Waging freut sich über die Auszeichnung als „Genussort"

„Es ist jetzt amtlich: Bei uns ist der Genuss zu Hause!“ Große Freude bei der Waginger Tourist-Info-Leiterin Eva Gruber und bei all den vielen anderen, die zu der Auszeichnung von Waging am See als „Genussort Bayern“ beigetragen haben. In der Allerheiligen-Hofkirche in der Residenz München haben Eva Gruber, die Gesundheitstrainerin und Vollwertköchin Yvonne Liebl und Julia Lampersperger von der Firma Bergader aus den Händen von Landwirtschaftsminister Brunner die Auszeichnung entgegen genommen. Damit stehe Waging am See, wie Eva Gruber zufrieden feststellt, nun für besondere Genuss-Schätze und engagierte Leute, die sich für das kulinarische Erbe ihrer Heimat einsetzen.

Waging am See ist zusammen mit neun Nachbargemeinden Mitglied der seit 2014 staatlich anerkannten Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Deren Ziele sind vor allem die Förderung des Ökolandbaus und somit der Erzeugung von heimischen Bioprodukten. Werte wie Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit werden groß geschrieben. In Kooperation von Tourismus und Ökomodellregion ist in den vergangenen Jahren viel geschehen – eine stolze Liste an Projekten hat sich daraus ergeben, die letztlich zu der Auszeichnung „Genussort Bayern“ geführt haben.

Eine ganze Reihe an Produkten ist dabei entstanden: die Waginger-See-Hoibe, ein Bio-Zwicklbier der Schlossbauerei Stein mit Bio-Braugerste aus der Region; der Waginger-See-Kas, ein Bio-Käse aus der Region von zehn Milchbauern und zwei Hofkäsereien; das Bio-Flaschlbrot, eine Backmischung aus regionalem Getreide mit Laufener Landweizen; die Bio-Genusskiste, eine Auswahl regionaler Lebensmittel mit saisonal wechselnden Inhalten; das Bio-Rupertirind im Glas. Zudem haben sich in der Region einige Restaurants und Cateringbetriebe bio-zertifizieren lassen und bieten zahlreiche regionale Produkte an.

Begleitet werden all diese Initiativen von einem umfangreichen touristischen Genussprogramm:
Angebote von 21 Wirten auf das ganze Jahr verteilt (Musikantenstammtisch, Genuss-Schweinebraten, Fisch-, Spargel-, Pfifferlingswochen, Grillabende, Bierverkostung), jeden Samstag Bauernmarkt, die Bergader Schmankerlstund, Bierverkostungen, Kochkurse, Kräuterwanderung mit der Diplom-Kräuterkundlerin Geli Egger auf den Mühlberg, kulinarischer Spaziergang durch Waging, Pilzwanderung mit Till Lohmeyer, Gemüse zum Selberernten, geführte Hofladen-Radtour, Obstbrennerei-Besichtigungen, Steckerlfischgrillen, Waginger Genusswochen mit regionalen Produkten in der Gastronomie mit Begleitprogramm und als Finale die Schmankerl-Meile beim Handwerker- und Bauernmarkt. All das und noch einiges mehr, so fasst Eva Gruber zusammen, seien die Gründe dafür, warum ausgerechnet Waging am See ­- neben sechs weiteren aus dem Bezirk Oberbayern - diese Auszeichnung erhalten hat.

Die erste Wettbewerbsrunde war am 23. Juli 2017 von Landwirtschaftsminister Brunner gestartet worden. Bis zum 25. September 2017 konnten die Bewerbungen zum Genussort eingereicht werden. Der Wettbewerb hat viel Zuspruch aus allen Regierungsbezirken Bayerns erhalten. Die rund 150 eingereichten Bewerbungen wurden von einer unabhängigen Expertenjury mit Vertretern aus Kultur, Kirche, Wissenschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Gastronomie, Verbraucherschutz und Medien bewertet. Aus diesen zahlreichen Bewerbungen hat die Jury 46 Genussorte in Bayern ausgewählt.

Minister Brunner nannte in seiner Rede zur Preisverleihung die Auszeichnung „Genussort Bayern“ als „eine Abgrenzung von industrieller Nahrungsmittelproduktion“. Landwirtschaft, Kultur, Landschaft, Handwerksbetriebe, Gastronomie und Tourismus müssten noch stärker vernetzt und verbunden werden. Und man dürfe sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben: „Wir wollen optimale Lebensbedingungen schaffen, Brauchtum und Tradition lebendig gestalten, Kraft schöpfen für die Zukunft, uns von Massenprodukten unterscheiden, müssen die Spitze der Qualitätspyramide weiter erklimmen, die Wertschätzung unserer regionalen Produkte weiter verbessern, die Nähe zum Verbraucher herstellen und somit eine gesteigerte Wertschöpfung schaffen.“ Und, so der Minister zum Abschluss, „die Auszeichnung sollte nicht als Ruhekissen missverstanden werden, sondern Ansporn sein, nochmals Gas zu geben und unsere Region mit allen Trümpfen, die wir zur Hand haben, weiterzuentwickeln“.

Ein Bericht von Hans Eder (Südostbayerische Rundschau vom 08.03.2018).

Eingangsbild: Julia Lampersperger von der Firma Bergader (von links), die Leiterin der Waginger Tourist-Info Eva Gruber sowie die Gesundheitstrainerin und Vollwertköchin Yvonne Liebl waren nach München gefahren, um für Waging die Auszeichnung als „Genussort Bayern“ abzuholen, Bild von TI Waging.

Nachtrag – hier noch ein paar Auszüge aus der Rede vom Minister:

Was ist ein Genuss? Man kann ihn mit allen Sinnen wahrnehmen, aber vielleicht kann man Genießen auch mit Lebensfreude und -qualität gleichsetzen. Durch die Bewerbung wurden die Besonderheiten der Region unter Beweis gestellt. Einher ging die Besinnung auf das, was man vor Ort hat, in den Vordergrund zu stellen. Ohne Macher, Initiatoren, Entscheidungsträger, Vorreiter, Schrittmacher würde das mit einer Nivellierung derselben einhergehen. Ziel ist es, die Menschen vor Ort zum Aktivsein anzuregen, dass sie stolz sind auf ihre Heimat und ihre Wurzeln. Das was wir haben noch stärker in den Vordergrund zu stellen. Eine Abgrenzung von industrieller Nahrungsmittelproduktion. Ein Stück Bayern zum Ausdruck zu bringen. Von anderen bewundert zu werden. Landwirtschaft, Kultur, Landschaft, Handwerksbetriebe, Gastronomie und Tourismus müssen noch stärker vernetzt und verbunden werden. Mit dem Erreichten dürfen wir uns nicht zufrieden geben, wir wollen optimale Lebensbedingungen schaffen, Brauchtum und Tradition lebendig gestalten, Kraft schöpfen für die Zukunft, uns von Massenprodukten unterscheiden, müssen die Spitze der Qualitätspyramide weiter erklimmen, die Wertschätzung unserer regionalen Produkte weiter verbessern, die Nähe zum Verbraucher herstellen und somit eine gesteigerte Wertschöpfung schaffen. Die Auszeichnung sollte nicht als Ruhekissen missverstanden werden, sondern Ansporn sein, nochmal Gas zu geben und unsere Region mit allen Trümpfen die wir zur Hand haben weiterzuentwickeln. Ende des Jahres wird es einen kulinarischen Reiseführer mit allen 100 Genussorten geben um zu sehen, wo, wie, was wann in Bayern angeboten wird.

Hier sind noch mehr Infos zu finden.

Gemeinschaftsveranstaltung Biogenuss-Radltour ausgezeichnet

Herausragende Veranstaltungen der Ökoerlebnistage 2017 sind auf der Biofach in Nürnberg, der Weltleitmesse für Bio-Produkte, ausgezeichnet worden. Die Preise überreichten Josef Wetzstein, der Vorsitzende der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), und der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

Für eine besonders gelungene Gemeinschaftsveranstaltung erhielt die Öko-Modellregion Waginger See – Rupertiwinkel eine Auszeichnung: Auf einem entspannten Fahrradausflug zu fünf verschiedenen Bio-Höfen rund um Tittmoning hatten die Teilnehmer erkundet, wie Bio-Tiere gehalten werden, an welchen Anbaukooperationen die Höfe beteiligt sind und wie Lebensmittel von hoher Qualität entstehen. Hofverkostungen, ein Bio-Buffet und eine Wiesenprämierung hatten die Veranstaltung abgerundet (wir berichteten).


Die Gruppe aus der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel fuhr mit dem Zug zur Prämierung nach Nürnberg, Ankunft vor der Messehalle (nicht auf dem Bild: Elke Ott und Bärbel Forster), Bild von ILE.


Vor der Prämierung besuchte die Waginger noch den Barnhouse-Stand, um die neuen Müslisorten mit Hafer und Dinkel aus der Ökomodellregion zu testen,Bild von ILE.

35 hochmotivierte Teilnehmer waren damals begeistert mitgeradelt, obwohl – wie das die Managerin der Ökomodellregion Marlene Berger-Stöckl so schön zusammenfasste – „das Wetter kaum gräuslicher hätte sein können“. Nach einem ausgiebigen Biofrühstück auf dem Biohof Glück gab es unterwegs ausführliche Führungen auf drei weiteren Biohöfen, bevor am fünften ein Buffet – selbstverständlich aus heimischen Bioprodukten – genossen wurde. Als Abendbaustein fand noch die Prämierung der schönsten Wiesen in der Ökomodellregion statt, mit einem sehr interessanten Vortrag, gemeinsam  mit den zwei Regionalinitiativen ILE und LEADER.

Die Ausstellung mit den Fotos dieser Wiesen wird übrigens derzeit in der Tourist-Info in Waging gezeigt (montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr).


Elke Ott (Leader-Managerin) und Diana Linner (Radtourenleiterin) vor der Prämierung, beide haben den Ökoerlebnistag mitorganisiert, wie auch Alexandra Huber (ILE, nicht auf dem Bild) und Jessica Romstötter (ÖMR, nicht auf dem Bild), Bild von ILE.

Die Teilnehmer hatten an den Hofführungen so großes Interesse gezeigt, dass auf jedem Hof über eine Stunde lang Station gemacht wurde. Jeder Hof hatte kulinarische Spezialitäten vorbereitet, die probiert wurden  -  vom Aufstrich aus Biohofgemüse bis zur Salami aus Biorind (Biohof Glück), vom Produkt aus Laufener Landweizen bis zum Biokäse von der Hofkäserei und Wurst aus eigener Mutterkuhhaltung (Betrieb Andreas Maier in Waldering). Und nicht zuletzt wurden die regionalen Bioprodukte aus der Ökomodellregion probiert, die es in dieser Form noch gar nicht so lange gibt: das regionale Granola-Bio-Müsli von Barnhouse, der Byodo-Senf aus Mischanbau vom Waginger See, das neue Biobier der Brauerei Stein, das Flaschlbrot aus Laufener Landweizen, das Biobier-Räuchersalz von der Chiemgauer Genussmanufaktur aus Palling und die Biomilchprodukte von den Molkereien Andechs und Berchtesgadener Land, die auf dem Hof von Hans und Dorothee Englschallinger in Kay verkostet wurden. Über sein freilaufendes Biogeflügel, das ohne Einsatz von Antibiotika erzeugt wird, informierte Sebastian Kettenberger, bevor der Abschluss im Hofcafé Mühlradl von Alois und Roswitha Leitner mit Biobuffet und selbstgemachtem Bauernhofeis aus eigener Naturlandmilch stattfand. Das Biobuffet wurde von drei Caterern gestaltet – und alle drei haben überwiegend bei kleinen, heimischen Direktvermarktern ihre Zutaten eingekauft.


Mitte, rechts neben Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (3. von links): Roswitha Leitner (Hofcafe Mühlradl, Biogenussbuffet) und Jutta Staudt-Franzen (Bioladen Hof Glück, Biogenussfrühstück), nehmen die Urkunde in Empfang; nicht auf dem Bild: die Landwirte Andreas Maier (Waldering), Hans Englschallinger (Kay) und Sebastian Kettenberger (Kettenberg), alle aus Tittmoning, Bild von ILE.

Die Bio-Erlebnistage in Bayern sind eine Veranstaltung der LVÖ mit ihren Mitgliedverbänden Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Bei den 17. Ökoerlebnistagen 2017 konnten tausende Interessierte in ganz Bayern bei rund 270 attraktiven Veranstaltungen Erzeugung und Herstellung von heimischen Bio-Lebensmitteln hautnah erleben. „Die ausgezeichneten Veranstaltungen begeistern besonders durch ihre Kreativität, liebevolle und professionelle Durchführung sowie ihre inhaltliche Schwerpunktsetzung“, lobte Josef Wetzstein, der Vorsitzende der LVÖ in Bayern in seiner Rede. „Mit ihrem Ideenreichtum und persönlichem Einsatz machen die Veranstalter die Öko-Erlebnistage Jahr für Jahr zu einem Highlight“, so Wetzstein.

Ein Bericht von Hans Eder (Südostbayerische Rundschau vom 21.02.2018).

Eingangsbild: Preisverleihung an die Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel, von links: Josef Wetzstein, der Vorsitzende der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), Cordula Rutz, die LVÖ-Geschäftsführerin, Hans Glück und Jutta Staudt-Franzen vom Biohof Glück, Yvonne Liebl, die mit für den Service beim Bio-Catering zuständig war, Marlene Berger-Stöckl, die Projektmanagerin der Ökomodellregion, und der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Bild von BStMELF.

Erste Biozertifizierung von Gastronomen in der ÖMR

Die starke Nachfrage der Haushalte an Bio-Produkten hat dazu geführt, dass mittlerweile über fünf Prozent der angebotenen Lebensmittel in Deutschland aus ökologischer Erzeugung stammen. Besonders junge Privathaushalte zeigen sich sehr „bioaffin“, aber auch immer mehr Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie kaufen regelmäßig ökologisch erzeugte Lebensmittel ein und bewerben ihr Bio-Angebot.

Wer aber seine Lebensmittel nicht nur in Bio kauft, sondern als Bioprodukt auch bei seinen Gästen bewerben will, der muss überprüfen lassen, ob seine Produkte den Auflagen für die ökologische Erzeugung entsprechen, also z.B. das EU-Biosiegel tragen, und ob die eingekaufte Biomenge mit der verkauften Biomenge übereinstimmt. Für Betriebe, die Bio-Produkte nicht abgepackt, sondern offen einsetzen und die Bio-Herkunft auf der Speisekarte, auf einer Tafel im Speisesaal oder auf der Internetseite des Unternehmens bewerben, ist deshalb eine Teilnahme am Bio-Kontrollverfahren erforderlich.

Diesem zukunftsträchtigen Trend stellen sich mehrere Gastronomen aus der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel, die gemeinsam wohl eine der ersten Bio-Zertifizierungen im Rupertiwinkel erhalten haben: das Strandkurhaus Waging, das Hotel Eichenhof und das Hotel Gut Edermann in Teisendorf. Im Catering-Bereich wurde letztes Jahr das Landhaus Tanner und jüngst Yvonne Liebl von der „Esspedition“ aus Waging mit dem EU-Bio-Siegel ausgezeichnet. Auch das Hotel Rehlegg in der Ramsau, seit mehreren Jahren Vorreiter im Einkauf regionaler und nachhaltig erzeugter Waren, hat sich der Bioteilzertifizierung in diesem Kreis angeschlossen.

Martin Hoffmann, Geschäftsführer der Kontrollstelle ÖkoP - eine der 17 staatlich zugelassenen Öko-Kontrollstellen in Deutschland -, überreichte den Gastwirten nach einer ausführlichen Betriebsbesichtigung und Besprechung mit der Küchenleitung zu Bioeinkauf, Lagerung und Biospeisenangebot ihr Zertifikat. „Diese Auszeichnung zeigt Ihren Gästen, dass Sie auf beste Qualität mit regionaltypischer Küche und heimischen Produkten setzen“, lobte Hoffmann bei der Urkundenübergabe. Die Nutzer des EU-Bio-Siegels werden mindestens einmal jährlich kontrolliert und ca. jeder fünfte Besuch erfolgt unangemeldet. Hoffmann wies darauf hin, dass ein Gastwirt oder Händler so viele Bio-Produkte anbieten kann wie er möchte, solang sie abgepackt weiterverkauft werden. Erst wenn sie offen weiterverkauft werden und nur dann, wenn mit Bio beim Gast auch geworben wird, sei eine Kontrolle notwendig. Bio sei ein geschützter Begriff, bei dem der Gast einfach und schnell Klarheit darüber haben müsse, „wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin“. Wie bei jedem Qualitätssiegel im Lebensmittelbereich gebe es deshalb ein Kontrollsystem, das Transparenz und Vertrauen beim Kunden sicherstelle. Die Kontrollstelle versteht sich auch als fachkundiger Ansprechpartner für alle Fragen der Gastwirte rund um das Thema.

Bürgermeister Herbert Häusl begrüßte die Auszeichnung der Gastronomen mit dem Prädikat „biozertifiziert“. Die Ökomodellregion sei zu Beginn aus dem kommunalen Seenbündnis hervorgegangen, es sei deshalb ein wichtiges Ziel, die Biolandwirtschaft in der Region zu stärken und dadurch die Einträge von Phosphor in Gewässer langfristig zu verringern.  Die Biozertifizierung der beteiligten Gastronomen sei ein wichtiges Signal für Landwirte, regionale Kreisläufe wiederzubeleben und die Nachfrage nach Biolebensmitteln zu stärken. Dies trage zu einem gesicherten Einkommen für die Landwirte und zu einer nachhaltigen Produktion bei. Strandkurhauschef Andreas Barmbichler, der den Anstoß zur gemeinsamen Zertifizierung gegeben hatte, verspricht sich durch das einheitliche Siegel eine bessere Vermarktungsinitiative: „Wir wollen Bioprodukte aus der Ökomodellregion einsetzen, denn regionale Produkte schaffen Identität und machen gleichzeitig die Region als touristisches Ziel noch interessanter. Viele Gäste sind inzwischen gut informiert und erkundigen sich auch nach dem Biosiegel. Unsere Biozertifizierung kann auch eine Chance für gemeinsame Aktionen wie Biogenusswochen sein“. Für Michael Stöberl vom Gut Edermann in Teisendorf ist die gemeinsame Zusammenarbeit der erste große Schritt für den Aufbau eines Netzwerkes: „Mit der Gemeinschaftsaktion wollen wir die Verwendung regional erzeugter Bio Produkte voranbringen. Von einer engen Zusammenarbeit zwischen Gastronomen und heimischen Erzeugern profitiert schließlich die gesamte Region und Bio ist inzwischen in gut geführten Hotels auch ein Qualitätsmerkmal“. Klaus Lebek, Inhaber des Eichenhofs, ist es unter anderem auch wichtig, dass das Wort „Bio“ auf der Speisekarte jetzt ausgelobt werden darf: „Das ist gut für die Gäste, weil es bedeutet, dass man sich bei Bio-Lebensmitteln darauf verlassen kann, dass wirklich Bio drin ist.“


Yvonne Liebl von der „Esspedition“ wurde mit dem Bio-Zertifikat im Catering-Bereich ausgezeichnet, Bild von Brigitte Sojer.

Das EU-Bio-Label, mit einem Blatt aus weißen Sternen auf grünem Grund, ist seit 2010 das Standardsiegel für Bio-Produkte und genießt in Deutschland großes Vertrauen. Das eigentlich abgelöste „deutsche Bio-Siegel“ mit sechs Ecken wird aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads von den Herstellern parallel verwendet. Das EU-Bio-Siegel hat zum Ziel, die biologische Landwirtschaft über klar definierte Regeln zu fördern. Ein Lebensmittel darf nur dann „bio“ oder „öko“ genannt werden, wenn es folgenden Kriterien entspricht: Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und leicht lösliche mineralische Düngemittel, höchstzulässige Anzahl von Tieren pro Hektar, artgerechte Haltungsformen, biologische Futtermittel und möglichst geschlossene Betriebskreisläufe, Verbot von Antibiotika zu anderen als medizinischen Zwecken, Verbot von Gentechnik. Auch in der Verarbeitung gibt es Regeln, so sind z.B. nur ca. 15% der sonst gebräuchlichen mehr als 300 Zusatzstoffe in der Verarbeitung von Biolebensmitteln grundsätzlich erlaubt. Viele Bioverarbeiter orientieren sich an möglichst handwerklichen Verarbeitungsgrundsätzen.

Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion sieht in der Zusammenarbeit führender Gastronomen einen wichtigen Schritt in Richtung einer Biogenussregion. Für deren Ausgestaltung hat die TI Waging mit Unterstützung des Tourismusverbands Berchtesgadener Land heuer in einem gemeinsamen Konzept Chancen aufgezeigt. In der Handhabung habe sich das Zertifizierungssystem für die Gastronomie inzwischen so weiterentwickelt, „dass für jeden Gastwirt, der gern Bio im Speiseangebot ausloben möchte, eine einfache Möglichkeit für die Umsetzung besteht“, so Berger-Stöckl. Diese Flexibilität ermögliche es beispielsweise, nur bestimmte Warengruppen in Bio einzukaufen, z.B. Trockenwaren oder Getränke, ein Frühstücksbuffet mit Biowaren und regionalen Waren einfach durch kleine Täfelchen zu kennzeichnen oder anstelle eines vollständigen Biogerichtes Gerichte mit Biobeilage einzubeziehen – so sei für jeden interessierten Gasthof etwas Passendes dabei, und die Kontrolle bleibe unkompliziert und kostengünstig. Sie freue sich darauf, dass viele Gäste auf dieses neue Angebot aufmerksam gemacht werden.

Ein Bericht von Brigitte Sojer (Südostbayerische Rundschau vom 23.12.2017). 

Eingangsbild: (von links) Künftig als bio-zertifizierter Betrieb ausgezeichnet. ÖkoP Geschäftsführer Martin Hoffmann, Strandkurhauschef Andreas Barmbichler, Direktor Michael Stöberl vom Gut Edermann, 1. Bürgermeister Herbert Häusl und Hotelchef Klaus Lebek vom Eichenhof, Bild von Brigitte Sojer.

Erste Biomesse mit regionalen Produkten aus der ÖMR

Das erste Treffen mit heimischen Lieferanten aus der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel mit dem neu gegründeten Bio-Gastro-Netzwerk fand im Hotel Eichenhof statt. Über 20 Lieferanten, ein Großteil davon bäuerliche Erzeuger, stellten ihr Unternehmen und ihre Bio-Erzeugnisse vor und luden dazu ein, die große Vielfalt heimischer Spezialitäten kennenzulernen und zu verkosten.


Gerichte mit Urgetreide und Hülsenfrüchten wurden von Chiemgaukorn (Julia Reimann), von Franz Obermeyer aus Tengling und von Astrid Günther (Chiemgauer Genussmanufaktur) angeboten, Bild von Brigitte Sojer.

Ziel dieser ersten regionalen Biomesse für Gastronomen war es, den Wirten und Köchen von biozertifizierten und interessierten Einrichtungen aufzuzeigen, dass es im Wareneinkauf für die meisten Lebensmittelgruppen hochwertige Alternativen aus der Region und sogar in Bioqualität gibt. Viele Erzeugnisse sind bei rechtzeitiger Vorbestellung und einer engen Kooperation zwischen Bauer und Wirt auch in den gewünschten größeren Mengen und Gebinden zu bekommen, die die Gastronomie braucht.


Gastronomen, Bürgermeister und Touristiker ließen sich verschiedenste Biospezialitäten von den beteiligten Erzeugern aus der Ökomodellregion vorstellen, Bild von Brigitte Sojer.

Landwirte und Gastronomen gemeinschaftlich besser zu vernetzen bleibt ein wichtiges Ziel in der Ökomodellregion. Langfristig kann eine direkte Vermarktung von Bioprodukten für manche Betriebe eine passende Alternative sein. Ein Gastronom, der sich in der Qualität für seine Gäste abheben will, kann dies durch sein Angebot an besonderen regionalen Lebensmitteln anschaulich unter Beweis stellen, wie Richard Mahringer, Geschäftsführer des Hotels Rehlegg aus der Ramsau, erläuterte. Er berichtete, wie viele Stammkunden eine Qualität, die auf die Herstellungsbedingungen sehr achtet, inzwischen zu schätzen wissen.


Die mobile Käserei Chiemgau verarbeitet die Milch von zehn Landwirten aus der Ökomodellregion ab Hof zu Schnittkäse, Bild von Brigitte Sojer.

Hans-Jörg Birner, Bürgermeister von Kirchanschöring und Vorstandssprecher der Ökomodell-Region, begrüßte die geladenen Gäste, den Kreis der Erzeuger, Küchenchefs und Bürgermeisterkollegen aus mehreren Gemeinden. Ziel der Ökomodell-Region sei es, mehr heimische Bio-Produkte zu erzeugen und deren Vermarktung zu fördern sowie mit Landwirten, Gemeinden und Verbrauchern ökologische Entwicklungen anzuschieben. Deshalb sei das neu gegründete biozertifizierte Netzwerk ein wichtiger Schritt. Er hoffe, dass sich weitere Einrichtungen anschließen werden.

Eva Gruber von der TI Waging erklärte, die Zusammenarbeit mit der Ökomodell-Region passe gut zur jetzigen touristischen Ausrichtung unter dem Motto „Jeden Tag ein kleines Abenteuer“. Täglich sollen die Gäste mit kleinen Programmen wie Kräuterwanderungen, Hofladen-Radtour, Kochkurse, Besuch der Schnapsbrennerei und Brotbacken aufmerksam gemacht werden. Hier seien jetzt auch besondere Angebote aus der Ökomodellregion wie bioregionale Kochkurse oder „Geschichten aus der Ökomodellregion“ wie zur „Waginger See Hoibe“ oder zum „Waginger See Kas“ integriert. Die Genusswochen haben sich mittlerweile etabliert, durch das neue Biogastronetzwerk könne man jetzt über eine eigene Bioschiene für die Genusswochen nachdenken. „Wir haben 2017 ein Tourismuskonzept für die Ökomodell-Region entwickeln lassen, wobei wir festgestellt haben, dass sich erste Projekte daraus langsam von allein entwickeln, wie Bio in der Gastronomie oder die Präsentation der regionalen Bio-Erzeuger mit ihren Produkten.“, so Gruber. Weitere Vorschläge, die zur Umsetzung anstehen, sind das Ferienwohnungskörberl und die „kreative Speisekarte“ aus der Ökomodellregion. „Wir wollen dem Bio-Erzeuger ein Gesicht geben“, sagte Eva Gruber, deshalb soll es auch eine Reihe „Gesichter aus der Ökomodellregion“ geben.  

Waging wurde vor kurzem als „Genussort Bayern“ ausgezeichnet und im März finde die Übergabe des Landwirtschaftsministers statt. „Eine Chance für uns alle, die in der Ökomodell-Region dabei sind“, sagte Gruber. Dabei war die Bio-Zertifizierung im Gastrobereich (Hotel Rehlegg in der Ramsau, das Waginger Strandkurhaus, Hotel Eichenhof und das Hotel Gut Edermann in Teisendorf, im Catering-Bereich Yvonne Liebl von der „Esspedition“ und das Landhaus Tanner aus Waging) eine wichtige Beteiligung. Das große Ziel sei es, künftig eine Bio-Genuss-Region aufzubauen, in enger Zusammenarbeit mit den Erzeugern, der Gastronomie und den Touristikern.


Der Biohof Lecker in Laufen vertreibt Eier vom Zwei-Nutzungs-Huhn, selbsterzeugte Nudeln, Demeter Milchprodukte und bietet eine Abo-Kiste an, Bild von Brigitte Sojer.

Maria Stangassinger vom Tourismusverband Berchtesgadener Land unterstrich, dass auch ihr Verband in einer nachhaltigen Entwicklung große Chancen sehe. „Die Zielsetzung der Ökomodellregion für mehr Nachhaltigkeit passt bestens zu der Strategie der neuen Dachmarke unseres Verbands, die auch mit der Biosphärenregion abgestimmt ist. Wir werden uns über gemeinsame Angebote mit dem Waginger Verband für die Ökomodellregion künftig noch mehr Gedanken machen“, so Stangassinger. Mit zwei biozertifizierten Betrieben im Landkreis, dem Gut Edermann in Teisendorf und dem Hotel Rehlegg in der Ramsau, sei ein guter Anfang gemacht, den es jetzt auszubauen gelte. Der Verband sei für eine weitere Zusammenarbeit mit der Ökomodellregion offen.

Klaus Lebek vom Hotel Eichenhof, Ingo Martinez-Castillo vom Strandkurhaus Waging, der Sous-Chef Sebastian Meyer vom Gut Edermann und Richard Mahringer erläuterten kurz ihre ersten Schritte als biozertifizierte Einrichtungen. Die Gastronomie braucht die Sicherheit, dass bestellte Ware zuverlässig im vereinbarten Umfang pünktlich geliefert wird, damit eine Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern funktioniert.


Michael und Barbara Wahlich aus Surheim sind Biobäcker aus Überzeugung, Bild von Brigitte Sojer.

Anschließend informierten die Landwirte und Verarbeiter der Reihe nach über die Herstellungsweise ihrer Produkte. Das Angebot reichte im Getreidebereich vom Biobier mit der Braugerste von zwölf Biobauern über regionale Müslisorten mit Biodinkel und Hafer aus der Ökomodellregion bis zu Produkten aus Urgetreide oder Laufener Landweizen. Die Bäcker Michael und Barbara Wahlich aus Surheim haben sich für Backkunst aus reinem Biogetreide mit traditionellen Herstellungsverfahren und langen Reifezeiten für die Teige entschieden, heute eine Seltenheit.


Auch Produkte aus Laufener Landweizen und echte Sauerteig Brote mit langer Reifezeit gehören zum Sortiment der Wahlichs, Bild von Brigitte Sojer.

Johann Niedl aus Aiging presst Öle aus Lein, Leindotter, Hanf, Sonnenblumen und seit kurzem auch Biosenf und wünscht sich, dass ein heimischer Landwirt auch in den Anbau von Ölkürbis einsteigt, damit er Kürbiskernöl herstellen kann. Maria Frisch und Monika Obermeier stellen Frischkäse aus Ziegenmilch in vielen Varianten her, die mobile Käserei Chiemgau verkäst Milch von 10 Bauern aus der Ökomodellregion ab Hof zu Schnittkäsen. Hans Grabner und Hans Reiter von der EG Schlachtvieh erläuterten die Aktivitäten der EG zur Vermarktung von Biofleisch. Einige Gastronomen werden bereits mit Bioschweinefleisch und Biogeflügel von Hans Posch aus Nußdorf und Sebastian Kettenberger aus Tittmoning beliefert, Metzger Gottfried Heilmaier stellte seine Spezialisierung auf Produkte aus Pinzgauer Rind vor. Eine Besonderheit ist auch die Belieferung mit Spezialitäten wie Lammfleisch oder Damwild wie z.B. durch den Betrieb Gitzinger aus Kirchanschöring. Bei den Biogemüsebaubetrieben muss das saisonale Sortiment manchmal durch Großhändler ergänzt werden, um dem Mengenbedarf großer Gastronomen auch außerhalb der Saison gerecht zu werden. Dabei wurde deutlich, dass es auch Großhändler gibt, die nur im süddeutschen Raum einkaufen und wichtige Abnehmer für Landwirte sind, die für den normalen Großhandel zu klein sind und für die sich durch die Zusammenarbeit ein wichtiger Absatzmarkt mit der Gastronomie öffnet.


Jens Hornung vom Chiemgau Tourismus Verband informierte sich über Biobiere aus der Ökomodellregion, kaltgepresse Öle von der Chiemgauer Ölmühle (mitte Hans Niedl) und über Ziegenkäse-Spezialitäten von Monika Obermeier aus Fridolfing, Bild von Brigitte Sojer.

Eine Möglichkeit, die künftig in der Region stärker genutzt werden sollte, ist es laut Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl im Gemüsebau auch, am Jahresanfang Bestellungen für den Anbau gewünschter Produkte durch die Gastronomie entgegenzunehmen. Sie fasste abschließend zusammen, bei einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, in der man sich kennt, sollte es künftig noch besser gelingen, bisherige Hindernisse in der Lieferlogistik oder im Warenumfang auszuräumen, um die Gastronomen auf ihrem Weg zu mehr Bioware aus der Region zu unterstützen. Umgekehrt betonte sie, wie wichtig der Beitrag heimischer Wirte für mehr Biolandbau sei – „Sie leisten damit auch etwas für den Erhalt unserer bäuerlichen Landschaft“.  Immer mehr Konsumenten machen sich Gedanken über die Produktion und Transportwege der Lebensmittel und der Trend läuft eindeutig auf biologische und nachhaltige Produkte. Viele Produkte haben sich aus den „Kinderschuhen“ zu professionellen Angeboten weiterentwickelt, und von Jahr zu Jahr wächst das Angebot von Bio-Produkten aus der Region stetig.

Abschließend wurden die Bioprodukte verköstigt, dabei konnten die wichtigen Liefermodalitäten im Einzelnen besprochen werden.

Ein Bericht von Brigitte Sojer (Südostbayerische Rundschau vom 06.02.2018).     

Eingangbild: Sebastian Meyer vom Gut Edermann informierte sich am Stand von Julia Reimann (Chiemgaukorn) und Sebastian Kettenberger aus Tittmoning, Bild von Brigitte Sojer.                                                                      

Gemeinsamer Stand der Initiativen am 3. Regionaltag

Bereits zum dritten Mal veranstaltete der Landkreis Traunstein im Juli 2017 einen „Regionaltag“, an dem sich alle Direktvermarkter aus der Region mit ihren vielfältigen Köstlichkeiten einen Tag lang vorstellen und für sich werben konnten.

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