Biologisches rund um Otting - Bio-Genussradltour

Otting und Umgebung standen im Mittelpunkt einer Biogenuss-Radltour, an der über 30 Radler teilgenommen haben – trotz dunkler Wolken blieb das Wetter den ganzen Tag über trocken. Die Rundfahrt begann am Holzofen beim Pfarrhof, den die Ottinger zu ihrer 1250-Jahr-Feier nach altem Muster selbst gebaut haben. Zusammen mit Bäcker Michael Wahlich aus Surheim wurde ein Mischbrot aus Roggen und Laufener Landweizen gebacken, dessen Laibe die Teilnehmer selbst geformt hatten. Bei der Verkostung tunkten die Teilnehmer ihre Brotstücke in kaltgepresste Öle aus der Region, die Ölmüller Hans Niedl aus Aiging mitgebracht hatte. Anschließend brachte Martin Posch bei seinem Anwesen in Eibl den Radlern die Grundsätze für die Bioweidehaltung näher. Und zuletzt führte Kristine Rühl die interessierten Besucher über ihren 1,3 Hektar großen Gemüseacker im nahegelegenen Tettenberg. Mit einer Suppe aus frisch geerntetem Gemüse aus dem Feldkochtopf sowie köstlichen Wassermelonen wurden die Gäste nach ihrem Rundgang bestens verpflegt.


Biobäcker Michael Wahlich wiegt den vorbereiteten Teil aus Roggen und Laufener Landweizen ab..., Bild von Hans Eder.

Michael Wahlich ist seit fünf Jahren als Biobäcker in Surheim angesiedelt. Es sei nicht einfach gewesen, erzählte er, in einem kleinen Ort als neuer Bäcker anzufangen „und dann aa no mit Bio“. Das habe einiges an Durchhaltevermögen und Kraft gekostet. Sein Mehl bezieht er im Wesentlichen vom Demeterbetrieb Franz Obermeyer in Tengling, den Laufener Landweizen von Teisendorfer Bauern. Denn Wahlich war, wie Gruppenleiterin Marlene Berger-Stöckl, die Projektmanagerin der Ökomodellregion, anmerkte, der erste, der vor einigen Jahren die alte Sorte Laufener Landweizen wieder verbacken hat. Denn den bauen Bauern aus der Region seit einiger Zeit wieder an.


...und die Fahrtteilnehmer formen daraus ihre Laibe, Bild von Hans Eder.

Seinen Teig hatte Wahlich schon fertig gemischt mitgebracht, der Backofen war von Franz Wimmer aus Otting, einem der Erbauer, bereits zuvor ordentlich eingeheizt worden. Die Teilnehmer der Bio-Tour formten dann ihre Laibe ganz nach Gusto und kennzeichneten sie mit besonderen Symbolen, um sie dann auch wiederzuerkennen. Dann wurde die knapp ein Kilo wiegenden Teigstücke in den Ofen eingeführt, von wo sie dann etwa eine Stunde knusprig-braun-gebacken wieder herauskamen – und mit großem Appetit verspeist wurden.


... die dann in den Holzofen geschoben werden, Bild von Hans Eder.

Zusatzstoffe gibt es in Wahlichs Broten keine, und das ist ihm wichtig. Denn, so seine Feststellung, „bei vielen konventionellen Bäckern gibt es fast nur Brot aus Vor- und Backmischungen; nichts mehr wird selbst hergerichtet“. Und durch die lange Teigführung sei sein Brot auch besser verdaulich; Gluten sei hierbei überhaupt kein Problem mehr.


Und nach etwa einer Stunde sind die leckeren Brotlaibe fertig, Bild von Hans Eder.

Die Tüpfelchen auf dem „i“ des Biogenusses waren dabei die Öle von Hans Niedl, natürlich ebenfalls aus biologischem Anbau in der Region. Niedl, der sich vor zehn Jahren seine kleine Ölmühle zugelegt hat und seitdem seine Produktion nach und nach etwas erweitert hat, präsentierte Leinöl, Leindotteröl, Senföl und Hanföl, das dann verkostet wurde, und dazu auch die Pflanzen, die man heutzutage kaum noch kennt. Der Ölmüller hob vor allem das Leinöl hervor, das wegen seines Gehalts an den wichtigen Omega-3-Fettsäuren so wichtig für gesunde Ernährung sei. Bei ihm werden alle Öle kaltgepresst. Der höhere Preis ergebe sich daraus, dass bei biologischem Anbau der Ertrag gegenüber konventionellem Anbau mit entsprechender Düngung gerade mal bei gut einem Drittel liege.


Ölmüller Hans Niedl präsentierte seine Öle und zeigte dazu auch die Pflanzen, aus denen sie gewonnen werden: Lein, Leindotter, Senf und Hanf, Bild von Hans Eder.

Zudem ist der Anbau dieser Pflanzen nicht ganz einfach, wie Marlene Berger-Stöckl erzählte. Etwa der Senf, der seit zwei Jahren in der Ökomodellregion verstärkt angebaut wird, muss wegen der Schädlinge, gegen die im biologischen Landbau ja nicht gespritzt werden darf, im Gemenge – also zusammen mit anderen Pflanzen – angebaut werden, was den Bauern, die sich daran gewagt haben, viel Experimentierfreude abverlangt und immer wieder auch Rückschläge bringt. Und beim Flachsanbau (Öllein) kommen die Erntemaschinen wegen der starken Fasern oftmals an ihre Grenzen und verstopfen.

Mit Brot und Öl gut gestärkt machten sich die Radler nunmehr auf den kurzen, aber stetig ansteigenden Weg hinauf nach Eibl. Biobauer Martin Posch gab seinen Gästen inmitten der von ihm bewirtschafteten, etwa 50 Hektar umfassenden Flächen – davon der größere Teil angepachtet - einen Einblick in die Arbeit auf einem Biobetrieb. Der Betrieb sei seit der Umstellung vor etwa acht Jahren kontinuierlich gewachsen, von 40 auf inzwischen 50 Kühe, die in der warmen Jahreszeit immer auf der Weide sind und zwischen drei großen Koppeln hin- und herwechseln. Als Nahrung erhalten die Tiere, wenn sie in den Stall kommen (was sie jederzeit tun können), zusätzlich eine Mischung aus Heu und Silage sowie – computergesteuert nach ihrem jeweiligen Bedarf – auch Kraftfutter. Um sein Heu so nahrhaft wie möglich einfahren zu können - das heißt für Posch vor allem ohne die Verluste durch das häufige Wenden - wird bei ihm das Heu rasch eingefahren und dann durch Belüftung getrocknet.

Die Umstellung nach dem Wechsel auf Biobewirtschaftung sei „nicht tragisch“ gewesen, so Posch auf eine Frage aus dem Kreis der Besucher. Gut, das Problem des Ampfers habe gelöst werden müssen: Da mussten die Pflanzen einzeln ausgestochen werden, was viel anstrengende Arbeit bedeutet hat; „kipperweise“ habe man den Ampfer abtransportiert. Aber seitdem halte sich der Bewuchs in Grenzen, auch wenn man stets ein Auge drauf haben müsse.

Ganz wichtig ist Posch, dass der Boden nicht mit schweren Maschinen befahren wird; denn, so seine Überzeugung, das Problem der Verdichtung, die heutzutage durch die riesigen Geräte geschehe, werde nach wie vor unterschätzt: „Was da gemacht wird, ist eine Katastrophe!“ Schließlich zeigte Martin Posch den Besuchern noch seinen Stall, in dem die Kühe viel Luft, Licht und Platz haben.


Marlene Berger-Stöckl (rechts), die Managerin der Ökomodellregion, dankte Biobauer Martin Posch (links) für seine Ausführungen über seinen Bioweidebetrieb mit einem kleinen Mitbringsel, Bild von Hans Eder.

Letzte Station der Rundfahrt war die Gärtnerei „Solidarische Landwirtschaft“, die Kristine Rühl seit einigen Jahren betreibt. Auf der rund 1,3 Hektar großen Fläche werden, wie die Besucher bei einem Rundgang mit der Gärtnerin sehen konnten, an die 50 verschiedene Gemüse angebaut. Dabei wurde viel gefachsimpelt, hatten doch viele Teilnehmer auch zu Hause ihre Gemüsegärten.


Interessante Gespräche entwickelten sich beim Rundgang durch Kristine Rühls Demeter-Gärtnerei in Tettenberg mit rund 50 Gemüsesorten, Bild von Hans Eder.

Das Prinzip der „Solidarischen Landwirtschaft“ beruht auf Pflanzenbau nach Demeter-Richtlinien, und der Absatz geschieht nach festen Ernteteilen. Das heißt, dass sich Interessierte für jeweils ein Jahr dazu verpflichten, Woche für Woche einen Anteil an Gemüse abholen – je nach Jahreszeit und anfallender Menge ganz unterschiedlich sortiert. Für etwa 70 Ernteteile ist die Produktion von Kristine Rühl ausgerichtet, noch sind längst nicht alle Anteile geordert. So sind für kommendes Jahr noch Ernteanteile zu vergeben. Interessierte können mit einem Probe-Ernteanteil beginnen oder einfach am Samstag auf den Acker kommen, um sich zu informieren.

Es sei schön, hier zu arbeiten, meinte Gärtnerin Kristine Rühl, „auf der toll gelegenen Fläche mit Blick auf den Waginger See und bis hinüber nach Salzburg“. Das konnten die Besucher der Biogenuss-Radltour gut nachvollziehen, als sie nach dem Rundgang durch die Gärtnerei in dem Kreis aus Strohballen Platz nehmen konnten und in den Genuss einer wohlschmeckenden Gemüsesuppe kamen, die vor Ort über offenem Feuer zubereitet worden war. Als Nachspeise gab es Wassermelonen und köstliche Andenbeeren – frisch gepflückt in Otting.

Eingangsbild: Die Radlergruppe mit dem Waginger und Tachinger See im Hintergrund, Bild von Daniel Schulta. 

Ein Bericht von Hans Eder (Südostbayerische Rundschau vom 22.09.2018).

„Der Rupertiwinkel macht Blau“ - Vortragsreihe Nachhaltiges Bauen

Erstmals wurde im Frühjahr und Sommer diesen Jahres von der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) Waginger See – Rupertiwinkel eine Vortrags- und Diskussionsreihe zum Thema „Nachhaltiges Bauen“ ausgerichtet. Als Referentin konnte Dr.-Ing. Heide Schuster gewonnen werden. Frau Schuster hat ihr Architekturbüro in Tettenhausen und beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit in Architektur und Städtebau. Die Moderation der Vorträge lag bei Bürgermeister Birner, dem  1. Vorsitzenden der ILE Waginger See – Rupertiwinkel.


Die Referentin der Vortragsreihe Dr.-Ing. Heide Schuster hat ein Architekturbüro in Tettenhausen in der Gemeinde Waging, Bild von ILE.

In der ILE haben sich die Kommunen Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Tittmoning, Waging am See und Wonneberg zu einer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Diese Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit soll eine nachhaltige und ganzheitlich angelegte Zukunftsentwicklung unserer Region ermöglichen.


Der Vorsitzende der ILE, Bürgermeister Hans-Jörg Birner begrüßt die Teilnehmer, Bild von ILE.


Wie wichtig die Berücksichtigung der Nachhaltigkeit gerade im Bauwesen ist, zeigen globale Herausforderungen wie Ressourcenverknappung, Klimawandel und ein Anstieg der Energiekosten. Die Berücksichtigung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension sowie deren gegenseitige Wechselwirkungen - des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit - spielt beim Errichten von Bauwerken eine große Rolle. Die ökonomische Dimension der nachhaltigen Entwicklung im Bauwesen lenkt hier die Betrachtungsebene auf die sogenannten Lebenszykluskosten, d.h. auf die Kosten der Errichtung, der Nutzung und des Rückbaus von Gebäuden. Bei Nachhaltigkeit wird oft von Enkeltauglichkeit gesprochen. Gerade der Rückbau von Gebäuden wird unsere nachfolgenden Generationen vor große Herausforderungen stellen, denen mit einer nachhaltigen Bauweise sehr gut begegnet werden kann.


Im Anschluss an den Vortrag fand eine Diskussion statt, links im Bild Heide Schuster und rechts Bürgermeister Hans-Jörg Birner, Bild von ILE.

Die Farbe „Blau“ aus dem Titel der Vortragreihe steht seit fast zehn Jahren für den Begriff der Nachhaltigkeit allgemein, bei der es im Bauwesen vereinfacht gesagt darum geht, Gebäude so zu errichten, umzubauen und zu betreiben, dass sie wirtschaftlich, ökologisch, gesellschaftlich und städtebaulich gleichermaßen zukunftsfähig sind.
Maßgeblich geprägt wurde die Assoziation von Nachhaltigkeit mit der Farbe Blau durch die Buchveröffentlichung zur „Blue Economy“ – zum „Blauen Wirtschaftssystem“ des Unternehmers Guter Pauli im Jahr 2010. Die Farbe Blau bezieht sich dabei „auf die Farbe des Ozeans, des Himmels und der Erde, wenn sie vom Weltall aus betrachtet werden." Das Konzept der Blue Economy als Weiterentwicklung der „Green Economy“ – des „Grünen Wirtschaftssystems“ basiert vor allem auf den Funktionsgesetzen von natürlichen Ökosystemen, die geschützt werden sollen, wobei gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen werden sollen.

Die Veranstaltungsreihe fand im Salitersaal statt und setzte sich aus vier Einzelvorträgen zu verschiedenen Bereichen aus dem Themenfeld des Nachhaltigen Bauens zusammen. Nach einem Initialvortrag im Mai wurde im Juni der Themenblock „Nachhaltig Wohnen und Leben im Neubau“ aufgegriffen. Mit dem Vortrag „Neues Leben im Bestand“ ging es im Juli um nachhaltiges Sanieren und zum Abschluss der Reihe wurde „Nachhaltiges Lernen und Arbeiten in Nicht- Wohngebäuden“ thematisiert. Hier spielten vor allem die Themen Komfort, Gesundheit und Leistungsfähigkeit eine große Rolle. Ca. 160 Interessierte, d.h. private und öffentliche Bauherren, Architekten, Ingenieure, Gemeinden und Firmen aus der Region waren insgesamt zu den vier Vorträgen gekommen.

Ein Bericht von ILE Waginger See – Rupertiwinkel (12.10.2018).

Eingangsbild: Zu den vier Themenblöcken der Vortragsreihe kamen insgesamt ca. 160 Interessierte in den Salitersaal nach Kirchanschöring, Bild von ILE.

Auf den Einzelnen kommt es an - Vortrag zu Nachhaltigkeit

Mit einem Vortrag zur Ökologie rundeten die Oberstufenschüler des AKG ihr Wissen um Landschaftsnutzung, Tourismus und die Verantwortung des Einzelnen als Verbraucher ab. Beate Rutkowski vom BUND Naturschutz in Bayern und Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel gaben eindruckvolle Einblicke in ihre Arbeit.

Beate Rutkowski griff den Begriff Nachhaltigkeit auf, den Schulleiter Bernd Amschler in seinem Grußwort angesprochen hatte und der für die Umweltschule AKG als Leitlinie dient. Es gehe darum, so erklärte Rutkowski den Begriff, dass alle Menschen auf der Erde jetzt und in der Zukunft dieselben Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft haben. Das bedeutet, dass die verfügbaren Ressourcen für alle Menschen – auch diejenigen, die in der Zukunft leben – verfügbar sein sollen. Für industrielle Produktionsprozesse bedeute dies, dass Metalle und die aufwändig zu gewinnenden Seltenen Erden nachhaltig gewonnen und genutzt werden, für die Lebensgrundlagen des einzelnen Menschen geht es um die Ressourcen Boden, Wasser und Luft, die Zerstörung und Verschmutzung ausgesetzt sind. Beate Rutkowski stellte klar: „Nachhaltig leben ist möglich!“ So würden die derzeit hergestellten Lebensmittel ausreichen, um zwölf Milliarden Menschen zu ernähren, von diesen Lebensmitteln wird jedoch eine große Menge an Getreide für die Fleischproduktion verbraucht. Beate Rutkowski merkte an, dass es derzeit in vielen Ländern der Erde mehr Rinder als Menschen gäbe. Ebenso sei es ein Trugschluss, dass industriell hergestellte Lebensmittel die Basis für die Ernährung darstellten: 75 Prozent der Nahrungsmittelproduktion weltweit stammten aus kleinbäuerlichen Betrieben, und diese gelte es zu unterstützen, so die Kreisvorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern. Der institutionelle Naturschutz, den der BUND mit seinen über 3000 Mitgliedern im Landkreis Traunstein vertritt, kann im Gegensatz zum behördlichen Umweltschutz frei von Weisungen aus der Amtshierarchie arbeiten. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit setze der Umweltschutzverband damit, Nachhaltigkeit umzusetzen, dies bedeute, sich z.B. für eine ökologische Landwirtschaft einzusetzen, die ohne Pestizide und ohne Gentechnik arbeitet. Klassische Zuchtwahl ist bekanntermaßen zeitaufwändig, biete aber den unschätzbaren Vorteil, dass sich neue Merkmale unter unterschiedlichsten Umweltsituationen bewährt haben, bevor sie zum großflächigen Einsatz kommen. Schnelle Ergebnisse aus genveränderten Pflanzen können genau dies nicht, die Wechselwirkungen mit der Umgebung können gerade auch wegen der Geschwindigkeit der Entwicklung nicht auf ihre langfristigen Auswirkungen abgeschätzt werden.

Auch die Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel steht für die Zielsetzung, den Ökolandbau zu fördern und mehr Landwirte zum langfristig erfolgreichen Umstieg auf einen Bio-Betrieb zu beraten, und setzt außerdem ökologische Projekte mit allen Landwirten um. Was bayernweit mit fünf Ökomodellregionen begann, ist im Moment auf zwölf Regionen angewachsen, in Bayern stehen weitere Ökomodellregionen in den Startlöchern. „Durch die Veränderungen in der Landwirtschaft, durch den Druck, mit weniger Arbeitskräften und größeren Maschinen mehr zu erzeugen, verändert sich auch die Landschaft“, führte Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion aus. Im Biolandbau gibt es noch mehr Felder, auf denen Kleegras wächst, Dinkel angebaut wird oder der Laufener Landweizen extensiv gedeiht. Die Fruchtfolgen sind meist vielfältiger, durch den Verzicht auf Pestizide gibt es eine Begleitflora, die als Futtergrundlage für Insekten und Vögel dient, es gibt mehr Hecken und oft auch mehr Beweidung. Es herrscht damit ein anderes Erscheinungsbild, als wenn artenarme intensiv genutzte Wiesen und Maisfelder vorherrschen, allerdings ist der Bewirtschaftungsaufwand im Ökolandbau höher. Mag das Landschaftsbild für einen Landwirt, der unter wirtschaftlichem Druck steht, nicht im Vordergrund stehen, so ist es für den Tourismus in einer Urlaubsregion sehr wohl von Bedeutung, ob die Gäste die Landschaft als ästhetisch und schön oder als monoton empfinden. Ein Ausweg aus der Spirale, immer mehr und das auch immer günstiger zu produzieren, könne der Umstieg auf Öko-Landbau sein. Allerdings sei wegen des höheren Aufwands für die Herstellung der Produkte und die damit verbundenen Umweltleistungen ein fairer, höherer Preis notwendig. „Nur wenn Verbraucher die Produkte zu einem fairen Preis abnehmen, können die Landwirte auch ökologisch wirtschaften.“ Auch wenn der Markt für Bio-Lebensmittel wachse, seien zum Beispiel Molkereien nur in dem Maße bereit, so viel an Bio-Milch abzunehmen, wie sie dann auch verkaufen könnten. Somit sei der Absatz der limitierende Faktor für umstellungswillige Landwirte. Für die Ökomodellregion sei es wichtig, dass sie mit allen Landwirten, konventionellen wie ökologisch arbeitenden, gemeinsam ökologische Projekte durchführt.

Eines dieser Projekte ist die Arbeitsgruppe „Streuobst und Artenschutz“ in der Ökomodellregion, der Beate Rutkowski vorsteht. Das Streuobst ist ein uralter Bestandteil der Landschaft, es diente den Menschen als wichtige Vitaminquelle. Viele verschiedene Obstbaumarten, unter die sich gerne auch ein Walnussbaum mogelte, waren später im Weg, weil sie den effizienten Maschineneinsatz behinderten oder für Wohnraum und Gewerbegebiete weichen mussten. Um die Ästhetik und den ökologischen Nutzen der Streuobstwiesen wiederzubeleben, werden innerhalb der Streuobstinitiative der Ökomodellregion in enger Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Traunstein, der dabei die Federführung hat, bis Herbst ca. 750 Bäume neu gepflanzt, die während ihrer Nutzung als Obstbäume vielen Arten als Offenland-Lebensraum zur Verfügung stehen. Im Wald ist der Bestand zu dicht und die Wiese allein bietet nicht den Lebensraum für viele Vogel- und Insektenarten sowie Fledermäuse, eine Funktion, die die Bäume später auch als Totholz haben werden.

Dass die beiden Vorträge die Schüler angesprochen haben, merkte man auch an der anschließenden ausdauernden Diskussion, für die sich Beate Rutkowski und Marlene Berger-Stöckl noch die Zeit nahmen und bei der sie auf die Argumente der Schüler  eingingen.

Eingangsbild: Beate Rutkowski erklärte den Schülern die Naturschutzarbeit des BUND, Bild von Helmut Floder. 

Ein Bericht von Helmut Floder (Südostbayerische Rundschau vom 16.08.2018).

Einblick in die Arbeit auf einem Biohof

Verbraucher und Landwirte mit dem Kreisbildungswerk und der Ökomodellregion auf Tour: Ein Igelhaus mit Dachbegrünung, Rankrosen, die in den Ahornbaum wachsen dürfen, Insektenhotels, Ringelblumen und Tagetes als Bodendecker bei den Tomaten, ein Haus für 20 Hühner diverser Rassen, die ein langes schönes Leben haben: Zahllos sind die liebevollen Details am Naturland-Hof der Familie Götzinger, die sich auf Bioweideochsen-Mast und Biokalbinnen-Aufzucht spezialisiert hat – eines der Ziele der Exkursion „Bio erleben in Teisendorf“. Auf Einladung des Katholischen Bildungswerks Berchtesgadener Land und der Ökomodellregion Wagingersee-Rupertiwinkel erlebten 16 Interessierte verschiedensten Alters einen spannenden und informativen Nachmittag. Ziel waren zwei der mehr als 30 Bio-Höfe in der Gemeinde Teisendorf und ein Bio-Bäcker.


Thea Götzinger zeigt ein auseinanderbaubares Insektenhotel, das die Funktionsweise dieser Nisthilfe verdeutlicht. Dicht an dicht sind in den Röhrchen Insekteneier und Futter von Wildibienen (Solitärbrüter) gestapelt, Bild von Veronika Mergenthal . 

Gartenbäuerin Thea Götzinger führte die Gäste in Stötten durch ihren herbstlichen Bauerngarten  und stellte dann zusammen mit dem Betriebsleiter, ihrem Sohn Franz Götzinger Junior, und ihrem Mann Franz die Arbeitsweise am Hof vor. Vor 20 Jahren hat der Nebenerwerbs-Betrieb auf Bio umgestellt. Im Jahr 2000 fand er als Alternative zur Milchwirtschaft in der Biokalbinnen-Aufzucht eine Marktlücke, die freilich auch besser bezahlt werden sollte, wie die Bäuerin betonte.     Insgesamt sind etwa 85 Rinder am Hof. Die Kalbinnen bekommt der Betrieb von einigen benachbarten Höfen, nachdem sie wie im Ökolandbau vorgeschrieben drei Monate lang mit Vollmilch gefüttert wurden. Einige Wochen vor der Geburt des ersten Kalbes, mit gut zwei Jahren, werden die in Stötten besamten Kalbinnen trächtig an die Partnerbetriebe zurückgegeben.

Der andere Zweig, die extensive Mast von Bioweideochsen, erfordert viel mehr Aufwand als die herkömmliche konventionelle Bullenmast, bei der die Stiere mit einem halben oder dreiviertel Jahr geschlachtet werden. Die Verbraucher erfuhren, dass die Ochsen zweieinhalb Jahre lang mit sehr viel Grünfutter - Gras, Silage und Heu – aufgezogen werden und im Sommer ganz auf der Weide leben. Diese langsame, artgerechte Mast merkt man an der Qualität des Fleisches, das viel Omega3-Fettsäure enthält. Aufgrund der längeren Dauer und des höheren Platzaufwands wäre, wie Marlene Berger-Stöckl, Koordinatorin der Ökomodellregion, betonte, ein sehr viel höherer Preis für dieses besondere Fleisch erforderlich, damit heimische Betriebe auch künftig davon leben können.

Der Vorteil bei der Familie Götzinger ist, dass der Senior als Zimmerer und der Junior als Maurer den Stall in Eigenregie kreativ und zweckmäßig umbauen konnten. So entstand beispielsweise aus zwei überdachten Fahrsilos ein offener Ochsenstall. „Man muss alles können als Bauer: Maurern, Elektroarbeiten, Maschinenrichten“, so das Credo von Franz Götzinger Senior.

Ein echter Biopionier ist Matthias Spiegelsperger aus Wimmern, der bereits in den 80ern auf Ökolandbau umstellte und später dem Demeter-Verband beitrat. Der kleine Betrieb, weitgehend im Vollerwerb geführt, hat 13 Pinzgauer-Kühe mit Hörnern plus Nachzucht. Rein aus Grünfutter bringen die Tiere eine Leistung von etwa 4500 Litern. Wechselnd stehen sie auf zwei bis drei hofnahen Koppeln. Auf 1,8 Hektar Acker gedeihen nacheinander Dinkel und die alte Sorte „Laufener Landweizen“, Kartoffeln und Feldgemüse, Hafer, Winterroggen und das zweijährige Kleegras. Durch diese Fruchtfolge gibt es kaum Unkrautdruck. Die Teilnehmer hatten viele Fragen, etwa, ob Ampfer auf der Weide bekämpft werden muss. Laut Spiegelsperger ist dieser kein Problem, da es keinen überhöhten Stickstoff-Eintrag gebe. Die Frage, ob die Dürre einen Einfluss auf den Ertrag hatte, konnte der Bauer verneinen: Die Kartoffelernte sei sogar sehr gut ausgefallen. Aus Dinkel und Roggen wird am Hof alle zwei Wochen ein Vollkorn-Sauerteig-Brot gebacken, das ein fester Kreis an Stammkunden kauft. Durch bodenschonende Geräte wie Mähdrescher mit geringer Spurbreite vermeidet er Bodenverdichtung und erhält das aktive Bodenleben. Zwischen zwei etwas weiter entfernten Waldstücken hat der Betriebsleiter zwei landschaftsbildprägende Hecken angelegt, die eine Nahrungsquelle für Vögel und Zuflucht für Wildtiere sind.     


Viel Bewunderung fand der herbstliche Bauerngarten von Thea Götzinger (vorne links), Bild von Veronika Mergenthal. 

Mit einer Brotzeit beim Teisendorfer Bäcker Andreas Neumeier, der auch Bioprodukte aus Laufener Landweizen bäckt, und einem offenen Austausch klang die Führung aus. Der Umgang mit regionalen Rohstoffen und schwankenden Qualitäten verlange vom Bäcker wesentlich mehr Erfahrung als normiertes Standardmehl, es mache das Backen aber auch interessant, erklärte Neumeier. Der Trend gehe im Bäckereigewerbe allgemein wieder weg von Fertigbackmischungen hin zu mehr hoher Qualität im Bäckerhandwerk.

Unter den Teilnehmern waren neben interessierten Verbrauchern auch andere Biolandwirte, die sich Anregungen holten, wie Annelies Gebhard-Kecht aus Jakobspoint bei Tettenhausen, die Biomilchkühe hat. Sie steht kurz vor der Hofübergabe an ihre Tochter Veronika Moser, die auch ihre Anna (3) dabei hatte, und deren Mann. „Wir haben gute Berufe. Ich bin Krankenschwester und mein Mann baut weltweit Maschinen auf“, erklärt Veronika Moser. Sie seien daher in der „Findungsphase“, um den Hof weniger arbeitsintensiv nebenbei weiter bewirtschaften zu können.

Eingangsbild: Die Bauernfamilie Franz Götzinger senior, Franz Götzinger junior und Thea Götzinger (3. bis 5.v.li.) mit Exkursionsteilnehmern vor der weitläufigen Weide, Bild von Veronika Mergenthal. 

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Südostbayerische Rundschau vom 10.10.2018).

Einladung zum Bioerlebnistag: Genussradltour am 15.09.18

Bioerlebnistag am 15.09.2018 in der Ökomodellregion - Genussradltour rund um Waging und Otting
Programmablauf:

9:00 Uhr: Wir treffen uns am Bahnhof in Waging; bitte eigenes Fahrrad, passende Kleidung, ackerfestes Schuhwerk und Getränke mitbringen!
Unsere Radtourenführer begleiten uns nach Gessenberg, wo wir einen Zwischenstopp an der sehenswerten Kapelle machen. Weiter geht´s über schöne Nebenstrecken nach Otting. 

9:45 Uhr: Im Ottinger Kirchgarten werden wir vom Bäcker Wahlich empfangen, der einen wunderbaren Biobrotteig aus der alten heimischen Getreidesorte „Laufener Landweizen“ für uns vorbereitet hat. Gemeinsam kneten und markieren wir unsere Brotlaibe und schießen sie in den Holzbackofen ein. Nebenbei verkosten wir ein paar Probierhappen und erschmecken den Charakter kaltgepresster Öle von Ölmüller Hans Niedl, mit Zutaten wie Lein, Senf, Leindotter, Hanf oder Sonnenblumen von Biobauern aus der Ökomodellregion.

11:15 Uhr: Weiterfahrt zum Bioweidemilchbetrieb von Martin Posch in Eibl 2 

11:45 Uhr: Wir lassen uns vom erfahrenen Biobauern Martin Posch zu einer seiner Weiden führen, schauen seiner Herde beim Grasen über die Schulter und lassen uns erklären, wie beste Biomilch klassisch aus Gras und Heu erzeugt wird und was einen Biohof ausmacht.  


Genussradltour rund um Waging und Otting, Bild von Richard Scheuerecker.

12:45 Uhr: Weiterfahrt nach Tettenberg zum Demeter-Gemüseacker 

13:00 Uhr: Ankunft und Empfang durch die Gemüsebäuerin Kristine Rühl. Bei der Begehung des herrlich über dem See gelegenen Gemüseackers bestaunen wir einige der über 50 Gemüsesorten, die Kristine seit einigen Jahren hier in Demeterqualität anbaut. Und das nicht allein: Sie wird dabei von Leuten unterstützt, die hier vorleben, wie eine „solidarische Landwirtschaft“ (SoLaWi) ausschauen kann. Solidarisch heißt, hier helfen alle zsamm, wie früher Bauersleut und Nachbarn auf dem Hof. Hier wird nicht nur die Ernte geteilt, es wird auch gemeinsam gearbeitet, gefeiert und für das Einkommen des Betriebes durch die Abnahme fester Ernteteile vorgesorgt. Wir ernten selbst Gemüse und bereiten frisch vom Feld weg gemeinsam eine Mahlzeit zu. Ein Zelt für Regen oder Hitze ist vorhanden. Ernten – Kochen – Genießen. Dazu gibt es unser frisch gebackenes Ottinger Holzofenbrot.  

15:00 Uhr: Gegen 15.00 Uhr radeln wir über eine aussichtsreiche Strecke weiter nach Taching und am Seeweg entlang entspannt nach Waging zurück (bei Regen kürzen wir ab und sind in einer Viertelstunde zurück).   

15:45 Uhr: Rückkehr nach Waging und Programmende. 

Unkostenbeitrag: 20,-€ pro Person für Erwachsene. Kinder bis 14 Jahre sind frei.

Bitte Vorauskasse unter dem Stichwort „Biogenussradltour“ auf das Konto der Gemeinde Waging IBAN DE61 7105 2050 0000 3200 69.  

Anmeldung im Büro der Ökomodellregion (Veranstalter) bis Freitag, 17.08.2018 unter Tel. 08681/ 400537 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Eine Anmeldung ist noch bis September möglich, Anmeldungen nach dem 17.08.2018 (per Mail oder per Anrufbeantworter) kann die Ökomodellregion erst am 11.09.2018 bestätigen.   

Ein Bericht von Ökomodellregion.

Eingangsbild: Genussradltour rund um Waging und Otting, Bild von Richard Scheuerecker.

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