Bauer trifft Bäcker

Tenglinger Kooperation als Vorbild für heimische Bio-Wertschöpfungsketten

Ein Bericht von Anneliese Caruso, erschienen in der Südostbayerische Rundschau vom 10.04.2019

Taching am See./ Tengling. Viele wissen es längst: Traditions- oder ernährungsbewusste Kunden werden beim Besuch einer Traditionsbäckerei eher fündig als beim Discounter, denn echte Handarbeit und Produkte mit wenigen Zutaten gibt‘s nur beim Bäcker um die Ecke. Einer von ihnen ist Ernst Wenig, der in der Ortsmitte von Tengling einen kleinen Familienbetrieb führt. Die Bäckerei Wenig hat sich kürzlich in Zusammenarbeit mit der Ökomodellregion biozertifizieren lassen, nimmt also zusätzlich zu ihren herkömmlichen Backwaren zertifizierte Biowaren ins Sortiment auf. Eigens dafür entwickelt wurde das neue „Tenglinger Landbrot“, ein Brot fast ausschließlich mit Biozutaten aus dem eigenen Dorf.

b_150_100_16777215_00_images_BILDER_Oekomodellregion_Oekomodellregion_Biobrot1.jpgPräsentieren das biozertifizierte Tenglinger Landbrot: Bürgermeister Ursula Haas, Bäcker-Azubi Magdalena Wenig, Bäckermeister Ernst Wenig, Bäckergesellin Steffi Baumgartner und Bio-Bauer Franz Obermeyer. Foto: Anneliese Caruso

Eine unscheinbare Kreidetafel vor der Ladentür macht auf dieses neue Angebot aufmerksam. „Unsere Kunden kaufen das Tenglinger Landbrot, das immer montags gebacken wird, vor allem, weil es ihnen schmeckt. Dass es sich dabei um regionales Biogetreide handelt, wissen die meisten noch nicht“, erklärt der passionierte Bäcker. Ihn würde es freuen, wenn die Nachfrage nach regionalem Bio-Brot weiterwachsen würde. Bei allem Engagement bleibt er auch immer Realist: Die Zeiten ändern sich und der Betrieb passt sich immer wieder den sich verändernden Umständen an. „Dazu gehört jetzt auch, dass mein Betrieb nun geprüft wird, ob auf allen Stufen der Produktion die Biorichtlinien eingehalten und nur Biorohstoffe und Zutaten verwendet werden“, erzählt Ernst Wenig. „Denn Bio muss für den Kunden transparent sein, d.h. er muss wissen: Wo Bio draufsteht, ist Bio drin, da gehört auch die Verarbeitung dazu“.

Ein starres Festhalten an Konzepten sucht man bei diesem Bäckermeister vergeblich. Das Angebot entwickelt sich durch die Nachfrage und Chancen, die sich ergeben. Denn zur Wandlungsfähigkeit kommt die Bereitschaft von Ernst Wenig, immer wieder etwas Besonderes zu probieren. Es macht ihm Freude, Dinge anzupacken, von denen andere vielleicht sagen: das ist mir zu kompliziert. Er macht`s möglich. Die Verarbeitung von bioregionalem Getreide erfordert echtes handwerkliches Können, weil das Getreide jedes Jahr anders ist. Der Bäcker muss durch spezielle Methoden die Backeigenschaften des Mehls testen. „Für das Tenglinger Landbrot verwenden wir zu 80 Prozent Roggen und Roggenschrot sowie 20 Prozent wenig ausgemahlenen Weizen.“ Es handelt sich um ein Sauerteigbrot. „Wichtig für jeden Sauerteig ist das sogenannte Anstellgut. Es wird aus Roggenmehl und Wasser hergestellt und so lange angereichert, bis es die perfekte Konsistenz hat. Den Teig lasse ich über Nacht bei Raumtemperatur ruhen und gären, ehe ich ihn am nächsten Tag backe.“

b_150_100_16777215_00_images_BILDER_Oekomodellregion_Oekomodellregion_Biobrot2.jpgFranz Obermeyer baut auch Purpurweizen an, eine fast unbekannte alte Kultursorte mit hohem Gehalt an gesundheitsförderlichen Anthocyanen (rote Farbstoffe). Foto: Anneliese Caruso

Den Roggen und Weizen für dieses Tenglinger Landbrot liefert ausschließlich der ebenfalls in Tengling ansässige und streng kontrollierte Demeter-Betreib von Bio-Bauer Franz Obermeyer. Zusammen mit einer Handvoll Landwirte in Bayern hat sich der 59 Jahre alte Bio-Bauer auf den Anbau alter Getreidesorten spezialisiert. Statt hochgezüchteter konventioneller Sorten reifen auf seinen Feldern neben Weizen und Roggen auch Einkorn, Sommeremmer, Dinkel, Leinsamen, Buchweizen, Nackthafer und Nacktgerste, Purpurweizen sowie Lichtkornhafer und Lichtkornroggen heran. Getreidesorten, die teils schon im alten Ägypten angebaut wurden, aber seit Jahrzehnten nicht mehr ins Bild einer auf Höchsterträge getrimmten Landwirtschaft passen. Mit dieser Zusammenarbeit leiste die Bäckerei einen wertvollen Beitrag, um ein wichtiges Ziel der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel zu erreichen: mehr Landwirte und Verarbeiter für die Herstellung heimischer Bio-Produkte zu gewinnen, sagte Berger-Stöckl.

„Die Kunden schätzen Produkte, deren Anbau und Verarbeitung transparent sind, und die gut schmecken“, pflichtete ihr Bürgermeisterin Ursula Haas bei. Die Gemeinde Taching am See, die Haas vertritt, ist nämlich Mitglied der hiesigen Ökomodellregion. „Natürlich backt unser Bäcker auch weiter Brote und andere Backwaren wie bisher, schließlich soll jeder nach seinem persönlichen Geschmack und Geldbeutel wählen können“, betont Ursula Haas. Sie gehörte neben Marlene Berger-Stöckl und Franz Obermeyer zu den Gästen, die der frisch zertifizierten Dorfbäckerei einen Besuch abstatteten. Dabei durften sie Ernst Wenig und seiner Mitarbeiterin, der Bäckergesellin Steffi Baumgartner, ein bisschen über die Schultern schauen. Mit dabei war auch Tochter Magdalena Wenig, die schon eine Ausbildung zur Konditorin absolvierte und nun in einem Teisendorfer Betrieb das Bäckerhandwerk erlernt, damit sie eines Tages den elterlichen Betrieb weiterführen kann, der bis ins Gründungsjahr 1906 zurückreicht. Damit würde sie ein weiteres Ziel der Ökomodellregion erfüllen: Den Erhalt der kleinen Betriebe.

Dass von Tausenden von Getreidesorten im heutigen bäuerlichen Alltag nur noch wenige Dutzend eine Rolle spielen, hängt nach Obermeyers Erkenntnissen vor allem mit der schlechten Versorgungslage im vorletzten Jahrhundert zusammen. "Da ging es Getreidezüchtern um Maximalerträge und Ertragssicherheit. Heute aber ist Ernährungssicherung bei uns nicht mehr das alleinige Thema.  Heute geht es auch um Geschmack, Genuss und Gesundheit". Und hier könnten alte Getreidesorten eindeutig punkten, sagte Obermeyer bei einem anschließenden Besuch im Getreidelager auf seinem Hof, bei dem er die einzelnen Sorten näher vorstellte. Dazu komme der ökologische Nutzen solcher teils extensiver Sorten für die Artenvielfalt auf dem Feld.

Projektleiterin will Taten sprechen lassen

Nach all den Diskussionen geht es mit Schwung weiter – Ökomodellregion kümmert sich um Absatzmöglichkeiten für Bioprodukte

Ein Artikel von Hans Eder, erschienen in der Südostbayerischen Rundschau vom 23.02.2019

Waging am See. Ungeachtet der aktuellen Diskussionen in den Stadt- und Gemeinderäten der Region hat die engagierte Arbeit der Verantwortlichen der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel in den vergangenen knapp fünf Jahren ansehnliche Ergebnisse mit sich gebracht. Inzwischen haben alle zehn Mitgliedsgemeinden einer Verlängerung um drei Jahre zugestimmt. So können der Schwung und die Erfolge, die sich durch verschiedene Kooperationsprojekte und ein wachsendes Netzwerk an Partnern eingestellt haben, in die nächste Förderperiode weitergetragen werden.

Einige Biobraugerstenbauern bei der Felderbegehung bei herrlichem Wetter. Dritter von lins ist Markus Milkreiter, der Braumeister der Schlossbrauerei Stein. Foto: Anne Bogdanski

Als Kernauftrag der Ökomodellregionen stand von Anfang an ganz oben, den Anteil der Bio-Betriebe deutlich zu erhöhen. Das ist auch gelungen, auf inzwischen knapp 12 % der landwirtschaftlichen Betriebe. „Von 2016 bis 2018 wirkte der begrenzte Bio-Milchmarkt beschränkend für uns“, so die Managerin Marlene Berger-Stöckl, „aber für 2019/20 scheint sich nach aktuellen Marktdaten wieder ein besseres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einzustellen. Wir hoffen, dass in den nächsten drei Jahren wieder mehr Milchviehbetriebe auf bio umstellen können. In jedem Fall sollte eine Umstellung aber nur mit einem Abnahmevertrag einer Molkerei erfolgen“.

Wenn die Anzahl von biologisch produzierenden Bauern – und das gilt beileibe nicht nur für die Milch – ansteigt, dann muss es auch geeignete Absatzmöglichkeiten für die heimischen Bioprodukte geben, und das Preisniveau muss stimmen. Genau diese Verbesserung von „Wertschöpfungsketten“ macht den größten Teil der Arbeit der für die Ökomodellregion verantwortlichen Personen aus, der hauptamtlichen ebenso wie der ehrenamtlichen.

Die Bürgermeister der zehn Mitgliedsgemeinden der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel. Links zu sehen sind Biogetreidebauer Franz Obermeyer und Jessica Romstötter, die das Bioflaschlbrot produziert. Foto: Norbert Höhn

Biozertifizierter Schlachthof wichtige Maßnahme

Für war es den Absatz von Biofleisch in der Region eine wichtige Maßnahme, dass der kommunale Schlachthof Laufen für Schlachtung und Zerlegung dank tatkräftiger Hilfe der Stadt unter Teamleitung von Geschäftsführer Christian Reiter biozertifiziert worden ist. Von diesem Schritt kann die Landwirtschaft in der Region nur profitieren. Darum hat sich die Tochterfirma der EG Schlachtvieh Traunstein, die Regionalrind, finanziell beteiligt und möchte für den kleinen regionalen Schlachthof mit der Biofleischvermarktung eine höhere Auslastung generieren. „Wir müssen jetzt gemeinsam daran arbeiten, Absatzwege für Biorindfleisch vor Ort zu entwickeln“, so Hans Grabner von der EG Schlachtvieh in Traunstein. „Da fehlt uns zum Teil noch die Infrastruktur. Betriebe, die nach Alternativen zur Milchviehhaltung suchen, aber weiter Tiere halten wollen, denken über eine extensive Haltung von Bioweiderindern nach. Das kann funktionieren, aber nur, wenn unsere Bürger diese tiergerechten Haltungsformen übereinen fairen Preis für den Landwirt honorieren“.  

Der Aufbau der Dachmarke „Waginger-See-Kas“ für Biokäse von Hofkäsereien ist gemeinsam mit dem Tourismusverband Waginger See erfolgreich begonnen worden. „Hier geht es weniger um einen Absatzweg für Biomilch, dafür sind die Mengen zu klein, aber um das Angebot von naturnahem Biokäse direkt aus der Region“, so Hans Praxenthaler, ein Biokäseerzeuger aus Fridolfing. „Der Absatz der mobilen Käserei Chiemgau hat sich seither mindestens verdoppelt, auch weitere kleine Käsereien wie z.B. die Bioziegenbetriebe von Maria Frisch in Wonneberg und von Monika Obermaier aus Fridolfing profitieren davon“.

Pionierarbeit im Ökoackerbau

„Wir wollen unseren Gästen zeigen, dass es besondere Spezialitäten in der Ökomodellregion gibt“, ergänzt Eva Gruber vom Tourismusverband Waginger See. „Dazu gehört neben dem Kas auch die Waginger See Hoibe, das Ökokörberl mit Bio- und regionalen Schmankerln und Angebote, bei denen der Gast mit Landwirten in Kontakt kommt, wie z.B. bei unseren Hofladentouren oder über die Biogenussradltouren. Mit der Ökomodellregion setzen wir viel stärker als bisher auf Genuss aus der Region, und deshalb haben wir uns auch sehr über die diesjährige Auszeichnung als Genussort gefreut, gemeinsam mit Fridolfing“, so Gruber. „Das hat uns vor kurzem einen Auftritt auf der Messe „Food and Life“ verschafft, der einen hohen Werbewert für unsere Region hatte“.

Im Ökoackerbau wurde geradezu Pionierarbeit geleistet. Mit dem Anbau von Bio-Braugerste in einer erfolgreichen Kooperation mit der Schlossbrauerei Stein hat sich seit 2015 ein gutes Dutzend Landwirte aus der Ökomodellregion und Umgebung ein neues Standbein geschaffen. Die „Waginger See Hoibe“ der Schlossbrauerei ist als erstes heimisches Biobier erfolgreich auf den Markt gebracht worden. „Mir macht es großen Spaß, dass ich in meinem Hofladen jetzt viele Produkte anbieten kann, in die direkt meine Erzeugnisse eingeflossen sind“, so Andi Maier, ein junger Landwirt aus Tittmoning-Waldering. „Ich bin an fast allen Kooperationen beteiligt, bei Braugerste, Dinkel, Hafer, Senf und eventuell bald auch beim Laufener Landweizen“. Im Gemeinschaftslager in der Mussenmühle wird für alle an den Kooperationen beteiligte Biolandwirte das Getreide entsprechend gelagert und behandelt, was nur dank der sehr guten Zusammenarbeit mit der Schlossbrauerei und der Besitzerfamilie der Mühle möglich war.

Die Bäckerei Neumeier in Teisendorf, im Bild Andreas Neumeier, arbeitet noch traditionell. Sie verarbeitet auch Getreide aus Laufener Landweizen. Foto: Daniel Delang

Für Biodinkel und Biohafer wurde in Kooperation mit der Ökomodellregion Isental und der in Dorfen ansässigen Verbraucher- und Erzeugergenossenschaft „Tagwerk“ ein Vertrag mit dem Müslihersteller Barnhouse abgeschlossen. Rund ein Dutzend Landwirte aus der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel liefern Dinkel und Hafer zu einem überdurchschnittlich vergüteten Preis, der von einer neu gegründeten Erzeugergemeinschaft alle drei Jahre ausgehandelt wird. Das Projekt umfasst inzwischen mehr als 40 Landwirte mit rund 1000 Tonnen Biohafer und 500 Tonnen Biodinkel. Es gibt mittlerweile sogar schon Wartelisten für Landwirte.

In Sachen Ölsaaten liefern bis zu neun Bauern Biospeisesenf aus Gemengeanbau an die Mühldorfer Firma Byodo. Heuer soll erstmals der Reinanbau von Senf erprobt werden, um die Mengen zu steigern. Auch der Anbau von Leindotter, einer alten Ölpflanze, hat begonnen. Kooperationen mit den benachbarten Ölmühlen sollen ausgebaut werden.

Renaissance alter Kulturgetreidesorten

Insgesamt könnte, wie Berger-Stöckl sagt, der Anbau von Biogemüse, Biokräutern und weiterer stark nachgefragter Produkte als Alternative zu den üblichen Betriebstypen weiter gefördert werden. Ein besonderes Projekt dabei ist die Renaissance des sogenannten Laufener Landweizens: Zum Erhalt dieses ehemals charakteristischen sehr extensiven Urgetreides aus der Region ist ein Projekt mit zwölf Landwirten auf bayerischer Seite angelaufen - in Zusammenarbeit mit der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege Laufen und oberösterreichischen Partnern. Der Absatz über regionale Bäcker - wie z.B. Wahlich in Surheim, Neumeier in Teisendorf oder Unterreiner in Fridolfing – und über Brauereien hat ebenfalls bereits begonnen.

„Urgetreide und alte Kultursorten wie der Laufener Landweizen sind Trend, weil sie über wertvolle Inhaltsstoffe verfügen, und in den extensiven Kulturen blühen noch Wildkräuter oder brüten Vögel“, so Berger-Stöckl. „Unsere Region will Ideen entwickeln, wie wir uns mit heimischen Schätzen wie dem Laufener Landweizen oder Fleisch vom Pinzgauer Rind, das eine Waginger Metzgerei vorbildlich vermarktet, noch stärker identifizieren können. Dafür brauchen wir innovative Gastronomen und sind deshalb froh über das neu geschaffene Biowirtenetzwerk mit Betrieben in Waging und Teisendorf“. „Für uns als Sterne-Haus ist die Biozertifizierung ein toller Erfolg, denn eine wachsende Gruppe an Gästen achtet auf hohe Qualität und umweltbewusste Herstellung der Produkte“, so Michi Stöberl, Geschäftsführer vom Gut Edermann. „Das schärft unser Profil als gehobenes Landhotel“.

Bei der Biosammelzertifizierung eines Obstangeres in Kirchanschöring, von links: Rudolf Heinrich, Jürgen Sandner und Marlene Berger-Stöckl. Foto: Ernst Deubelli

Ein weiterer Schwerpunkt der Ökomodellregion betrifft den Obstanbau und dessen Verwertung. Die Pflanzung von 1500 Streuobstbäumen in der Ökomodellregion war ursprüngliches Ziel der ersten sieben Gemeinden, davon ist knapp die Hälfte bereits erreicht. Von 1.500 geplanten neuen Streuobstbäumen ist die Hälfte bereits gepflanzt. Wichtigste Partner dabei sind der Landschaftspflegeverband (LPV) und die Kreisfachberatung für Gartenbau. Der LPV führt inzwischen die Biosammelzertifizierung für Nicht-Biolandwirte, die ihren Obstanger nach Biorichtlinien bewirtschaften, durch. Damit kommen auch konventionelle Betriebe in den Genuss höherer Preise für Bioobst. „Wir spielen uns die Bälle zu“, so Jürgen Sandner vom LPV Traunstein, „wir kümmern uns um die Abwicklung der Biosammelzertifizierung, die Ökomodellregion kümmert sich um neue Absatzwege. Naturnahe Obstgärten sind für viele Arten wichtige Lebensräume und bereichern das Landschaftsbild. Für Bio-Keltereiobst lassen sich bessere Preise erzielen, der Obstanbau wird wieder rentabler“.

Weitere erfolgreich umgesetzte Projekte ergänzen die großen Schwerpunkte. Die Salzachklinik in Fridolfing setzt seit 2015 etwa 20 Prozent regionale Bioprodukte ein und ist damit Vorreiter in der Region. Weiters haben sich kleine Verarbeiter in der Ökomodellregion neu gegründet: Es gibt Kochkurse mit saisonalen Bioprodukten aus der Region, eine Biogenusskiste vom Waginger See, ein Bioflaschlbrot aus Laufener Landweizen und eine Genussmanufaktur, die Biofertiggerichte aus regionalem Urgetreide und regionale Öle verarbeitet. Eine gegenseitige Vernetzung der Biodirektvermarkter wurde etabliert, zum Beispiel bei regionalem Biokäse in heimischem Sonnenblumenöl. Und die Gemeinden haben ein Ökomodellregions-Körberl in ihre Geschenkeliste aufgenommen.

Ein Ziel der Ökomodellregion besteht auch darin, Importsoja vermehrt durch heimisches Eiweißfutter zu ersetzen. Daran arbeitet eine sehr beständige Arbeitsgruppe, die regelmäßige Infoveranstaltungen und Felderbegehungen organisiert. Und nicht zuletzt sucht die Ökomodellregion mit Infoständen bei Märkten und Gewerbeschauen sowie Veranstaltungen den Kontakt mit der Öffentlichkeit. Hier bringen sich Mitarbeiterin Jessica Romstötter und Bärbel Forster als Sprecherin der AG Ernährung mit vielfältigen Aktionen ein: „Wir wollen praktische Ernährungsbildung machen, wie zuletzt beim „Bayerischen Superfood im Winter“ in Kirchanschöring. Das reicht bis zur Mitarbeit an Schulen und in Ferienprogrammen“.

Auch die Kommunen selbst waren nicht untätig. Nach der Erstellung des gemeinsamen Tourismuskonzepts für die Ökomodellregion 2017 soll heuer das ökologische Pflegekonzept für die kommunalen Grünflächen über eine Leader-Kooperation beantragt werden. „Damit tun wir aktiv etwas für den Schutz von Bienen und Schmetterlingen auf den kommunalen Flächen“, meint Matthias Baderhuber, frischgebackener Erster Bürgermeister von Waging. Die 2015 gefassten Beschlüsse zur Ökomodellregion werden so Schritt für Schritt mit Leben erfüllt.

Netzwerk wird stetig größer

Vieles ist schon erreicht worden, aber die „Vorsätze“ für die nächsten drei Jahre sind gleichwohl umfangreich. „Wir werden manchmal gefragt, warum sich in unserer Ökomodellregion so viel bewegt“, so Hans-Jörg Birner, Bürgermeister von Kirchanschöring und Vorstandssprecher. „Das liegt wohl daran, dass unser vielfältiges Netzwerk stetig wächst, vom Bauern bis zum Lebensmittelhandwerk, von Verarbeitern bis zu interessierten Bürgern, von Kooperationen mit weiteren Regionalinitiativen wie Leader oder ILE bis zur aktiven Mitarbeit der Gemeindeverwaltungen. Es ist uns wichtig, offen zu bleiben für neue Ideen. Wir freuen uns sehr über diese breite Unterstützung.“

„Die Ökomodellregion steigert die Attraktivität unserer Region auf vielfältige Art und Weise, und damit ist sie auch ein Wirtschaftsfaktor geworden“, so Martin Fenninger, Bürgermeister von Wonneberg. „Mir ist in den letzten Jahren bewusst geworden, wie wichtig solche ökologischen Themen auch für uns als Gemeinde sind“.

Vierter Regionaltag - gemeinsamer Stand der Regionalinitiativen

Auch 2018 fand im Juli der schon fast „traditionelle" Regionaltag des Landkreises Traunstein statt. Bei schönem Ausflugswetter mit angenehmen Temperaturen kamen viele Interessierte in den Hof des Landratsamts Traunstein, um sich an den Verkaufs- und Infoständen über die Spezialitäten aus unserer Region zu informieren und natürlich die vielfältigen Köstlichkeiten zu probieren. Zahlreiche Direktvermarkter aus dem Landkreis waren gekommen und nutzten die Gelegenheit, sich mit ihren regionalen Produkten einen Tag lang vorzustellen und für sich zu werben.


Der Verkaufsstand der Ökomodellregion (links) sowie der gemeinsame Infostand der Integrierten Ländlichen Entwicklung und Ökomodellregion mit der Solidarischen Landwirtschaft von Demeter Bauerin Kristine Rühl (rechts), Bild von ILE.

Dieser vierte Regionaltag stand unter dem Schwerpunktthema „Getreide". Am Stand der Ökomodellregion konnten die Besucher bei einem Getreide-Ratespiel ihre Kenntnisse über die verschiedenen Getreidesorten und Ur-Getreidesorten unter Beweis stellen. Außerdem gab es das Granola-Bio-Müsli mit Biodinkel und –hafer aus der Ökomodellregion vom Müslihersteller Barnhouse aus Mühldorf zum Probieren und die verschiedenen Ur-Getreidesorten wie Einkorn, Dinkel, Roggen, Leinsamen und Buchweizen des Demeter Bauern Franz Obermeyer aus Tengling standen zum Verkauf.  


Der Stand der Ökomodellregion mit Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl. Hier gab es unter anderem die Ur-Getreidesorten des Demeter Bauern Franz Obermeyer zum Verkauf, Bild von ILE.

Am gemeinsamen Stand (vgl. Eingangsbild) der Integrierten Ländlichen Entwicklung und der Ökomodellregion, die an diesem Stand von Karoline Widur vertreten war, gab es viel Infomaterial zu verschiedenen ILE Projekten sowie zum gemeinschaftlich getragenen Gemüsebau-Projekt der „Solidarischen Landwirtschaft“ (SoLaWi). Karoline Widur ist die Nichte der Demeter-Landwirtin Kristine Rühl. Gemeinsam betreiben sie auf einer 1,3 Hektar großen Anbaufläche die Solidarische Landwirtschaft" in der Ortschaft Tettenberg in der Nähe von Otting. Außerdem gab es an diesem Stand Informationen zur Bio-Genuss-Kiste von Ernährungsberaterin Yvonne Liebl aus Waging. Der gemeinsame Stand, an dem sich viele Besucher informierten, macht deutlich, dass die verschiedenen Initiativen gut bei gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten, sich gegenseitig ergänzen und unterstützen.


Der Stand der Lokalen Aktionsgruppen LEADER im Landkreis Traunstein, hier war auch die LAG Traun-Alz-Salzach vertreten, Bild von ILE.

Die Lokalen Aktionsgruppen LEADER im Landkreis Traunstein hatten dieses Jahr einen gemeinsamen Informationsstand. Hier war auch die Leader LAG Traun-Alz-Salzach - eine der Regionalinitiativen Waginger See - Rupertiwinkel - mit neu gestalteten Roll-ups vertreten.

Ein Bericht von ILE.

Eingangsbild: Der gemeinsame Stand der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) mit Umsetzungsbegleiterin Alexandra Huber und der Ökomodellregion, die an diesem Stand von Karoline Widur vertreten war. Karoline Widur ist die Nichte der Demeter-Landwirtin Kristine Rühl. Gemeinsam betreiben sie die „Solidarische Landwirtschaft“ in der Ortschaft Tettenberg, in der Nähe von Otting, Bild von ILE.

Auch Popeye würde es schmecken

Lecker, knackig und frisch - gelungener Abend rund um „Bayerisches Superfood im Winter“

Ein Artikel von Anneliese Caruso, erschienen in der Südostbayerischen Rundschau vom 02.02.2019

Kirchanschöring. Schon die Namen klingen aufregend: Die Acai-Beere aus Südamerika oder die Goji-Beere aus China, Chia-Samen aus Mexiko und Quinoa aus Peru. Diese Neulinge auf unseren Speisenplänen sollen Superkräfte entfalten in unserem menschlichen Körper, wohl deswegen nennt man sie Superfood. Auch der Bäcker im Dorf hat mittlerweile Brot mit Chia-Samen und liegt damit voll im Trend. Die Frage ist halt, ob was dran ist an diesem Trend. Müssen wir unbedingt auf Lebensmittel zurückgreifen, die um die halbe Welt gekarrt worden sind, um gesund zu bleiben oder wächst vielleicht auch in der Region, Gemüse, dem ähnlich positive Eigenschaften zugeschrieben werden, wie beispielweise dem Wunder-Samen Chia.

Karotten    Bild: Daniel Delang

Kurze Transportwege
Mit dieser Frage beschäftigte sich ein von der Öko-Modellregion organisierter Vortrags- und Diskussionsabend im Haus der Begegnung, der unter dem Motto „Bayerisches Superfood im Winter“ heimisches Wintergemüse in den Mittelpunkt rückte. Dabei referierte nicht nur der Kirchanschöringer Bio-Gemüseanbauer Michael Steinmaßl über den Anbau von winterlichem Gemüse, sondern auch die an der Fridolfinger Salzachklinik tätige Ernährungsberaterin, Maria Stadler. Sie informierte über die Inhalts- und gesundheitsfördernden Stoffe der Roten Bete, Kartoffel, Schwarzwurzel und des Knollen- und Stauden-Selleries, des Kohlrabis, Feldsalats, Sauerkrautes sowie des Grünkohls und Kürbisses. Welch leckere Gerichte man aus diesen knackig frischen und aromatischen Gemüsesorten zaubern kann, die obendrein Abwechslung auf die Teller bringen, durften die Besucher dann bei einer Verkostung an einem einladenden Büffet erleben. Dies war zum Beispiel bestückt mit Rote-Bete-Kuchen, Rote Bete Chips, Kartoffel-Sauerkraut-Piroggen, Grünkohlcurry, Grünkohl-Quiche, samtigen Suppen aus Wurzelgemüsen, Sauerkrautsalat mit Birne, Rote Bete Salat mit Apfel, Sauerkraut-Puffer, Ofengemüse oder den feinen Schwarzwurzeln in Nuss-Butter.

An diesem Abend wurde klar: Keiner muss Angst haben, dass ihm etwas entgeht, wenn er auf Quinoa oder Lucuma verzichtet. Er darf, wie Popeye, beispielsweise beim gewohnten Spinat oder bei Sauerkraut und Kartoffeln bleiben. Denn das gute alte Sauerkraut oder der etwas in Vergessenheit geratene Grünkohl sind meistens genauso gesund.

Es wurde auch klar, dass der Vorteil von heimischem Wintergemüse in kurzen Transportwegen liegt, die zum einen die Umwelt schonen und die Aromen sowie Vitamine und Nährstoffe erhalten, und zum anderen eine vorzeitige Ernte und somit teure und lange Lagerzeiten erspart. So kann der winterliche Speisezettel auch preiswerter gestaltet werden.

 Übergabe eines Geschenkkorbes an Ernährungsberaterin Maria Stadler

Bio-Gemüseanbauer Michael Steinmaßl überreicht der Ernährungsberaterin Maria Stadler zum Dank für ihren Vortrag einen Geschenkkorb mit regionalen Spezialitäten.
Foto: Anneliese Caruso

 

Hochwertige Inhaltsstoffe 
Wie Maria Stadler verdeutlichte, gibt es Wintergemüse vom heimischen Erzeuger, die mit ebenso hochwertigen Inhaltsstoffen punkten können.

Zu den vielen Sorten, auf die sie stets einzeln einging, war das typische Herbst- und Wintergemüse: Grünkohl. Wie alle Kohlsorten enthalte Grünkohl viele verschiedene Vitamine und Ballaststoffe sowie Mineralien und Kalzium, was ihn damit zum idealen Wintergemüse mache. Zudem werde Grünkohl nachgesagt, dass er Osteoporose vorbeugen könne und das Immunsystem stärke. Gerade Kalzium sei für die Neubildung und das Wachstum der Knochen und für gesunde Zähne wichtig. Grünkohl könne man auf verschiedene Arten zubereiten. Traditionell werde er eher herzhaft und deftig serviert.

Zu Beginn dieser Veranstaltung, die mit ihren vielen Besuchern den ursprünglich geplanten Rahmen völlig sprengte, und gar nicht alle Interessenten berücksichtigen konnte, stellte Michael Steinmaßl etliche der von ihm kultivierten Gemüse- und Salatsorten vor, von denen einige auch noch bei Eis und Schnee auf den Feldern stehen oder gut haltbar eingelagert sind, sodass es nicht allzu schwierig sein dürfte, mit den natürlichen Zutaten der Saison und Region zu kochen. Darunter gibt es mehrere, vermeintlich grobe Gesellen, die richtig zubereitet, selbst in der feinen Küche zu herausragenden kulinarischen Höhepunkten beitragen. Der Anbau erfolgt auf Freiflächen oder in unbeheizten Gewächshäusern. Als Bio-Gemüseanbauer wirtschaftet Steinmaßl nach den strengen Verbandsrichtlinien von Bioland. Seine Felder liegen bei seinem Anwesen im Kirchanschöringer Ortsteil Watzing. „Einige der Wintersorten baue ich schon ab Mai/ Juni an und verwende sie später als Lagergemüse wie zum Beispiel Kartoffeln oder Sellerie, während andere Sorten wie etwa Wirsing oder Grünkohl bis in den Spätherbst oder Winter auf dem Feld bleiben.“ Dazu zähle auch Feldsalat, eine rein winterliche Salatpflanze, die härtesten Frost vertrage, erzählte Steinmaßl, der unter anderem altbewährte blutrote und neuere Sorten von Roter Bete aus seinem bunt gemischten Gemüsekorb anschaulich präsentierte.

Die Leiterin der Öko-Modellregion, Marlene Berger-Stöckl, erinnerte in ihrer Ansprache nicht nur daran, wie großartig frisch zubereitete Schwarzwurzeln schmecken, sie verwies auch darauf, dass das Verwenden von heimischem Gemüse viele Vorteile für die Umwelt bietet. Vom Feld bis in den Einkaufskorb legt es nämlich nur kurze Transportwege zurück. „Weil es nur reif geerntet wird, können sich im Wintergemüse die enthaltenen Aromastoffe genauso optimal ausbilden wie die Nährstoff- und Vitamingehalte“, warb sie, beim Einkauf auf Lebensmittel aus der Region zu setzen, wo es ja auch „Bayerischen Superfood“ gibt. „Die Vielfalt heimischer Wintergemüse mit bekannten und fast vergessenen Sorten, die inzwischen wiederentdeckt werden, wird immer größer und reicht von Wurzelgemüsen wie Petersilienwurzeln und Pastinaken über Kohlarten wie Blaukraut, Grünkohl oder Kohlrabi, über Steckrüben und Wintersalate wie Feldsalat und Portulak bis hin zu Besonderheiten wie Haferwurzeln und Maronen.“ Dies ermögliche beim saisonalen Kochen eine unglaubliche Vielfalt. Berger-Stöckl freute sich auch, dass es die „Köchinnen“ geschafft haben, in der Kürze der Zeit noch so viele leckere Speisen zuzubereiten, dass es für die riesige Besucherschar locker reichte. „Überdies sind wir froh, dass wir diese Veranstaltung heute gemacht haben, trägt sie doch ein wenig zur Bewusstseinsbildung bei, die der Öko-Modellregion so sehr am Herzen liegt.“

Bürgermeister Hans-Jörg Birner, betonte, dass diese Bewusstseinsbildung eine der tragenden Säulen der Öko- Modellregion sei. Es sei schön, in diesem Bereich auf ein so engagiertes Team blicken zu dürfen.

Eine dieser „Köchinnen“ war Bärbel Forster, die Sprecherin der ÖMR-Arbeitsgruppe Ernährung. Bärbel Forster stellte auch eine Rezeptsammlung vor, die sie den Gästen mitgab und verwies auf Kochbücher zur Gemüseküche. Darüber hinaus stellte sie mit Jessica Romstötter, die Leiterin des Kochteams vor, das sämtliche Arbeiten mit großem, persönlichem Einsatz erledigte. Zum Team gehörten auch Irene Haslberger, Astrid Günther und Evi Steinmaßl, die an der Zubereitung der Speisen und allem Drumherum aktiv mitwirkten, ehe sie ans reichhaltige Büffet luden

Alles in allem war es ein höchst informativer, kulinarischer Abend, der überraschender Weise einen viel größeren Anklang gefunden hat, als allgemein gerechnet wurde.

 

Echter Zugewinn für Direktvermarkter

Der Städtische Schlachthof Laufen wurde biozertifiziert – ein Meilenstein für die heimischen Erzeuger von Biofleisch. Nach Überreichung der Betriebsgenehmigung des Umwelt- und Verbraucherschutz-Ministeriums durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Teisendorf steht dem Bio-Zerlegebetrieb in Laufen nichts mehr im Wege.

„Beeindruckend ist die Schnelligkeit, mit der Sie dieses Vorhaben umgesetzt haben“, sagte die Ministerin bei der Präsentation des Ökomodellregions-Projekts im Hotel Gut Edermann. Schließlich sei Laufen erst Anfang 2017 als zehnte Gemeinde der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel beigetreten.

Kaniber nannte den biozertifizierten Zerlegebetrieb einen „echten Zugewinn für die direktvermarktenden Landwirte“. Eng kooperierten die Stadt, das Schlachthofteam, die Erzeugergemeinschaft (EG) Schlachtvieh Traunstein und die Modellregion bei der Vorbereitung. Die EG unter Vorsitz von Hans Grabner wirkte aktiv am Prozess mit und investierte mit in die notwendigen Maßnahmen. Ökomodellregions-Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl hob auch die Unterstützung durch den früheren EG-Geschäftsführer Bernhard Reiter hervor. Neben den fünf in Laufen beteiligten Metzgern, die den Schlachthof bereits nutzen, kann damit auch die Erzeugergemeinschaft Tiere in überschaubarer Stückzahl biozertifiziert schlachten und zerlegen, genau wie jeder Landwirt aus der Region, der in eine direkte Vermarktung von Biorindfleisch einsteigen möchte. „Aufgabe der Ökomodellregion war und ist es, die beteiligten Partner zusammen zu bringen“, erläuterte Berger-Stöckl gegenüber der Heimatzeitung.

Zur Sicherung der Zukunft ihres Schlachthofs habe die Stadt 2009 bereits 190.000 Euro investiert, erklärte Laufens Bürgermeister Hans Feil. „Ziel war, diesen mit der Biozertifizierung breiter aufzustellen.“ Mit der EG habe man einen „super Partner gefunden“. Warum dieser Zusammenschluss von über 4000 Landwirten nach dem Kauf des Schlachthofs Traunstein in das Laufener Projekt investierte, erklärte Grabner mit der verstärkten Nachfrage der Verbraucher nach Biofleisch. Das Schlachthof-Team sei ein unkomplizierter Partner gewesen. Laut Schlachthofleiter Thomas Streitwieser wurde der Umbau kostengünstig mit eigenem Personal bewerkstelligt.

Auch die Biometzger freuen sich über die neuen Chancen, wie Otto Wittschek aus Niederheining. „Ich und mein Sohn sind beide Biometzger“, erzählte er stolz. Daneben hat er einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb. Er schlachtet für bäuerliche Direktvermarkter wie Familie Beer in Weng bei Ainring und Familie Lecker in Niederheining. Damit schließt sich der Kreis zur biozertifizierten Gastronomie (s. eigener Bericht). Biofleisch kann über beteiligte Metzger oder die EG Schlachtvieh künftig direkt aus der Region bezogen werden. Berger-Stöckls Fazit: „Aufgabe ist es jetzt, den Absatz so anzukurbeln und zu stärken, dass diese Möglichkeit, soweit es die Kapazität des kleinen Schlachthofs erlaubt, intensiv genutzt wird.“

Solche Kooperationen seien „gelebter Umwelt- und Heimatschutz“, befand der Traunsteiner Landrat Sigi Walch (CSU). Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl lobte die Förderung von früher selbstverständlichen Einrichtungen wie kleine, dezentrale Schlachthöfe.

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Südostbayerische Rundschau vom 25.04.2018).

Eingangsbild: Erleichtert über die Betriebsgenehmigung: Laufens Bürgermeister Hans Feil (ganz li.), hier mit (v.li.) Biometzger Otto Wittschek, Schlachthofmeister Anderl Schmid, Ministerin Michaela Kaniber, Schlachthofleiter Thomas Streitwieser, Biometzger Christian Sichert, Rathaus-Geschäftsleiter Christian Reiter und Hans Grabner von der EG Schlachtvieh, Bild von Veronika Mergenthal.

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