Echter Zugewinn für Direktvermarkter

Der Städtische Schlachthof Laufen wurde biozertifiziert – ein Meilenstein für die heimischen Erzeuger von Biofleisch. Nach Überreichung der Betriebsgenehmigung des Umwelt- und Verbraucherschutz-Ministeriums durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Teisendorf steht dem Bio-Zerlegebetrieb in Laufen nichts mehr im Wege.

„Beeindruckend ist die Schnelligkeit, mit der Sie dieses Vorhaben umgesetzt haben“, sagte die Ministerin bei der Präsentation des Ökomodellregions-Projekts im Hotel Gut Edermann. Schließlich sei Laufen erst Anfang 2017 als zehnte Gemeinde der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel beigetreten.

Kaniber nannte den biozertifizierten Zerlegebetrieb einen „echten Zugewinn für die direktvermarktenden Landwirte“. Eng kooperierten die Stadt, das Schlachthofteam, die Erzeugergemeinschaft (EG) Schlachtvieh Traunstein und die Modellregion bei der Vorbereitung. Die EG unter Vorsitz von Hans Grabner wirkte aktiv am Prozess mit und investierte mit in die notwendigen Maßnahmen. Ökomodellregions-Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl hob auch die Unterstützung durch den früheren EG-Geschäftsführer Bernhard Reiter hervor. Neben den fünf in Laufen beteiligten Metzgern, die den Schlachthof bereits nutzen, kann damit auch die Erzeugergemeinschaft Tiere in überschaubarer Stückzahl biozertifiziert schlachten und zerlegen, genau wie jeder Landwirt aus der Region, der in eine direkte Vermarktung von Biorindfleisch einsteigen möchte. „Aufgabe der Ökomodellregion war und ist es, die beteiligten Partner zusammen zu bringen“, erläuterte Berger-Stöckl gegenüber der Heimatzeitung.

Zur Sicherung der Zukunft ihres Schlachthofs habe die Stadt 2009 bereits 190.000 Euro investiert, erklärte Laufens Bürgermeister Hans Feil. „Ziel war, diesen mit der Biozertifizierung breiter aufzustellen.“ Mit der EG habe man einen „super Partner gefunden“. Warum dieser Zusammenschluss von über 4000 Landwirten nach dem Kauf des Schlachthofs Traunstein in das Laufener Projekt investierte, erklärte Grabner mit der verstärkten Nachfrage der Verbraucher nach Biofleisch. Das Schlachthof-Team sei ein unkomplizierter Partner gewesen. Laut Schlachthofleiter Thomas Streitwieser wurde der Umbau kostengünstig mit eigenem Personal bewerkstelligt.

Auch die Biometzger freuen sich über die neuen Chancen, wie Otto Wittschek aus Niederheining. „Ich und mein Sohn sind beide Biometzger“, erzählte er stolz. Daneben hat er einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb. Er schlachtet für bäuerliche Direktvermarkter wie Familie Beer in Weng bei Ainring und Familie Lecker in Niederheining. Damit schließt sich der Kreis zur biozertifizierten Gastronomie (s. eigener Bericht). Biofleisch kann über beteiligte Metzger oder die EG Schlachtvieh künftig direkt aus der Region bezogen werden. Berger-Stöckls Fazit: „Aufgabe ist es jetzt, den Absatz so anzukurbeln und zu stärken, dass diese Möglichkeit, soweit es die Kapazität des kleinen Schlachthofs erlaubt, intensiv genutzt wird.“

Solche Kooperationen seien „gelebter Umwelt- und Heimatschutz“, befand der Traunsteiner Landrat Sigi Walch (CSU). Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl lobte die Förderung von früher selbstverständlichen Einrichtungen wie kleine, dezentrale Schlachthöfe.

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Südostbayerische Rundschau vom 25.04.2018).

Eingangsbild: Erleichtert über die Betriebsgenehmigung: Laufens Bürgermeister Hans Feil (ganz li.), hier mit (v.li.) Biometzger Otto Wittschek, Schlachthofmeister Anderl Schmid, Ministerin Michaela Kaniber, Schlachthofleiter Thomas Streitwieser, Biometzger Christian Sichert, Rathaus-Geschäftsleiter Christian Reiter und Hans Grabner von der EG Schlachtvieh, Bild von Veronika Mergenthal.

Nur Gewinner beim neuen Öko-Getreidelager

„Das Öko-Getreidelager Mussenmühle in Tacherting ist ein echter Meilenstein für unsere Ökomodellregion“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Vorstellung dieses Projektes der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Alle Beteiligten - drei heimische Unternehmen und Bio-Pioniere, die Eigentümerfamilie Huber und an die 30 kleinbäuerliche Betriebe - profitieren von dieser Kooperation.

Sie wurde nun im Hotel Gut Edermann und bei einer Führung in der Mussenmühle näher vorgestellt. Viele dieser landwirtschaftlichen Betriebe, die Ökoackerbau nur auf kleinen Flächen betreiben oder im Nebenerwerb wirtschaften, haben keine guten Lagermöglichkeiten. So hatten sie bisher ihr Getreide sofort nach der Ernte zur Mühle gefahren oder an eine Vermarktungsgesellschaft übergeben, wobei hier kein besonders guter Preis erzielt werden konnte. „Selber ein Lager vorzuhalten wäre auch mit immensen Kosten verbunden“, ergänzt Landwirt Ludwig Braml aus Nussdorf bei Traunstein auf Anfrage der Redaktion. Zudem wäre es sehr aufwändig, mit einem Lkw die vielen kleinen Partien bei den einzelnen Landwirten einzusammeln.

„Wir sind da der Schlossbrauerei Stein sehr dankbar“, erklärte er. Die Brauerei, einer der ersten Kooperationspartner der Ökomodellregion, pachtete das leerstehende Lager in der Mühle für eine separate Lagerung von heimischem Biogetreide an. Alle Partner unter Vorleistung der Brauerei Stein und der Besitzerfamilie Huber investierten zuerst in die Sanierung der Siloanlagen und der vorhandenen Anlagen für Trocknung und Belüftung. Nun konnte die Braugerste, für die Stein den zwölf beteiligten Landwirten einen fairen Preis, in der Regel über dem Bio-Marktpreis, bezahlt, getrocknet, belüftet, umgewälzt, gelagert und zum Mälzen gebündelt werden.

2017 gelang es der Brauerei, mit Unterstützung ihres Technik-Experten Ulli Probst, in Pappenheim im Altmühltal eine passende Reinigungsmaschine zu erwerben und einzubauen. Zwei über 80-jährige Männer, die einst in Pappenheim für Projektleitung und Montage zuständig waren, unterstützten Probst beim professionellen Einbau der Anlage der Gebrüder Schmidt. Sie funktionierte vom ersten Tag an. Wie der Steiner Braumeister Markus Milkreiter erläuterte, können nun in mehreren Reinigungsschritten Kleingetreide und Leindotter vom Getreide getrennt werden. Seither kann neben Biodinkel auch Biohafer eingelagert werden, dessen Lagerung aufwändiger ist.


Technik-Experte Ulli Probst präsentiert die neueste Errungenschaft der Schlossbrauerei Stein für das Öko-Getreidelager, eine professionelle Reinigung, Bild von Veronika Mergenthal.

Um die Auslastung des Lagers zu erhöhen, wurde der Knuspermüsli-Hersteller Barnhouse aus Mühldorf mit ins Boot genommen. Die Bayerin Sina Nagl hatte mit dem Engländer Neil Reen nach der Gründung 1979 die ersten fünf Münchner Bioläden beliefert. Inzwischen hat sie in Mühldorf  fast 00 Mitarbeiter. Die Geschäftsführerin sieht sich in der Verantwortung, zu mehr Ökolandbau und ökologischem Bewusstsein beizutragen. „Dass man das nicht zum Nulltarif kriegt, ist selbstverständlich.“ Durch Drei-Jahres-Verträge erhalten ihre Lieferanten Planungssicherheit. Der von diesen vorgeschlagene faire Preis werde nicht diskutiert, stellte Nagl klar. Beim Hafer werde die Hälfte, beim Dinkel ein Drittel des Bedarfs aus der Region gedeckt; Ziel sei langfristig 100 Prozent. Zwischen acht und zehn Bauern aus der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel bauen seit 2015 Dinkel und Hafer für Müsli an. Durch die Bündelung in der Mussenmühle kann auf einen Schlag so viel Ökogetreide angeliefert werden, wie gewünscht ist - ob 25, 50 oder noch mehr Tonnen.

„Ich finde es super, dass wir über die Ökomodellregion unser Getreide vermarkten können“, betont Andreas Remmelberger aus Burgkirchen. Da die Getreidemenge in der Region für den Müslihersteller nicht reiche, seien die Ökomodellregion Isental und die Biogenossenschaft „Tagwerk“ mit ins Boot genommen worden. „Spaß macht vor allem die Umsetzung immer neuer Ideen. So haben wir Bauern alle ein Wildbienenhotel bekommen und können mit Mehrnutzen-Feldern, einem Gemenge aus Hafer und Leindotter, dem Insektensterben entgegenwirken.“


Ein Sieb in der Reinigungsmaschine. Zunächst wird das Ökogetreide vom Kleingetreide getrennt und in einem weiteren Schritt wird aus diesem der Leindotter heraussortiert. Leindotter liefert ein sehr hochwertiges Speiseöl mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Bild von Veronika Mergenthal.

„Wir haben dort die Möglichkeit, unser Getreide optimal zu lagern“, erläutert Ludwig Braml, der dafür eine monatliche Einlagerungsgebühr zahlt. Der Nussdorfer hat vor gut zehn Jahren auf Bioland-Ackerbau umgestellt. Früher hatte er 140 Rinder, darunter 40 Milchkühe. Bereits vor 15 Jahren habe er mit der Milch auf Bio umstellen wollen, doch damals sei die Nachfrage noch nicht so groß gewesen. Da sein Hof denkmalgeschützt ist, waren zudem Umbauten nicht möglich. Und aussiedeln wollte Braml nicht, „weil sowieso genug Milch und Fleisch am Markt ist“. Er baut nun auf seinen Feldern in der von den Vorfahren überlieferten Fruchtfolge unter anderem Ackerbohnen und Futtergetreide an – und seit zwei Jahren auch jeweils acht Hektar Dinkel und Hafer für Müsli.

Der dritte Partner für eine verbesserte Wertschöpfung im Ökoackerbau ist Byodo in Mühldorf, für den fünf bis neun Landwirte bereits Biosenf anbauen, darunter Sepp Probst aus Chieming. Er erntete im vierten Jahr etwa zwei Tonnen Senf, den er wegen der Anfälligkeit für Schädlinge zusammen mit Erbsen kultiviert. Darüber hinaus baut er Leindotter und Öllein für eine Ölmühle und alte Sorten wie Laufener Landweizen, Emmer und Einkorn - „meine Leidenschaft“ - für eine Chieminger Bäckerei an.

Auch die Besitzerfamilie, ein junges Ehepaar mit vier Buben, ist begeistert. Burgi Huber übernahm die Mühle vor zehn Jahren von ihrem Vater und führt sie in der 8. Generation. „Das Projekt ist spannend. Aber es funktioniert. So ein Biolagerhaus ist einmalig“, stellt ihr Mann Markus Wallner-Huber stolz fest.

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Trostberger Tagblatt vom 24.04.2018).

Eingangsbild: Braumeister Markus Milkreiter (li.) von der Schlossbrauerei Stein bei der Führung im Öko-Getreidelager. Rechts neben ihm Barnhouse-Geschäftsführerin Sina Nagl und ganz rechts von vorn Eigentümerin Burgi Huber und Brauerei-Geschäftsführer Stefan Haunberger, Bild von Veronika Mergenthal.

Waging freut sich über die Auszeichnung als „Genussort"

„Es ist jetzt amtlich: Bei uns ist der Genuss zu Hause!“ Große Freude bei der Waginger Tourist-Info-Leiterin Eva Gruber und bei all den vielen anderen, die zu der Auszeichnung von Waging am See als „Genussort Bayern“ beigetragen haben. In der Allerheiligen-Hofkirche in der Residenz München haben Eva Gruber, die Gesundheitstrainerin und Vollwertköchin Yvonne Liebl und Julia Lampersperger von der Firma Bergader aus den Händen von Landwirtschaftsminister Brunner die Auszeichnung entgegen genommen. Damit stehe Waging am See, wie Eva Gruber zufrieden feststellt, nun für besondere Genuss-Schätze und engagierte Leute, die sich für das kulinarische Erbe ihrer Heimat einsetzen.

Waging am See ist zusammen mit neun Nachbargemeinden Mitglied der seit 2014 staatlich anerkannten Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Deren Ziele sind vor allem die Förderung des Ökolandbaus und somit der Erzeugung von heimischen Bioprodukten. Werte wie Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit werden groß geschrieben. In Kooperation von Tourismus und Ökomodellregion ist in den vergangenen Jahren viel geschehen – eine stolze Liste an Projekten hat sich daraus ergeben, die letztlich zu der Auszeichnung „Genussort Bayern“ geführt haben.

Eine ganze Reihe an Produkten ist dabei entstanden: die Waginger-See-Hoibe, ein Bio-Zwicklbier der Schlossbauerei Stein mit Bio-Braugerste aus der Region; der Waginger-See-Kas, ein Bio-Käse aus der Region von zehn Milchbauern und zwei Hofkäsereien; das Bio-Flaschlbrot, eine Backmischung aus regionalem Getreide mit Laufener Landweizen; die Bio-Genusskiste, eine Auswahl regionaler Lebensmittel mit saisonal wechselnden Inhalten; das Bio-Rupertirind im Glas. Zudem haben sich in der Region einige Restaurants und Cateringbetriebe bio-zertifizieren lassen und bieten zahlreiche regionale Produkte an.

Begleitet werden all diese Initiativen von einem umfangreichen touristischen Genussprogramm:
Angebote von 21 Wirten auf das ganze Jahr verteilt (Musikantenstammtisch, Genuss-Schweinebraten, Fisch-, Spargel-, Pfifferlingswochen, Grillabende, Bierverkostung), jeden Samstag Bauernmarkt, die Bergader Schmankerlstund, Bierverkostungen, Kochkurse, Kräuterwanderung mit der Diplom-Kräuterkundlerin Geli Egger auf den Mühlberg, kulinarischer Spaziergang durch Waging, Pilzwanderung mit Till Lohmeyer, Gemüse zum Selberernten, geführte Hofladen-Radtour, Obstbrennerei-Besichtigungen, Steckerlfischgrillen, Waginger Genusswochen mit regionalen Produkten in der Gastronomie mit Begleitprogramm und als Finale die Schmankerl-Meile beim Handwerker- und Bauernmarkt. All das und noch einiges mehr, so fasst Eva Gruber zusammen, seien die Gründe dafür, warum ausgerechnet Waging am See ­- neben sechs weiteren aus dem Bezirk Oberbayern - diese Auszeichnung erhalten hat.

Die erste Wettbewerbsrunde war am 23. Juli 2017 von Landwirtschaftsminister Brunner gestartet worden. Bis zum 25. September 2017 konnten die Bewerbungen zum Genussort eingereicht werden. Der Wettbewerb hat viel Zuspruch aus allen Regierungsbezirken Bayerns erhalten. Die rund 150 eingereichten Bewerbungen wurden von einer unabhängigen Expertenjury mit Vertretern aus Kultur, Kirche, Wissenschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Gastronomie, Verbraucherschutz und Medien bewertet. Aus diesen zahlreichen Bewerbungen hat die Jury 46 Genussorte in Bayern ausgewählt.

Minister Brunner nannte in seiner Rede zur Preisverleihung die Auszeichnung „Genussort Bayern“ als „eine Abgrenzung von industrieller Nahrungsmittelproduktion“. Landwirtschaft, Kultur, Landschaft, Handwerksbetriebe, Gastronomie und Tourismus müssten noch stärker vernetzt und verbunden werden. Und man dürfe sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben: „Wir wollen optimale Lebensbedingungen schaffen, Brauchtum und Tradition lebendig gestalten, Kraft schöpfen für die Zukunft, uns von Massenprodukten unterscheiden, müssen die Spitze der Qualitätspyramide weiter erklimmen, die Wertschätzung unserer regionalen Produkte weiter verbessern, die Nähe zum Verbraucher herstellen und somit eine gesteigerte Wertschöpfung schaffen.“ Und, so der Minister zum Abschluss, „die Auszeichnung sollte nicht als Ruhekissen missverstanden werden, sondern Ansporn sein, nochmals Gas zu geben und unsere Region mit allen Trümpfen, die wir zur Hand haben, weiterzuentwickeln“.

Ein Bericht von Hans Eder (Südostbayerische Rundschau vom 08.03.2018).

Eingangsbild: Julia Lampersperger von der Firma Bergader (von links), die Leiterin der Waginger Tourist-Info Eva Gruber sowie die Gesundheitstrainerin und Vollwertköchin Yvonne Liebl waren nach München gefahren, um für Waging die Auszeichnung als „Genussort Bayern“ abzuholen, Bild von TI Waging.

Nachtrag – hier noch ein paar Auszüge aus der Rede vom Minister:

Was ist ein Genuss? Man kann ihn mit allen Sinnen wahrnehmen, aber vielleicht kann man Genießen auch mit Lebensfreude und -qualität gleichsetzen. Durch die Bewerbung wurden die Besonderheiten der Region unter Beweis gestellt. Einher ging die Besinnung auf das, was man vor Ort hat, in den Vordergrund zu stellen. Ohne Macher, Initiatoren, Entscheidungsträger, Vorreiter, Schrittmacher würde das mit einer Nivellierung derselben einhergehen. Ziel ist es, die Menschen vor Ort zum Aktivsein anzuregen, dass sie stolz sind auf ihre Heimat und ihre Wurzeln. Das was wir haben noch stärker in den Vordergrund zu stellen. Eine Abgrenzung von industrieller Nahrungsmittelproduktion. Ein Stück Bayern zum Ausdruck zu bringen. Von anderen bewundert zu werden. Landwirtschaft, Kultur, Landschaft, Handwerksbetriebe, Gastronomie und Tourismus müssen noch stärker vernetzt und verbunden werden. Mit dem Erreichten dürfen wir uns nicht zufrieden geben, wir wollen optimale Lebensbedingungen schaffen, Brauchtum und Tradition lebendig gestalten, Kraft schöpfen für die Zukunft, uns von Massenprodukten unterscheiden, müssen die Spitze der Qualitätspyramide weiter erklimmen, die Wertschätzung unserer regionalen Produkte weiter verbessern, die Nähe zum Verbraucher herstellen und somit eine gesteigerte Wertschöpfung schaffen. Die Auszeichnung sollte nicht als Ruhekissen missverstanden werden, sondern Ansporn sein, nochmal Gas zu geben und unsere Region mit allen Trümpfen die wir zur Hand haben weiterzuentwickeln. Ende des Jahres wird es einen kulinarischen Reiseführer mit allen 100 Genussorten geben um zu sehen, wo, wie, was wann in Bayern angeboten wird.

Hier sind noch mehr Infos zu finden.

Regionale Bioprodukte auf die Teller - „Biowirtenetzwerk“ vorgestellt

„Für uns als kleine Nebenerwerbler ist diese Ökomodellregion eine wunderbare Erfolgsgeschichte“, sagte der Landwirt Hans Koch aus Holzhausen bei Teisendorf. Viele kleine Biodirektvermarkter wie Koch stellen nur ein einzelnes Produkt her, wie Biokalbfleisch – im Falle von Koch – oder Biosonnenblumenöl. Der Zukunft dieser Höfe dient das neu geschaffene „Biowirtenetzwerk“ der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Es wurde nun im Hotel Gut Edermann öffentlich vorgestellt.

„Bio ist spitze, aber es muss regional sein“, befand als Ehrengast Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sie begrüßte, dass die Salzachklinik in Fridolfing seit 2015, nach Abschluss des Coachings „BioRegio“ ihres Hauses für die Ökomodellregion mit einem Biokoch, einen klar definierten Anteil an regionalen Bioprodukten verwendet, nämlich 20 Prozent.

„Gerade die selbst erzeugten, absolut naturnahen Produkte haben einen besonderen Reiz für die Region und tragen zum Erhalt kleiner Höfe bei. Immer wichtiger wird in der Vermarktung die Außer-Haus-Verpflegung und die Gastronomie“, so Ökomodellregions-Koordinatorin Marlene Berger-Stöckl.

Für die Gastronomie seien die Möglichkeiten einer Biozertifizierung inzwischen flexibler geworden: Jeder Wirt, der Interesse hat, einen Teil seines Aufwands in Bio zu tätigen und ohne Aufwand auf der Speisekarte sichtbar zu machen, könne daran teilnehmen. Das bedeute nicht, dass nur noch Bioprodukte verwendet werden dürfen.  „Der Anteil darf ruhig anfangs klein sein. Wichtig ist es, den Umgang mit der Biozertifizierung und mit dem regionalen Einkauf einzuüben und den Anteil später zu steigern“, erklärte Berger-Stöckl gegenüber der Heimatzeitung.

In der Ökomodellregion haben sich Ende 2017 bis Anfang 2018 mehrere Gastwirte und Hoteliers sowie ein Catering-Service zusammengefunden und biozertifizieren lassen: das Hotel Gut Edermann aus Holzhausen bei Teisendorf, mehrere Betriebe aus Waging wie das Hotel Eichenhof, das Strandkurhaus und Yvonne Liebl, die auch für die „Biogenusskiste“ der Ökomodellregion verantwortlich zeichnet, und das für seine Regionalität bekannte Hotel Rehlegg aus der Ramsau. Sie bekennen sich damit zu einem regionalen Bio-Anteil in ihrer Küche. Erzeuger wie zum Beispiel der Geflügelhof Kettenberger aus Tittmoning können anders planen, wenn sie rechtzeitig wissen, wie viele Küken aufzustellen sind, weil durchgehend ein entsprechender Absatz da ist. Dieses Netzwerk kommt auch Landwirten wie Hans Koch zugute: Er konnte im Vorjahr seine gesamte Jahresproduktion, 17 Kälber, in der Region vermarkten. Sein Kalbfleisch kommt unter anderem im direkt benachbarten Wellnesshotel auf den Tisch.

„Marlene Berger-Stöckl hat bei mir nicht locker gelassen“, berichtete der dortige Geschäftsführer Michael Stöberl. Von ihr und der Zertifizierungsstelle „ÖkoP“, die er mit seinem Küchenchef Ronny Völkel aufsuchte, habe er große Unterstützung bekommen. „Diesen Weg zur Biozertifizierung haben wir uns viel schwieriger vorgestellt“, so Stöberl. Er machte anderen Gastronomen Mut: „Man muss davor keine Angst haben.“ Das Hotel, das vor sechs Monaten innerhalb einer Woche seine Biozertifizierung erhalten habe, müsse nun lediglich den Fluss der Waren, die möglichst frisch sein sollten, dokumentieren.

„Die Hotelgäste fragen immer mehr nach Bio“, erklärte Stöberl. Auch vorher habe man schon Biolebensmittel verwendet. Inzwischen seien 30 bis 40 Komponenten beim Frühstücksbuffet Bio – etwa ein Drittel der Waren –, und auf der Speisekarte stünden drei bis vier Gerichte mit Bio-Anteil. Es gibt viele Gründe, warum Gäste auf der Speisekarte Bio wählen: Der Verzicht auf Pestizide und mineralische Dünger leistet einen wichtigen Beitrag zur Sauberhaltung der Gewässer wie Waginger See und Abtsee und damit auch des Trinkwassers. Eine vielfältige Landschaft, der Artenschutz und mehr Tierwohl werden unterstützt.

Auch den Weg der Ökomodellregion zur  Genussregion treibt das Biogastronetzwerk voran, weshalb sich auch die Vertreter der großen Tourismusverbände BGLT und Chiemgau-Tourismus in Holzhausen eingefunden hatten. Erste Besonderheiten sind die „Waginger See Hoibe“, das erste Biobier mit heimischer Braugerste,  sowie der „Waginger See Kas“, der von diversen Biokäsereien der Ökomodellregionen stammt. Regionale Biokochkurse oder Biogenussradltouren eröffnen dem Tourismus weitere Perspektiven. Hilfreich für die Biogastronomen ist auch die zeitgleiche Biozertifizierung des Schlachthofs Laufen (siehe eigener Bericht auf der Laufener Seite).      

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Südostbayerische Rundschau vom 24.04.2018).  

Eingangsbild: Stolz auf das neue Biowirtenetzwerk (v.li.): Eva Gruber, Leiterin der Tourist-Info Waging, Michael Stöberl vom Hotel Gut Edermann, Alfons Leitenbacher, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein; Landwirt Hans Koch und Klaus Lebek, Hotel Eichenhof in Waging, Bild von Veronika Mergenthal.

Gemeinschaftsveranstaltung Biogenuss-Radltour ausgezeichnet

Herausragende Veranstaltungen der Ökoerlebnistage 2017 sind auf der Biofach in Nürnberg, der Weltleitmesse für Bio-Produkte, ausgezeichnet worden. Die Preise überreichten Josef Wetzstein, der Vorsitzende der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), und der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

Für eine besonders gelungene Gemeinschaftsveranstaltung erhielt die Öko-Modellregion Waginger See – Rupertiwinkel eine Auszeichnung: Auf einem entspannten Fahrradausflug zu fünf verschiedenen Bio-Höfen rund um Tittmoning hatten die Teilnehmer erkundet, wie Bio-Tiere gehalten werden, an welchen Anbaukooperationen die Höfe beteiligt sind und wie Lebensmittel von hoher Qualität entstehen. Hofverkostungen, ein Bio-Buffet und eine Wiesenprämierung hatten die Veranstaltung abgerundet (wir berichteten).


Die Gruppe aus der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel fuhr mit dem Zug zur Prämierung nach Nürnberg, Ankunft vor der Messehalle (nicht auf dem Bild: Elke Ott und Bärbel Forster), Bild von ILE.


Vor der Prämierung besuchte die Waginger noch den Barnhouse-Stand, um die neuen Müslisorten mit Hafer und Dinkel aus der Ökomodellregion zu testen,Bild von ILE.

35 hochmotivierte Teilnehmer waren damals begeistert mitgeradelt, obwohl – wie das die Managerin der Ökomodellregion Marlene Berger-Stöckl so schön zusammenfasste – „das Wetter kaum gräuslicher hätte sein können“. Nach einem ausgiebigen Biofrühstück auf dem Biohof Glück gab es unterwegs ausführliche Führungen auf drei weiteren Biohöfen, bevor am fünften ein Buffet – selbstverständlich aus heimischen Bioprodukten – genossen wurde. Als Abendbaustein fand noch die Prämierung der schönsten Wiesen in der Ökomodellregion statt, mit einem sehr interessanten Vortrag, gemeinsam  mit den zwei Regionalinitiativen ILE und LEADER.

Die Ausstellung mit den Fotos dieser Wiesen wird übrigens derzeit in der Tourist-Info in Waging gezeigt (montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr).


Elke Ott (Leader-Managerin) und Diana Linner (Radtourenleiterin) vor der Prämierung, beide haben den Ökoerlebnistag mitorganisiert, wie auch Alexandra Huber (ILE, nicht auf dem Bild) und Jessica Romstötter (ÖMR, nicht auf dem Bild), Bild von ILE.

Die Teilnehmer hatten an den Hofführungen so großes Interesse gezeigt, dass auf jedem Hof über eine Stunde lang Station gemacht wurde. Jeder Hof hatte kulinarische Spezialitäten vorbereitet, die probiert wurden  -  vom Aufstrich aus Biohofgemüse bis zur Salami aus Biorind (Biohof Glück), vom Produkt aus Laufener Landweizen bis zum Biokäse von der Hofkäserei und Wurst aus eigener Mutterkuhhaltung (Betrieb Andreas Maier in Waldering). Und nicht zuletzt wurden die regionalen Bioprodukte aus der Ökomodellregion probiert, die es in dieser Form noch gar nicht so lange gibt: das regionale Granola-Bio-Müsli von Barnhouse, der Byodo-Senf aus Mischanbau vom Waginger See, das neue Biobier der Brauerei Stein, das Flaschlbrot aus Laufener Landweizen, das Biobier-Räuchersalz von der Chiemgauer Genussmanufaktur aus Palling und die Biomilchprodukte von den Molkereien Andechs und Berchtesgadener Land, die auf dem Hof von Hans und Dorothee Englschallinger in Kay verkostet wurden. Über sein freilaufendes Biogeflügel, das ohne Einsatz von Antibiotika erzeugt wird, informierte Sebastian Kettenberger, bevor der Abschluss im Hofcafé Mühlradl von Alois und Roswitha Leitner mit Biobuffet und selbstgemachtem Bauernhofeis aus eigener Naturlandmilch stattfand. Das Biobuffet wurde von drei Caterern gestaltet – und alle drei haben überwiegend bei kleinen, heimischen Direktvermarktern ihre Zutaten eingekauft.


Mitte, rechts neben Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (3. von links): Roswitha Leitner (Hofcafe Mühlradl, Biogenussbuffet) und Jutta Staudt-Franzen (Bioladen Hof Glück, Biogenussfrühstück), nehmen die Urkunde in Empfang; nicht auf dem Bild: die Landwirte Andreas Maier (Waldering), Hans Englschallinger (Kay) und Sebastian Kettenberger (Kettenberg), alle aus Tittmoning, Bild von ILE.

Die Bio-Erlebnistage in Bayern sind eine Veranstaltung der LVÖ mit ihren Mitgliedverbänden Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Bei den 17. Ökoerlebnistagen 2017 konnten tausende Interessierte in ganz Bayern bei rund 270 attraktiven Veranstaltungen Erzeugung und Herstellung von heimischen Bio-Lebensmitteln hautnah erleben. „Die ausgezeichneten Veranstaltungen begeistern besonders durch ihre Kreativität, liebevolle und professionelle Durchführung sowie ihre inhaltliche Schwerpunktsetzung“, lobte Josef Wetzstein, der Vorsitzende der LVÖ in Bayern in seiner Rede. „Mit ihrem Ideenreichtum und persönlichem Einsatz machen die Veranstalter die Öko-Erlebnistage Jahr für Jahr zu einem Highlight“, so Wetzstein.

Ein Bericht von Hans Eder (Südostbayerische Rundschau vom 21.02.2018).

Eingangsbild: Preisverleihung an die Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel, von links: Josef Wetzstein, der Vorsitzende der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), Cordula Rutz, die LVÖ-Geschäftsführerin, Hans Glück und Jutta Staudt-Franzen vom Biohof Glück, Yvonne Liebl, die mit für den Service beim Bio-Catering zuständig war, Marlene Berger-Stöckl, die Projektmanagerin der Ökomodellregion, und der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Bild von BStMELF.

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