Auch Popeye würde es schmecken

Lecker, knackig und frisch - gelungener Abend rund um „Bayerisches Superfood im Winter“

Ein Artikel von Anneliese Caruso, erschienen in der Südostbayerischen Rundschau vom 02.02.2019

Kirchanschöring. Schon die Namen klingen aufregend: Die Acai-Beere aus Südamerika oder die Goji-Beere aus China, Chia-Samen aus Mexiko und Quinoa aus Peru. Diese Neulinge auf unseren Speisenplänen sollen Superkräfte entfalten in unserem menschlichen Körper, wohl deswegen nennt man sie Superfood. Auch der Bäcker im Dorf hat mittlerweile Brot mit Chia-Samen und liegt damit voll im Trend. Die Frage ist halt, ob was dran ist an diesem Trend. Müssen wir unbedingt auf Lebensmittel zurückgreifen, die um die halbe Welt gekarrt worden sind, um gesund zu bleiben oder wächst vielleicht auch in der Region, Gemüse, dem ähnlich positive Eigenschaften zugeschrieben werden, wie beispielweise dem Wunder-Samen Chia.

Karotten    Bild: Daniel Delang

Kurze Transportwege
Mit dieser Frage beschäftigte sich ein von der Öko-Modellregion organisierter Vortrags- und Diskussionsabend im Haus der Begegnung, der unter dem Motto „Bayerisches Superfood im Winter“ heimisches Wintergemüse in den Mittelpunkt rückte. Dabei referierte nicht nur der Kirchanschöringer Bio-Gemüseanbauer Michael Steinmaßl über den Anbau von winterlichem Gemüse, sondern auch die an der Fridolfinger Salzachklinik tätige Ernährungsberaterin, Maria Stadler. Sie informierte über die Inhalts- und gesundheitsfördernden Stoffe der Roten Bete, Kartoffel, Schwarzwurzel und des Knollen- und Stauden-Selleries, des Kohlrabis, Feldsalats, Sauerkrautes sowie des Grünkohls und Kürbisses. Welch leckere Gerichte man aus diesen knackig frischen und aromatischen Gemüsesorten zaubern kann, die obendrein Abwechslung auf die Teller bringen, durften die Besucher dann bei einer Verkostung an einem einladenden Büffet erleben. Dies war zum Beispiel bestückt mit Rote-Bete-Kuchen, Rote Bete Chips, Kartoffel-Sauerkraut-Piroggen, Grünkohlcurry, Grünkohl-Quiche, samtigen Suppen aus Wurzelgemüsen, Sauerkrautsalat mit Birne, Rote Bete Salat mit Apfel, Sauerkraut-Puffer, Ofengemüse oder den feinen Schwarzwurzeln in Nuss-Butter.

An diesem Abend wurde klar: Keiner muss Angst haben, dass ihm etwas entgeht, wenn er auf Quinoa oder Lucuma verzichtet. Er darf, wie Popeye, beispielsweise beim gewohnten Spinat oder bei Sauerkraut und Kartoffeln bleiben. Denn das gute alte Sauerkraut oder der etwas in Vergessenheit geratene Grünkohl sind meistens genauso gesund.

Es wurde auch klar, dass der Vorteil von heimischem Wintergemüse in kurzen Transportwegen liegt, die zum einen die Umwelt schonen und die Aromen sowie Vitamine und Nährstoffe erhalten, und zum anderen eine vorzeitige Ernte und somit teure und lange Lagerzeiten erspart. So kann der winterliche Speisezettel auch preiswerter gestaltet werden.

 Übergabe eines Geschenkkorbes an Ernährungsberaterin Maria Stadler

Bio-Gemüseanbauer Michael Steinmaßl überreicht der Ernährungsberaterin Maria Stadler zum Dank für ihren Vortrag einen Geschenkkorb mit regionalen Spezialitäten.
Foto: Anneliese Caruso

 

Hochwertige Inhaltsstoffe 
Wie Maria Stadler verdeutlichte, gibt es Wintergemüse vom heimischen Erzeuger, die mit ebenso hochwertigen Inhaltsstoffen punkten können.

Zu den vielen Sorten, auf die sie stets einzeln einging, war das typische Herbst- und Wintergemüse: Grünkohl. Wie alle Kohlsorten enthalte Grünkohl viele verschiedene Vitamine und Ballaststoffe sowie Mineralien und Kalzium, was ihn damit zum idealen Wintergemüse mache. Zudem werde Grünkohl nachgesagt, dass er Osteoporose vorbeugen könne und das Immunsystem stärke. Gerade Kalzium sei für die Neubildung und das Wachstum der Knochen und für gesunde Zähne wichtig. Grünkohl könne man auf verschiedene Arten zubereiten. Traditionell werde er eher herzhaft und deftig serviert.

Zu Beginn dieser Veranstaltung, die mit ihren vielen Besuchern den ursprünglich geplanten Rahmen völlig sprengte, und gar nicht alle Interessenten berücksichtigen konnte, stellte Michael Steinmaßl etliche der von ihm kultivierten Gemüse- und Salatsorten vor, von denen einige auch noch bei Eis und Schnee auf den Feldern stehen oder gut haltbar eingelagert sind, sodass es nicht allzu schwierig sein dürfte, mit den natürlichen Zutaten der Saison und Region zu kochen. Darunter gibt es mehrere, vermeintlich grobe Gesellen, die richtig zubereitet, selbst in der feinen Küche zu herausragenden kulinarischen Höhepunkten beitragen. Der Anbau erfolgt auf Freiflächen oder in unbeheizten Gewächshäusern. Als Bio-Gemüseanbauer wirtschaftet Steinmaßl nach den strengen Verbandsrichtlinien von Bioland. Seine Felder liegen bei seinem Anwesen im Kirchanschöringer Ortsteil Watzing. „Einige der Wintersorten baue ich schon ab Mai/ Juni an und verwende sie später als Lagergemüse wie zum Beispiel Kartoffeln oder Sellerie, während andere Sorten wie etwa Wirsing oder Grünkohl bis in den Spätherbst oder Winter auf dem Feld bleiben.“ Dazu zähle auch Feldsalat, eine rein winterliche Salatpflanze, die härtesten Frost vertrage, erzählte Steinmaßl, der unter anderem altbewährte blutrote und neuere Sorten von Roter Bete aus seinem bunt gemischten Gemüsekorb anschaulich präsentierte.

Die Leiterin der Öko-Modellregion, Marlene Berger-Stöckl, erinnerte in ihrer Ansprache nicht nur daran, wie großartig frisch zubereitete Schwarzwurzeln schmecken, sie verwies auch darauf, dass das Verwenden von heimischem Gemüse viele Vorteile für die Umwelt bietet. Vom Feld bis in den Einkaufskorb legt es nämlich nur kurze Transportwege zurück. „Weil es nur reif geerntet wird, können sich im Wintergemüse die enthaltenen Aromastoffe genauso optimal ausbilden wie die Nährstoff- und Vitamingehalte“, warb sie, beim Einkauf auf Lebensmittel aus der Region zu setzen, wo es ja auch „Bayerischen Superfood“ gibt. „Die Vielfalt heimischer Wintergemüse mit bekannten und fast vergessenen Sorten, die inzwischen wiederentdeckt werden, wird immer größer und reicht von Wurzelgemüsen wie Petersilienwurzeln und Pastinaken über Kohlarten wie Blaukraut, Grünkohl oder Kohlrabi, über Steckrüben und Wintersalate wie Feldsalat und Portulak bis hin zu Besonderheiten wie Haferwurzeln und Maronen.“ Dies ermögliche beim saisonalen Kochen eine unglaubliche Vielfalt. Berger-Stöckl freute sich auch, dass es die „Köchinnen“ geschafft haben, in der Kürze der Zeit noch so viele leckere Speisen zuzubereiten, dass es für die riesige Besucherschar locker reichte. „Überdies sind wir froh, dass wir diese Veranstaltung heute gemacht haben, trägt sie doch ein wenig zur Bewusstseinsbildung bei, die der Öko-Modellregion so sehr am Herzen liegt.“

Bürgermeister Hans-Jörg Birner, betonte, dass diese Bewusstseinsbildung eine der tragenden Säulen der Öko- Modellregion sei. Es sei schön, in diesem Bereich auf ein so engagiertes Team blicken zu dürfen.

Eine dieser „Köchinnen“ war Bärbel Forster, die Sprecherin der ÖMR-Arbeitsgruppe Ernährung. Bärbel Forster stellte auch eine Rezeptsammlung vor, die sie den Gästen mitgab und verwies auf Kochbücher zur Gemüseküche. Darüber hinaus stellte sie mit Jessica Romstötter, die Leiterin des Kochteams vor, das sämtliche Arbeiten mit großem, persönlichem Einsatz erledigte. Zum Team gehörten auch Irene Haslberger, Astrid Günther und Evi Steinmaßl, die an der Zubereitung der Speisen und allem Drumherum aktiv mitwirkten, ehe sie ans reichhaltige Büffet luden

Alles in allem war es ein höchst informativer, kulinarischer Abend, der überraschender Weise einen viel größeren Anklang gefunden hat, als allgemein gerechnet wurde.

 

Schmackhafte Gemüsesuppe aus 20 Sorten

Dass es in der Nähe von Otting eine Gärtnerei mit über 50 Gemüsesorten gibt – das hat ein Dutzend Kinder im Rahmen des Waginger Ferienprogramms ebenso gelernt wie die Zubereitung einer schmackhaften Gemüsesuppe. Mit Begeisterung und erstaunlichem Durchhaltevermögen waren die jungen „Gärtner“ bei der Sache, als es darum ging, auf der 1,5 Hektar großen Fläche bei Tettenberg an die 20 Sorten Gemüse zu finden und einzusammeln, die notwendig waren, um daraus die Suppe zuzubereiten.

Dieser Tag in der Gärtnerei war ein Angebot der Ökomodellregion Waginger See/ Rupertiwinkel. Die Kinder hatten sich in Oberstefling getroffen und waren unter Leitung von Bärbel Forster vom Arbeitskreis Ernährung der Ökomodellregion durch ein kleines Waldstück zu dem Feld in Tettenberg hochgewandert. Dort wurden sie von der Biogärtnerin Kristine Rühl begrüßt und danach in drei Gruppen aufgeteilt. Unter Führung von ortskundigen Mitarbeitern wurde dann zur „Expedition“ durch den vielfältigen Gemüsegarten aufgebrochen. Es war gar nicht so einfach, all die Früchte zu finden, die für die Suppe notwendig waren.

Mit einem Lageplan und einer Rezeptliste ausgestattet, hatten die Kinder nach rund eineinhalb Stunden Wanderns, Suchens und Pflückens dann alles beisammen, was für die Suppe und für die Nachspeise notwendig war – unter anderem Kartoffeln, Karotten, Sellerie, Lauch, Kohlrabi, Fenchel, Zucchini, Gurken, Broccoli, Rote Bete, Mangold, Paprika, Auberginen, Tomaten, Wassermelonen und Physalis sowie einige Kräuter.

Ein besonderes Abenteuer war das Ausstechen der Kartoffeln: Nach dem mühsamen Graben in der feuchten, schweren Erde lagen dann plötzlich zahlreiche dicke Kartoffeln zum Aufheben bereit. Nach dem Ernten kam der zweite Akt: Alles musste gewaschen und dann kleingeschnippelt werden, ehe die ganzen Zutaten über offenem Feuer in zwei an einem Dreibein aufgehängten Töpfen gekocht wurden.


Die großen Kohlrabi waren für die Kinder leicht zu identifizieren, Bild von Hans Eder.

Und dann kam die Belohnung der ganzen Mühe. Die Suppe war fertig gekocht – und ganz ohne weitere Würze, vom Salz mal abgesehen, schmeckte sie allen wunderbar. Fast jeder der kleinen Teilnehmer nahm sich noch einen Nachschlag. Und zur Nachspeise gabs dann die Melonen und die leckeren Physalis-Früchte.


Alle Kinder waren eifrigst bei der Sache, als es galt, das Gemüse klein zu schnippeln. Anschließend wurde an dieser rustikalen Strohtafel mit großem Appetit gegessen, Bild von Hans Eder.

Zwischendurch ließ Gruppenleiterin Bärbel Forster die Kinder per Blindverkostung einige Gemüsesorten erraten. Die drei eingeplanten Stunden vergingen wie im Flug. Die Kinder dankten Kristine Rühl und ihren Mitarbeitern mit einem kräftigen Applaus, Bärbel Forster lobte sie für ihren Fleiß.

Eingangsbild: An die 20 Gemüsesorten mussten auf dem Feld bei Tettenberg von den Kindern geerntet werden, ehe alle Zutaten für eine kräftige Gemüsesuppe beisammen waren. 4. von links Organisatorin Bärbel Forster, Arbeitsgruppe Ernährungsbildung, Bild von Hans Eder. 

Ein Bericht von Hans Eder (Südostbayerische Rundschau vom 12.09.2018).

Echter Zugewinn für Direktvermarkter

Der Städtische Schlachthof Laufen wurde biozertifiziert – ein Meilenstein für die heimischen Erzeuger von Biofleisch. Nach Überreichung der Betriebsgenehmigung des Umwelt- und Verbraucherschutz-Ministeriums durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Teisendorf steht dem Bio-Zerlegebetrieb in Laufen nichts mehr im Wege.

„Beeindruckend ist die Schnelligkeit, mit der Sie dieses Vorhaben umgesetzt haben“, sagte die Ministerin bei der Präsentation des Ökomodellregions-Projekts im Hotel Gut Edermann. Schließlich sei Laufen erst Anfang 2017 als zehnte Gemeinde der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel beigetreten.

Kaniber nannte den biozertifizierten Zerlegebetrieb einen „echten Zugewinn für die direktvermarktenden Landwirte“. Eng kooperierten die Stadt, das Schlachthofteam, die Erzeugergemeinschaft (EG) Schlachtvieh Traunstein und die Modellregion bei der Vorbereitung. Die EG unter Vorsitz von Hans Grabner wirkte aktiv am Prozess mit und investierte mit in die notwendigen Maßnahmen. Ökomodellregions-Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl hob auch die Unterstützung durch den früheren EG-Geschäftsführer Bernhard Reiter hervor. Neben den fünf in Laufen beteiligten Metzgern, die den Schlachthof bereits nutzen, kann damit auch die Erzeugergemeinschaft Tiere in überschaubarer Stückzahl biozertifiziert schlachten und zerlegen, genau wie jeder Landwirt aus der Region, der in eine direkte Vermarktung von Biorindfleisch einsteigen möchte. „Aufgabe der Ökomodellregion war und ist es, die beteiligten Partner zusammen zu bringen“, erläuterte Berger-Stöckl gegenüber der Heimatzeitung.

Zur Sicherung der Zukunft ihres Schlachthofs habe die Stadt 2009 bereits 190.000 Euro investiert, erklärte Laufens Bürgermeister Hans Feil. „Ziel war, diesen mit der Biozertifizierung breiter aufzustellen.“ Mit der EG habe man einen „super Partner gefunden“. Warum dieser Zusammenschluss von über 4000 Landwirten nach dem Kauf des Schlachthofs Traunstein in das Laufener Projekt investierte, erklärte Grabner mit der verstärkten Nachfrage der Verbraucher nach Biofleisch. Das Schlachthof-Team sei ein unkomplizierter Partner gewesen. Laut Schlachthofleiter Thomas Streitwieser wurde der Umbau kostengünstig mit eigenem Personal bewerkstelligt.

Auch die Biometzger freuen sich über die neuen Chancen, wie Otto Wittschek aus Niederheining. „Ich und mein Sohn sind beide Biometzger“, erzählte er stolz. Daneben hat er einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb. Er schlachtet für bäuerliche Direktvermarkter wie Familie Beer in Weng bei Ainring und Familie Lecker in Niederheining. Damit schließt sich der Kreis zur biozertifizierten Gastronomie (s. eigener Bericht). Biofleisch kann über beteiligte Metzger oder die EG Schlachtvieh künftig direkt aus der Region bezogen werden. Berger-Stöckls Fazit: „Aufgabe ist es jetzt, den Absatz so anzukurbeln und zu stärken, dass diese Möglichkeit, soweit es die Kapazität des kleinen Schlachthofs erlaubt, intensiv genutzt wird.“

Solche Kooperationen seien „gelebter Umwelt- und Heimatschutz“, befand der Traunsteiner Landrat Sigi Walch (CSU). Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl lobte die Förderung von früher selbstverständlichen Einrichtungen wie kleine, dezentrale Schlachthöfe.

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Südostbayerische Rundschau vom 25.04.2018).

Eingangsbild: Erleichtert über die Betriebsgenehmigung: Laufens Bürgermeister Hans Feil (ganz li.), hier mit (v.li.) Biometzger Otto Wittschek, Schlachthofmeister Anderl Schmid, Ministerin Michaela Kaniber, Schlachthofleiter Thomas Streitwieser, Biometzger Christian Sichert, Rathaus-Geschäftsleiter Christian Reiter und Hans Grabner von der EG Schlachtvieh, Bild von Veronika Mergenthal.

Vierter Regionaltag - gemeinsamer Stand der Regionalinitiativen

Auch 2018 fand im Juli der schon fast „traditionelle" Regionaltag des Landkreises Traunstein statt. Bei schönem Ausflugswetter mit angenehmen Temperaturen kamen viele Interessierte in den Hof des Landratsamts Traunstein, um sich an den Verkaufs- und Infoständen über die Spezialitäten aus unserer Region zu informieren und natürlich die vielfältigen Köstlichkeiten zu probieren. Zahlreiche Direktvermarkter aus dem Landkreis waren gekommen und nutzten die Gelegenheit, sich mit ihren regionalen Produkten einen Tag lang vorzustellen und für sich zu werben.


Der Verkaufsstand der Ökomodellregion (links) sowie der gemeinsame Infostand der Integrierten Ländlichen Entwicklung und Ökomodellregion mit der Solidarischen Landwirtschaft von Demeter Bauerin Kristine Rühl (rechts), Bild von ILE.

Dieser vierte Regionaltag stand unter dem Schwerpunktthema „Getreide". Am Stand der Ökomodellregion konnten die Besucher bei einem Getreide-Ratespiel ihre Kenntnisse über die verschiedenen Getreidesorten und Ur-Getreidesorten unter Beweis stellen. Außerdem gab es das Granola-Bio-Müsli mit Biodinkel und –hafer aus der Ökomodellregion vom Müslihersteller Barnhouse aus Mühldorf zum Probieren und die verschiedenen Ur-Getreidesorten wie Einkorn, Dinkel, Roggen, Leinsamen und Buchweizen des Demeter Bauern Franz Obermeyer aus Tengling standen zum Verkauf.  


Der Stand der Ökomodellregion mit Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl. Hier gab es unter anderem die Ur-Getreidesorten des Demeter Bauern Franz Obermeyer zum Verkauf, Bild von ILE.

Am gemeinsamen Stand (vgl. Eingangsbild) der Integrierten Ländlichen Entwicklung und der Ökomodellregion, die an diesem Stand von Karoline Widur vertreten war, gab es viel Infomaterial zu verschiedenen ILE Projekten sowie zum gemeinschaftlich getragenen Gemüsebau-Projekt der „Solidarischen Landwirtschaft“ (SoLaWi). Karoline Widur ist die Nichte der Demeter-Landwirtin Kristine Rühl. Gemeinsam betreiben sie auf einer 1,3 Hektar großen Anbaufläche die Solidarische Landwirtschaft" in der Ortschaft Tettenberg in der Nähe von Otting. Außerdem gab es an diesem Stand Informationen zur Bio-Genuss-Kiste von Ernährungsberaterin Yvonne Liebl aus Waging. Der gemeinsame Stand, an dem sich viele Besucher informierten, macht deutlich, dass die verschiedenen Initiativen gut bei gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten, sich gegenseitig ergänzen und unterstützen.


Der Stand der Lokalen Aktionsgruppen LEADER im Landkreis Traunstein, hier war auch die LAG Traun-Alz-Salzach vertreten, Bild von ILE.

Die Lokalen Aktionsgruppen LEADER im Landkreis Traunstein hatten dieses Jahr einen gemeinsamen Informationsstand. Hier war auch die Leader LAG Traun-Alz-Salzach - eine der Regionalinitiativen Waginger See - Rupertiwinkel - mit neu gestalteten Roll-ups vertreten.

Ein Bericht von ILE.

Eingangsbild: Der gemeinsame Stand der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) mit Umsetzungsbegleiterin Alexandra Huber und der Ökomodellregion, die an diesem Stand von Karoline Widur vertreten war. Karoline Widur ist die Nichte der Demeter-Landwirtin Kristine Rühl. Gemeinsam betreiben sie die „Solidarische Landwirtschaft“ in der Ortschaft Tettenberg, in der Nähe von Otting, Bild von ILE.

Nur Gewinner beim neuen Öko-Getreidelager

„Das Öko-Getreidelager Mussenmühle in Tacherting ist ein echter Meilenstein für unsere Ökomodellregion“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Vorstellung dieses Projektes der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Alle Beteiligten - drei heimische Unternehmen und Bio-Pioniere, die Eigentümerfamilie Huber und an die 30 kleinbäuerliche Betriebe - profitieren von dieser Kooperation.

Sie wurde nun im Hotel Gut Edermann und bei einer Führung in der Mussenmühle näher vorgestellt. Viele dieser landwirtschaftlichen Betriebe, die Ökoackerbau nur auf kleinen Flächen betreiben oder im Nebenerwerb wirtschaften, haben keine guten Lagermöglichkeiten. So hatten sie bisher ihr Getreide sofort nach der Ernte zur Mühle gefahren oder an eine Vermarktungsgesellschaft übergeben, wobei hier kein besonders guter Preis erzielt werden konnte. „Selber ein Lager vorzuhalten wäre auch mit immensen Kosten verbunden“, ergänzt Landwirt Ludwig Braml aus Nussdorf bei Traunstein auf Anfrage der Redaktion. Zudem wäre es sehr aufwändig, mit einem Lkw die vielen kleinen Partien bei den einzelnen Landwirten einzusammeln.

„Wir sind da der Schlossbrauerei Stein sehr dankbar“, erklärte er. Die Brauerei, einer der ersten Kooperationspartner der Ökomodellregion, pachtete das leerstehende Lager in der Mühle für eine separate Lagerung von heimischem Biogetreide an. Alle Partner unter Vorleistung der Brauerei Stein und der Besitzerfamilie Huber investierten zuerst in die Sanierung der Siloanlagen und der vorhandenen Anlagen für Trocknung und Belüftung. Nun konnte die Braugerste, für die Stein den zwölf beteiligten Landwirten einen fairen Preis, in der Regel über dem Bio-Marktpreis, bezahlt, getrocknet, belüftet, umgewälzt, gelagert und zum Mälzen gebündelt werden.

2017 gelang es der Brauerei, mit Unterstützung ihres Technik-Experten Ulli Probst, in Pappenheim im Altmühltal eine passende Reinigungsmaschine zu erwerben und einzubauen. Zwei über 80-jährige Männer, die einst in Pappenheim für Projektleitung und Montage zuständig waren, unterstützten Probst beim professionellen Einbau der Anlage der Gebrüder Schmidt. Sie funktionierte vom ersten Tag an. Wie der Steiner Braumeister Markus Milkreiter erläuterte, können nun in mehreren Reinigungsschritten Kleingetreide und Leindotter vom Getreide getrennt werden. Seither kann neben Biodinkel auch Biohafer eingelagert werden, dessen Lagerung aufwändiger ist.


Technik-Experte Ulli Probst präsentiert die neueste Errungenschaft der Schlossbrauerei Stein für das Öko-Getreidelager, eine professionelle Reinigung, Bild von Veronika Mergenthal.

Um die Auslastung des Lagers zu erhöhen, wurde der Knuspermüsli-Hersteller Barnhouse aus Mühldorf mit ins Boot genommen. Die Bayerin Sina Nagl hatte mit dem Engländer Neil Reen nach der Gründung 1979 die ersten fünf Münchner Bioläden beliefert. Inzwischen hat sie in Mühldorf  fast 00 Mitarbeiter. Die Geschäftsführerin sieht sich in der Verantwortung, zu mehr Ökolandbau und ökologischem Bewusstsein beizutragen. „Dass man das nicht zum Nulltarif kriegt, ist selbstverständlich.“ Durch Drei-Jahres-Verträge erhalten ihre Lieferanten Planungssicherheit. Der von diesen vorgeschlagene faire Preis werde nicht diskutiert, stellte Nagl klar. Beim Hafer werde die Hälfte, beim Dinkel ein Drittel des Bedarfs aus der Region gedeckt; Ziel sei langfristig 100 Prozent. Zwischen acht und zehn Bauern aus der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel bauen seit 2015 Dinkel und Hafer für Müsli an. Durch die Bündelung in der Mussenmühle kann auf einen Schlag so viel Ökogetreide angeliefert werden, wie gewünscht ist - ob 25, 50 oder noch mehr Tonnen.

„Ich finde es super, dass wir über die Ökomodellregion unser Getreide vermarkten können“, betont Andreas Remmelberger aus Burgkirchen. Da die Getreidemenge in der Region für den Müslihersteller nicht reiche, seien die Ökomodellregion Isental und die Biogenossenschaft „Tagwerk“ mit ins Boot genommen worden. „Spaß macht vor allem die Umsetzung immer neuer Ideen. So haben wir Bauern alle ein Wildbienenhotel bekommen und können mit Mehrnutzen-Feldern, einem Gemenge aus Hafer und Leindotter, dem Insektensterben entgegenwirken.“


Ein Sieb in der Reinigungsmaschine. Zunächst wird das Ökogetreide vom Kleingetreide getrennt und in einem weiteren Schritt wird aus diesem der Leindotter heraussortiert. Leindotter liefert ein sehr hochwertiges Speiseöl mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Bild von Veronika Mergenthal.

„Wir haben dort die Möglichkeit, unser Getreide optimal zu lagern“, erläutert Ludwig Braml, der dafür eine monatliche Einlagerungsgebühr zahlt. Der Nussdorfer hat vor gut zehn Jahren auf Bioland-Ackerbau umgestellt. Früher hatte er 140 Rinder, darunter 40 Milchkühe. Bereits vor 15 Jahren habe er mit der Milch auf Bio umstellen wollen, doch damals sei die Nachfrage noch nicht so groß gewesen. Da sein Hof denkmalgeschützt ist, waren zudem Umbauten nicht möglich. Und aussiedeln wollte Braml nicht, „weil sowieso genug Milch und Fleisch am Markt ist“. Er baut nun auf seinen Feldern in der von den Vorfahren überlieferten Fruchtfolge unter anderem Ackerbohnen und Futtergetreide an – und seit zwei Jahren auch jeweils acht Hektar Dinkel und Hafer für Müsli.

Der dritte Partner für eine verbesserte Wertschöpfung im Ökoackerbau ist Byodo in Mühldorf, für den fünf bis neun Landwirte bereits Biosenf anbauen, darunter Sepp Probst aus Chieming. Er erntete im vierten Jahr etwa zwei Tonnen Senf, den er wegen der Anfälligkeit für Schädlinge zusammen mit Erbsen kultiviert. Darüber hinaus baut er Leindotter und Öllein für eine Ölmühle und alte Sorten wie Laufener Landweizen, Emmer und Einkorn - „meine Leidenschaft“ - für eine Chieminger Bäckerei an.

Auch die Besitzerfamilie, ein junges Ehepaar mit vier Buben, ist begeistert. Burgi Huber übernahm die Mühle vor zehn Jahren von ihrem Vater und führt sie in der 8. Generation. „Das Projekt ist spannend. Aber es funktioniert. So ein Biolagerhaus ist einmalig“, stellt ihr Mann Markus Wallner-Huber stolz fest.

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Trostberger Tagblatt vom 24.04.2018).

Eingangsbild: Braumeister Markus Milkreiter (li.) von der Schlossbrauerei Stein bei der Führung im Öko-Getreidelager. Rechts neben ihm Barnhouse-Geschäftsführerin Sina Nagl und ganz rechts von vorn Eigentümerin Burgi Huber und Brauerei-Geschäftsführer Stefan Haunberger, Bild von Veronika Mergenthal.

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