehr engagierten Wortmeldungen von Evelyn de Marco-Maier und dem Landwirt Christian Resch (beide CSU) spiegelten die Sorge und Vorbehalte wider, das Projekt ÖMR lasse nur Biobetriebe in lobendem Glanz erscheinen und nur sie würden gesehen und unterstützt. Resch sagte mehrmals, angesprochene Vorschläge seien nicht neu und würden zum Teil schon jahrzehntelang von den konventionellen Landwirten so durchgeführt, etwa der Waldumbau. „Wir brauchen auch die konventionellen Landwirte, nicht nur den biologischen Landbau”, betonte etwa de Marco-Maier.

Woraufhin Birner und Leitenbacher ebenso deutlich dagegenhielten, niemand werte die konventionelle Landwirtschaft ab. Es sei richtig, dass viele Vorschläge nicht neu seien. Doch dadurch, dass sie festgeschrieben und definiert würden, würden sie wieder mehr ins Bewusstsein, vor allem der Allgemeinheit, geholt.

Gleich der erste Beschlussvorschlag hatte zum Beispiel auch im Vorgespräch mit dem Saaldorfer Ortsbauernobmann Peter Auer junior zur Diskussion geführt und deshalb war die Formulierung „ökologisch” durch „möglichst bodenschonend, natur- und gewässerverträglich Bewirtschaftung” ersetzt und der Versuch unternommen worden, sprachlich möglichst neutral zu bleiben.

Wobei Leitenbacher sagte: „Ökologisch heißt nichts anderes, als möglichst gut im natürlichen Kreislauf der Natur zu arbeiten. Das ist das Ziel jeder Landwirtschaft. Jeder muss auf seinen Naturkreislauf schauen.” Doch zeigte die Diskussion, dass das Wort „ökologisch” für viele als Synonym für bio im Sinne der Vorgaben eines Biobetriebes gilt. Mit der Umformulierung zeigten sich aber alle zufrieden.

ÖMR-Sprecher Birner machte im Laufe der Sitzung aber auch eines klar: „Die Gelder kommen aus dem Bio-Fördertopf, deshalb müssen wir uns mit dem Thema beschäftigen. Die Ökomodellregion  ist ein Projekt in Richtung Biolandbau.”

Was sind nun die einzelnen Punkte, die die Gemeinde Saaldorf-Surheim - wie inzwischen fast alle anderen Mitgliedsgemeinden auch - als ihre eigenen Ziele und Möglichkeiten der Gestaltung festgeschrieben hat. Das Papier umfasst mehrere Seiten und ist in allen Punkten eine Absichtserklärung, die aber, wie die Sitzung auch zeigte, keine leeren Worte bleiben sollen.

Der Gemeinderat fällte Einzelbeschlüsse zu den folgenden Themen: Bei der Neuverpachtung der insgesamt 40 Hektar Flächen aus dem gemeindlichen Besitz (Wiesen, Felder) soll auf eine möglichst bodenschonende, natur- und gewässerverträgliche Bewirtschaftung geachtet werden. Auf den fünf Hektar Wald, den die Gemeinde besitzt, sollen die Vorgaben der „Initiative Zukunftswald” gelten, zum Beispiel Waldumbau 70/30, kontinuierliche Waldpflege und „Totholz ist Leben”.

Die rund 11,2 Hektar gemeindlichen Ausgleichs- und Ökokontoflächen sollen für extensive Landwirtschaft nutzbar gemacht werden, zum Beispiel extensive Beweidung, Heumahd oder Verarbeitung und Vermarktung von Streuobst und Heckenfrüchten. Leitenbacher betonte zu diesem Punkt, dass auf diese Wege diese Ökoflächen nicht für die Landwirtschaft verloren gingen, sondern weiter genutzt werden können.

Ein Pflegemanagement für öffentliche Grünflächen im Sinne der Artenvielfalt und Ökologisierung, weiterhin keine Verwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel auf kommunalen Flächen, die Anlage von Streuobstwiesen, der Kauf von regionalen und Bioprodukten in kommunalen und kirchlichen Einrichtungen (zum Beispiel auch Schulen und Kindergärten), umweltfreundliche Beschaffung (Beispiel Papiergütesiegel „Blauer Engel”), die Erstellung eines Flächenkatasters für Leerstände im Sinne einer Minderung des Flächenverbrauchs, die Anlage von Wildfruchthecken, Blühwiesen, Pflanzung selten gewordener heimischer Baumarten sowie die Flächen für Gemeinschaftsgärten sind weitere Punkte in dem Papier.

 Ein Bericht von Tanja Weichold.

Eingangsbild: Bürgermeister Bernhard Kern, Alfons Leitenbacher, Hans-Jörg Birner und der Saaldorfer Rathaus-Geschäftsleiter Bernhard Bräuer (von links) bei der Gemeinderatssitzung, in der ein ganzer Katalog an möglichen Maßnahmen im Zuge der Mitgliedschaft in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel beschlossen worden ist, Bild von Tanja Weichold.

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