Gärtnern am besten ohne Torf

„Vielen Hobbygärtnern ist nicht bewusst, dass sie mit dem Kauf von torfhaltiger Erde zur Zerstörung wertvoller und schützenswerter Moore beitragen“: Diese Mahnung richtet Beate Rutkowski zu Beginn der Pflanzsaison an alle umweltbewussten Gartenbesitzer. Die Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Traunstein ist auch in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel engagiert; dort ist sie Sprecherin der Arbeitsgruppe Artenschutz und Streuobst.

Das Angebot an Blumenerden ist riesengroß, aber die meisten Erden enthalten immer noch Torf aus schützenswerten Hochmooren, meist aus Finnland, dem Baltikum oder Weiß-Russland, aber auch aus Deutschland, wie Rutkowski informiert. Torf trage zwar durch seine grobfaserige Struktur zur Bodenbelüftung bei und könne das Vier- bis Zehnfache seines Gewichts an Wasser speichern. Diesen positiven Eigenschaften stünden aber auch viele negative Aspekte gegenüber.


Seltene Tier- und Pflanzenarten, so wie hier der Sonnentau, verlieren ihren Lebensraum durch großflächigen Frästorfabbau. Daher rät Beate Rutkowski, die Sprecherin der Arbeitsgruppe Artenschutz und Streuobst in der Ökomodellregion, vom Kauf torfhaltiger Blumenerden ab, Bild von Beate Rutkowski.

Denn durch den großflächigen Frästorfabbau würden heute noch intakte Hochmoore irreversibel zerstört. Seltene Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum. Aus diesem Grund sollte man, so Rutkowskis dringende Mahnung, auf Torf im Garten gänzlich verzichten. Allein in Deutschland würden alljährlich rund zehn Millionen Kubikmeter Torf verbraucht, etwa 2,5 Millionen Kubikmeter davon werden in Säcken an Freizeitgärtner verkauft.

Vor allem die torfreichen Hochmoore leisteten durch die Einlagerung von pflanzlichem Material - also Kohlenstoff - einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Nur drei Prozent der Erdoberfläche seien von Mooren bedeckt, aber dort lagerten 30 Prozent der weltweiten Boden-Kohlenstoffvorräte. Bei einer Verwendung des Torfs beispielsweise in Blumenerde werden die Kohlenstoffe bei der Verrottung in Form von Kohlendioxid wieder freigesetzt. Nach Angaben des BUND und von EURONATUR würden allein in deutschen Mooren jährlich durch Trockenlegung und Abbau 42 Millionen Tonnen an Kohlendioxid freigesetzt. Zudem setze ein beschädigtes Moor große Mengen an Lachgas frei, das über 300 Mal klimaschädlicher sei als Kohlendioxid.

Nach Rutkowskis Meinung wäre es sehr wichtig, dass sich Staat, Kommunen, Bürger, Vereine und Landwirte vor Ort für die Renaturierung wertvoller Hochmoore einsetzen, so wie es aktuell im Vorhaben zur Renaturierung des Waginger Weitmooses angedacht sei. Dazu im Widerspruch stehe aber, wenn gleichzeitig in Osteuropa ein Vielfaches der Moorflächen zur Torferzeugung für den hiesigen Gartenbau zerstört werde. Zudem sei der Einsatz von Torf auch für die Bodenlebewesen und die Pflanzen nicht immer von Vorteil: Torfpflanzen machten nicht nur das Moor sauer, sondern auch die Gartenerde. Dadurch können gebundene Schwermetalle freigesetzt werden, die dann von den Pflanzen aufgenommen werden. Dies sei besonders in Gemüse- und Kräuterbeeten von Nachteil. Torf enthalte kaum Nährstoffe und trage wenig zum Pflanzenwachstum bei. Darum würden viele käufliche Torfsubstrate mit Kunstdüngern versetzt.

Beate Rutkowski rät zu Alternativen: Davon gebe es viele. In Gartencentern und Blumenläden würden inzwischen torffreie Erdsubstrate mit Kokosfasern und Rindenhumus angeboten, ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe gebe Sicherheit. Rindenkompost könne wegen seines erhöhten Säuregehalts anstelle von Torf für Rhododendren- und Erikabeete verwendet werden. Im Garten könne man Erde auch selbst mischen aus Gartenerde, reifer Komposterde, Laubkompost, Holz- oder Kokosfasern, Lehm und etwas Sand. In Eine-Welt-Läden gebe es zum Beispiel gepresste Kokosfasern aus fairem Handel zu kaufen; damit werden Kleinbauern in Ländern des Südens unterstützt. Kokosfasern trocknen etwa genauso schnell aus wie Torf, sie nehmen aber bis zu 30 Prozent mehr Feuchtigkeit auf. Die Kokos-Ziegel werden in einem Verhältnis von 1:9 bis 1:10 in Wasser aufgelöst und dann mit den übrigen Zutaten gut vermischt. So könne jeder Einzelne schon beim Erde-Kauf einen Beitrag zum Erhalt wertvoller Moore mit einzigartigen Tier- und Pflanzenarten und zum Klimaschutz leisten.

Ein Bericht von Hans Eder.

Eingangsbild: Durch großflächigen Frästorfabbau werden intakte Hochmoore, wie hier auf dem Foto eines zu sehen ist, zerstört. Daher sollten Gartler keine torfhaltigen Blumenerden kaufen, Bild von Beate Rutkowski. 

Vortragsabend Klimawandel, Landwirtschaft und Trinkwasser

Das Phänomen des von Menschen gemachten Klimawandels ist in aller Munde. Nur noch wenige bezweifeln öffentlich, dass der Planet Erde sich erwärmt und extreme Wetterereignisse häufiger vorkommen werden. Auf der Staatenebene sei zwar einiges angestoßen, es passiere bislang aber nicht sehr viel zum Schutz des Klimas, selbst die bisher eingegangenen Reduktionsverpflichtungen zu Treibhausgasen, werden nur schleppend umgesetzt. Bisweilen entstehe sogar der Eindruck, dass der Klimawandel eher die unterentwickelten und ärmeren Regionen der Erde treffe. In seinem Vortrag in der Alten Schule in Kirchstein räumte Professor Dr. Heiko Paeth mit diesem Eindruck auf und machte die regionale Dimension der zu erwartenden Klimaänderungen mehr als deutlich. Den Klimamodellen zufolge erwärmt sich der Planet um bis zu 5,4 Grad Celsius an der Erdoberfläche bis zum Jahr 2100, wobei es nicht alle Regionen der Erde gleichermaßen trifft. Die Menschheit wird dies wohl nicht verhindern können, aber sie kann sich anpassen, möglichst ohne das Klima noch weiter zu schädigen. Eine gewisse Eile ist geboten, um die Folgen erträglicher zu gestalten.

Man dürfe keineswegs von dem vor gut einem Jahr beim Klimaschutzgipfel in Paris vereinbarten Ziel abrücken, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. „Bis 2100 müssen wir 90 Prozent der Treibhausgase weg haben.“ Um den Generationenvertrag einzuhalten, sollten bis 2020 rund 36 Prozent der CO₂-Emission (im Vergleich zu 1990) eingespart sein. Tatsächlich sei der Ausstoß in den letzten zehn Jahren aber um 23 Prozent gestiegen.


Dr. Heiko Paeth, Professor für Klimatologie am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg während seinem Vortrag in Kirchstein zum Thema: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft in Bayern, Bild von ILE.

Um eine Vorstellung von der zukünftigen Entwicklung des Klimas zu erhalten, sei es notwendig, klimatische Prozesse mithilfe von Modellen abzubilden. Im Unterschied zum Wetterbericht wird hier nicht das Wetter an einem bestimmten Tag in der Zukunft betrachtet, sondern anhand von Annahmen der grundsätzliche Verlauf des Klimas über einen längeren Zeitraum näherungsweise berechnet. Die globalen und regionalen Computer-Modelle berücksichtigen verschiedener Szenarien für den zukünftigen Ausstoß von Treibhausgasen und projizieren das Zukunftsklima nicht nur auf der Welt- sondern auch auf der Deutschlandkarte. Dafür wurde Deutschland in zehn mal zehn Kilometer kleine Kästchen eingeteilt und für jedes dieser Quadrate mithilfe von Gleichungen das Klima berechnet. Anhand der Modelle entsteht eine ganze Spannweite an denkbaren Zukunftsbildern, mit denen sich Paeth als Klimaforscher beschäftigt.

Eines dieser Zukunftsbilder zeigt die großen Auswirkungen auf den Weinbau in Franken. Zurückliegende Hitzejahre wie beispielsweise 2009 oder 2013 können Unterfranken zu einem „Hotspot des Klimawandels“ machen.

Treffen wird es aber auch die ohnehin schon stark berührte Alpenregion, die sich um bis zu 7,5 Grad Celsius erwärmen werde, während es den Küstenregionen weniger stark zusetze. Ein moderater Temperaturanstieg im Winter führe zu weniger Schneefall, daher werde man sich langfristig wohl vom Skifahren als Geschäftsmodell verabschieden müssen. Dem Forscher bereitet aber vor allem der Sommer große Sorgen. Extrem trockene Phasen im Sommer nehmen ebenso zu wie die Tage mit Starkregen.

Die Landwirtschaft spüre dies sehr deutlich. Die Vegetationsperiode verlängere sich um rund zwei Monate. Der sogenannte phänologische Frühling, also der Zeitpunkt, zu dem die Pflanzen zu blühen und Blätter zu bilden beginnen, trete früher ein. Die Wachstumsperiode könne sich um bis zu drei Monate verlängern. Dies sei zum Beispiel ein Problem für die Triebe an Weinstöcken, die von später eintretenden Frösten ruiniert werden, was zu Ernteausfällen führt.

„Man wird sich auch zur Trinkwasserversorgung Gedanken machen müssen“. Die Tendenz: Niederschläge gehen zwar insgesamt zurück, doch wenn es regnet, dann im Extremfall so stark, dass es zur Katastrophe führt. Denn der Klimawandel beschleunige den irdischen Wasserkreislauf. Dies wiederum verändere die Niederschlagsmuster und verstärke die Ungleichheiten in der globalen Wasserversorgung: Trockene Regionen würden noch trockener, und in ohnehin schon wasserreichen Gebieten nähmen Starkregen und Überschwemmungen stärker zu.

Mögliche Auswirkungen spürten zuallererst die Landwirte, Obsterzeuger, Weinbauern, Gärtner und Waldbauern. Zielführend zum Schutz des Klimas sei die Zwei-Grad-Grenze. „Wenn wir auf die hinauswollen, haben wir noch Spielraum.“ Mit der heutigen Technologie sei dies durchaus zu erreichen. Individueller Klimaschutz bedeute sparsamen, biologischen und nachhaltigen Konsum; ethische und ökologisch sinnvolle Geldanlagen; Strombezug aus erneuerbaren Energien; heimatnahe Urlaube und Verzicht auf Fliegen und Kreuzfahrten; fleischarme, biologische, regionale und saisonale Ernährung, Senken des Heizenergieverbrauchs (der gerade in den Alpenregionen sehr hoch ist) sowie sparsamer Einsatz von Autos.

Als Leiter des kommunalen Zweckverbandes zur Wasserversorgung „Achengruppe“ erinnerte Wolfgang Grösch daran, dass der Mensch bei seiner Wasserversorgung auf eine gute Wasserqualität und eine ausreichende Grundwassermenge angewiesen ist. Noch herrsche im Gebiet der Achengruppe uneingeschränkte Versorgungssicherheit. 92 Prozent des Trinkwassers in Bayern gewinne man aus Grundwasser, „das heißt, dass natürlich gefiltertes Wasser aus den Leitungen strömt.“ Oberflächennahe Grundwasservorkommen, insbesondere Quellen, die relativ schnell auf versickernde Niederschläge reagieren, führten vor allem in den regenarmen Sommermonaten 2015 und auch zum Teil noch in den Herbst- und Wintermonaten sehr wenig Wasser. „Die Pegel der Brunnen in Ollerding sind in den letzten 13 Messjahren um rund zwei Meter zurückgegangen.“ Diese Tatsache bemerkten auch private Nutzer von Grundwasserwärmepumpen und Landwirte, die ihr Vieh aus privaten Brunnen tränken. Generell könne man sagen, dass in den Wintermonaten 2015/16 historisch niedrige Grundwasserstände gemessen wurden.


Der Werkleiter der Wasserversorgung Achengruppe, Wolfgang Grösch referiert über die Themen Trinkwasserversorgung und Klimawandel, Bild von ILE.

Der Vortragsabend mit anschließender Diskussion wurde von Alexandra Huber organisiert. Sie ist die Umsetzungsbegleitung der Integrierten Ländlichen Entwicklung Waginger See – Rupertiwinkel (kurz: ILE). Sie hat ihr Büro in Kirchanschöring und koordiniert die einzelnen Projekte und Arbeitsgruppen der ILE.

Wie Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner und Vorstandssprecher der ILE in seinem Grußwort mitteilte, haben sich in der Integrierten Ländlichen Entwicklung Waginger See – Rupertiwinkel die Kommunen Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See und Wonneberg sowie der Markt Waging am See und die Stadt Tittmoning zu einer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Diese Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit, unter anderem im Handlungsfeld „Wasser“, soll eine nachhaltige und ganzheitlich angelegte Zukunftsentwicklung der Region ermöglichen. Die Vorträge von Paeth und Grösch sollten zum Tag des Wassers, der Ende März begangen wurde, einen Brückenschlag zwischen den Themenfeldern Klimawandel, Wasser und Landwirtschaft herstellen.

Die vielen Zuhörer im Saal der Alten Schule fanden die Aussagen von Professor Dr. Heiko Paeth alles andere als beruhigend und stellten viele Fragen.

Agrarfachberater Franz Knogler machte zum Beispiel deutlich, dass die Grundwasserneubildung in der Gegend noch ganz gut funktioniere, dies könne sich bei Starkregenfällen aber sehr schnell ändern. Dass beim Klimawandel sehr viele Faktoren eine Rolle spielen, müsse man der Gesellschaft nahe bringen: Jede Steigerung des Komforts sei kontraproduktiv für den Klimaschutz. Verzögertes Abfließen von Regenwasser sei das Thema, das man aktuell am Waginger See bearbeite. „50 Jahre hat man die Landschaft auf Durchzug geschaltet, daher dauert die Rückführung wohl seine Zeit“, meinte Knogler.

Heiko Paeth erinnerte an das sogenannte „B1-Emmisionszenario“, das ab Mitte des 21.Jahrhunderts eine zunächst kulminierende und danach rückläufige Weltbevölkerung mit raschen Änderungen der wirtschaftlichen Strukturen in Richtung Informationsgesellschaft mit sich bringt. Dabei setzt man unter anderem auch auf das Einführen von sauberen und ressourcen-effizienten Techniken. „Dies sei wohl das Szenario in dem wir leben wollen.“ Ohne Sanktionen gehe es aber vermutlich nicht, so Paeth.

Neben den naturnah ausgebauten, kleinen Bächen komme auch den natürlichen CO₂-Speichern eine besondere Bedeutung zu: Bis 2020 sollen deshalb bayernweit 50 Moore wieder vernässt werden. Seit 2008 wurden mit rund 9 Mio. Euro bereits zehn Moorgebiete saniert, in 30 weiteren Gebieten seien Maßnahmen geplant oder schon begonnen. Durch die Renaturierung von Mooren werde in Bayern schon ein positiver Klimaeffekt von jährlich 25.000 Tonnen CO₂ erreicht, erinnerte Diplom- Ingenieurin Bärbel Gänzle an das „Klimaschutzprogramm Bayern 2050“, das eine Vielzahl von Maßnahmen enthält.

Mit diesem aufgelegten Programm will die Bayerische Staatsregierung auf die Klimaentwicklung reagieren, weil es Bayern besonders schwer treffen werde. Das Programm sieht eine Intensivierung der Klimaforschung, den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit in der Wissenschaft und in Klimaschutzprojekten sowie eine „klimapolitischen Informations- und Überzeugungsoffensive“ vor. Bis 2050 sollen die bayerischen Kohlendioxid-Emissionen pro Kopf und Jahr von derzeit über sechs auf unter zwei Tonnen sinken.

Die Renaturierung von Mooren ist also eines von vielen Puzzleteilen, das zum Klimaschutz beiträgt. Daher wolle die untere Naturschutzbehörde, in deren Auftrag Bärbel Gänzle tätig ist, einen großen Teil des rund 65 Hektar großen Gebiets vom Waginger Weitmoos in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Denn dann funktioniere es wie ein großes natürliches Regenrückhaltebecken. Dafür brauche man aber die Grundstücke, die sich im Eigentum von Landwirten befänden. Die Flächen werden bislang unterschiedlich genutzt: Während Teile davon mit Fichten und Kiefern bewaldet sind, liegen einige völlig brach oder werden als grüne Wiesen intensiv bewirtschaftet. Wichtige Teile der großzügig staatlich subventionierten Maßnahmen, die der Freistaat in Angriff nehmen wolle, seien, das Verschließen von vielen Gräben und das Auflichten des Fichtenbestandes. Gelinge es, binde man damit 15 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr.

Der Umwelt zuliebe sollten Hobbygärtner auf Gartenerde mit Torf verzichten. Die Gewinnung von Torf trage zum Zerstören der Moore bei, bei der auch seltene Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum verlieren. Torf binde außerdem große Mengen der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan, das beim Torfabbau freigesetzt wird und in die Atmosphäre gelangt, betonte Dr. Ute Künkele. Die Alternative sei eine gute Komposterde, die den Pflanzen Nährstoffe liefert.

Dass Deutschland ein Defizit an Wasser hat, obwohl es in einem der wasserreichen Region der Erde liegt, meinte Dr. Josef Heringer: Nicht umsonst halte sich die „Veolia GmbH“ so gerne in Alpennähe auf und strecke ihre Finger nach den öffentlichen Wasserversorgern aus. Der Leiter des kommunalen Zweckverbandes zur Trinkwasserversorgung „Achengruppe“, Wolfgang Grösch, betonte: „Deshalb müssen wir höllisch aufpassen, dass die Wasserversorgung der Bevölkerung in öffentlicher Hand bleibt.“ Grösch bestätigte zudem, dass die Produktion von Gütern (wie etwa Autos) das meiste Wasser verschlinge.

Josef Heringer erinnerte dann an die Windhose, der letztes Jahr fast punktuell über Saaldorf-Surheim/ Triebenbach hinweg fegte. Diese zerstörerische Tornado-Erscheinung sei sehr auffällig gewesen und übertreffe alle bisherigen Windhosen in dieser Gegend. Müsse man denn nun öfter mit diesen starken Stürmen rechnen, erkundigte er sich.

„Wir wissen nicht, ob es diese Hurrikans auch schon vor 20 Jahren gegeben hat“, erwiderte Klimaforscher Paeth. Mit zunehmender Wärme könnten es theoretisch noch mehr werden.

Eine Zuhörerin forderte, virtuelles Wasser ebenso zu deklarieren wie zum Beispiel die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln. Sie fand es auch gut, dass mit Paeth „mal jemand gekommen ist, der fachlich kompetent direkt vor Ort informiert“.

Diesem Lob aus der Zuhörerschaft schloss sich auch Tachings Bürgermeisterin und Vorstandssprecherin der Integrierten Ländlichen Entwicklung Waginger See – Rupertiwinkel, Ursula Haas, an. Haas würdigte zudem die beiden Zweckverbände zur Wasserversorgung „Achengruppe“ und die Otting-Pallinger-Gruppe für die geleistete Arbeit. Als kleines Dankeschön überreichte Ursula Haas dann gemeinsam mit Alexandra Huber dem Klimaforscher und Wolfgang Grösch, Werkleiter der Achengruppe, einen Geschenkkorb mit Produkten aus der Ökomodellregion.


Tachings Bürgermeisterin und Vorstandssprecherin der ILE Ursula Haas (2.v.links) und Alexandra Huber (ILE-Umsetzungsbegleitung, 1.v.links) übergeben die Ökomodellregions-Geschenkkörbe an die beiden Referenten, Prof. Paeth (3. von links) und Wolfgang Grösch (Werkleiter der Wasserversorgung Achengruppe, rechts im Bild), Bild von Anneliese Caruso.

Haas und Grösch leiten die Arbeitsgruppe „Wasser“ der Integrierten Ländlichen Entwicklung Waginger See – Rupertiwinkel (kurz: ILE).  Alexandra Huber ist die Umsetzungsbegleitung der ILE. Sie hat ihr Büro in Kirchanschöring und koordiniert die einzelnen Projekte zur Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts.

In der Integrierten Ländlichen Entwicklung Waginger See – Rupertiwinkel haben sich die Kommunen Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See und Wonneberg sowie der Markt Waging am See und die Stadt Tittmoning zu einer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Diese Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit u.a. im Handlungsfeld „Wasser“ soll eine nachhaltige und ganzheitlich angelegte Zukunftsentwicklung der Region ermöglichen.

Klimaforscher Heiko Paeth:
Heiko Paeth wurde 1970 in Neunkirchen geboren. Nach dem Studium der Geographie an der Universität Bonn hat er an eben dieser Universität im Bereich Meteorologie promoviert und habilitiert. Seit 2006 ist er Professor für Klimatologie am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Klimaänderungsforschung, Klimamodellierung, Geostatistik und Klimafolgenforschung.

Afrikabezug: Heiko Paeth befasst sich seit seiner Habilitation mit Themen des Klimawandels und der Klimavorhersagbarkeit in Afrika. Regional liegt sein Fokus auf dem subsaharischen Afrika, insbesondere dem tropischen Westafrika. Neun Jahre lang hat er im GLOWA-IMPETUS-Projekt mitgearbeitet, bei dem die Wasserressourcen in ausgesuchten Flusseinzugsgebieten im Mittelpunkt standen. Der regionale Schwerpunkt lag dabei auf Benin und Marokko. Gegenwärtig leitet Heiko Paeth einen Forschungsverbund im Rahmen des MiKlip-Projektes, der sich der dekadischen Vorhersagbarkeit des westafrikanischen Monsuns widmet.

Ein Bericht von Anneliese Caruso.

Eingangsbild: Der Professor für Klimatologie Dr. Heiko Paeth während seinem Vortrag zum Klimawandel in der Alten Schule in Kirchstein, Bild von ILE.

Exkursion in die Ökomodellregion – Wochen der Biodiversität

Gemeinsam mit der Stadt Traunstein organisierte der Bund Naturschutz im Juli die „Wochen der Biodiversität“ mit einem vielseitigen Programm; Schwerpunkt war dieses Jahr das Thema Boden.

Infoveranstaltung: Biozertifizierung für die Gastronomie

Einige Gasthöfe und Gemeinschaftseinrichtungen beziehen bereits Biolebensmittel aus der Region und fördern damit bäuerliche Betriebe mit aktivem Umwelt-, Tier- und Artenschutz. Bio wird als Ausweis hoher Qualität wahrgenommen, zunehmend nachgefragt und bietet Chancen, neue Gäste anzusprechen. Wann darf ich Bio auf die Speisekarte schreiben oder damit werben? Muss ich mich (teil-)zertifizieren lassen, wie geht das? Mit der Veranstaltung „Bio(teil)zertifizierung für Gastronomie und Küche“ informierte die Ökomodellregion (ÖMR) mit den beiden Referenten Günther Erhard (Manager der Ökomodellregion Steinwald, ausgebildeter Koch) und Florian Fischer (Mitarbeiter der Biokontrollstelle Lacon) zu diesen Themen.

Hier ein Bericht von Hans Eder:
Waging am See. „Bio“ ist im Kommen. Das sagte Referent Günther Erhardt bei einer Infoveranstaltung zum Thema „Bio(teil)zertifizierung für Gastronomie und Küche“, und das bewies der gute Besuch des Nachmittags. An die 40 Interessierte waren dazu am Donnerstag in die Tourist-Info in Waging gekommen – Gastronomen, die hier besonders angesprochen waren, aber auch viele Produzenten aus der Region, die ihre biologischen Erzeugnisse direkt vermarkten.

Erhardt, gelernter Koch, Touristiker und Projektmanager bei der oberpfälzischen Ökomodellregion Steinwald, gab seinen Zuhörern Tipps, was man beachten sollte, wenn man in seinem Gasthaus biologische Produkte anbieten und die dafür zwingend erforderliche Zertifizierung erwerben möchte. In seiner Einführung umwarb er die Gastronomen mit der Feststellung, mit „Bio“ könnten sie ihrem Angebot „noch eins draufsetzen“, „Bio“ entspreche dem heutigen Lebensgefühl und sei als „reiner Genuss zu verkaufen“. Gerade in den Städten gebe es genügend vor allem junge, gut ausgebildete und bezahlte Leute, die gern bereit seien, mehr Geld für Bio-Produkte auszugeben. Auch wenn es natürlich viele Menschen gebe, die das nicht könnten oder wollten: „Der Markt wächst trotzdem; der Trend geht zu Bio und regional.“

Das gute Image biologischer Nahrungsmittel liege daran, dass man sich dabei auf gewisse Voraussetzungen verlassen könne:  Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel, artgerechte Tierhaltung, Schutz von Boden und Grundwasser, Verarbeitung vor Ort, Wertschöpfung bleibt in der Region. Wenn also jemand seine Speisekarte mit „Bio“ aufwerten wolle, empfahl Erhardt als einen der ersten Schritte, mit der Ökomodellregion Kontakt aufzunehmen: „Warten Sie nicht zu lange! Die Umstellung sollte unbedingt angegangen werden, solange die Ökomodellregion läuft.“ Denn hier bekomme man alle notwendigen Informationen.

Für den Anfang riet Erhardt zur Zertifizierung über das Bio-Siegel. Mit einer Zertifizierung über die Bio-Verbände sollte man zunächst noch warten; die sei deutlich komplizierter. In seinem Zehn-Punkte-Programm für den Einstieg in die Öko-Schiene stehen folgende Anregungen: unbedingt zunächst das Gespräch mit der Familie, den Mitarbeitern, im Zweifelsfall auch mit der Bank suchen; die notwendigen Infos einholen und die Verfügbarkeit von Bioprodukten in der Region prüfen; sich die geeignete Kontrollfirma aussuchen, die dann in der Regel einmal im Jahr den Betrieb besuchen und auf Herz und Nieren prüfen muss. Dann müssen noch die geeigneten Gerichte für die Speisekarte kreiert werden und die entsprechende Werbung folgen. Was die Versorgung mit Bioprodukten anbetreffe, müsse man sich keine Sorgen machen: Zumindest über die vorhandenen Vollsortimenter „kriegt man, was man will“.

Für den Einstieg empfahl Erhardt, klein anzufangen, sich zunächst auf ganzjährig verfügbare Produkte zu beschränken. Es können ja auch nur ganz kleine Bereiche innerhalb einer Gastronomie zertifiziert werden: seien es zum Beispiel Salate, Biokartoffeln oder Bio-Rindfleisch. Alles Übrige kann weiterhin aus konventioneller Produktion stammen. Man müsse halt bei der Lagerung und Zubereitung strikt darauf achten, dass biologisch und konventionell Erzeugtes sich nicht miteinander vermische.

Und natürlich waren auch die Preise ein Thema. Erhardt hatte eine Beispielsrechnung aufgestellt, der zufolge der Wareneinsatz für Bioprodukte um etwa 20 Prozent höher sei als bei konventionell erzeugten Produkten. Dem widersprach zunächst Biobauer Franz Obermeyer aus Tengling: Diese 20 Prozent, so meinte er, seien vielleicht dann realistisch, wenn beispielsweise Gemeinschaftsküchen in großen Mengen einkaufen, für kleine Abnehmer eher nicht. Auch Biobauer Hans Glück aus Tittmoning stellte fest, dass ihm 20 Prozent mehr bei seiner Fleischproduktion zur Kostendeckung nicht reichen würde. Schorsch Planthaler, Biobauer aus Anger, hält ein Plus von 20 Prozent ebenfalls für etwas knapp. Er fügte allerdings an, dass man diesen Preisberechnungen positiv mit einkalkulieren könne, dass Bioprodukte – seien es Champignons, Schweinebraten oder Gemüse – deutlich weniger Schwund hätten. Oder wie Ökomodellregion-Managerin Marlene Berger-Stöckl zusammenfasste: „Bei Biofleisch bleibt mehr in der Pfanne.“

Florian Fischer ist Mitarbeiter der Firma Lacon mit Sitz in Passau, eine von seinen Angaben zufolge 17 Firmen, die als Kontrollstellen für Bio-Betriebe zugelassen sind. Er schilderte in vielen Details die Vorschriften, die man beachten muss, betonte aber ebenfalls, dass „ein sanfter Einstieg“ – also die Beschränkung auf einige wenige Produkte oder Speisen – nicht nur möglich, sondern auch empfohlen sei.

Nach diesen Vorträgen stellten sich Produzenten und Direktvermarkter aus der Region vor: Biohof Lecker aus Laufen (Ökokiste), Bioziegenhof Obermaier aus Fridolfing, Franz Obermeyer aus Tengling (Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln), Hans Koch aus Teisendorf (Kalbfleisch), Maria Frisch aus Wonneberg (Käse), Leonhard Martl aus Kastl (Kartoffeln), Sebastian Kettenberger (Geflügel), Andreas Maier (Eier) und Hans Glück (Fleisch, Gemüse, Eier, Getreide), alle aus Tittmoning, Schorsch Planthaler aus Anger und nicht zuletzt die beiden Preisträgerinnen von „Bayerns beste Bioprodukte“, Julia Reimann von Chiemgau-Korn aus Trostberg (Getreide, Öle) und Jessica Linner aus Tettenhausen (Flaschlbrot). Von Gastronomieseite waren unter anderem vertreten: Unterwirt und Naschmarkt Fridolfing, Oberwirt Otting, Wellnessgarten Waging, Burgcafé Tittmoning, Eichenhof, Landhaus Tanner und die folgenden Einrichtungen: die Salzachklinik Fridolfing, die Seniorenheime Waging und Surheim, sowie die Pausenverköstigung am Rottmayr Gymnasium in Laufen. So konnte Marlene Berger-Stöckl mit dem Besuch sehr zufrieden sein und hoffen, dass die Ökomodellregion auf ihrem Weg weiter vorankommt: Nach und nach Gaststätten oder Gemeinschaftsküchen dazu zu bringen, dass sie bei ihrem Einkauf immer mehr Bio- oder regionale Produkte mit berücksichtigen.

Eingangsbild: Marlene Berger-Stöckl, Projektleiterin bei der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel, überreichte dem Referenten Günther Erhardt ein Körbchen mit regionalen Bioprodukten, die sie zuvor einzeln den Besuchern vorstellte, Bild von Hans Eder

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