Schmackhafte Gemüsesuppe aus 20 Sorten

Dass es in der Nähe von Otting eine Gärtnerei mit über 50 Gemüsesorten gibt – das hat ein Dutzend Kinder im Rahmen des Waginger Ferienprogramms ebenso gelernt wie die Zubereitung einer schmackhaften Gemüsesuppe. Mit Begeisterung und erstaunlichem Durchhaltevermögen waren die jungen „Gärtner“ bei der Sache, als es darum ging, auf der 1,5 Hektar großen Fläche bei Tettenberg an die 20 Sorten Gemüse zu finden und einzusammeln, die notwendig waren, um daraus die Suppe zuzubereiten.

Dieser Tag in der Gärtnerei war ein Angebot der Ökomodellregion Waginger See/ Rupertiwinkel. Die Kinder hatten sich in Oberstefling getroffen und waren unter Leitung von Bärbel Forster vom Arbeitskreis Ernährung der Ökomodellregion durch ein kleines Waldstück zu dem Feld in Tettenberg hochgewandert. Dort wurden sie von der Biogärtnerin Kristine Rühl begrüßt und danach in drei Gruppen aufgeteilt. Unter Führung von ortskundigen Mitarbeitern wurde dann zur „Expedition“ durch den vielfältigen Gemüsegarten aufgebrochen. Es war gar nicht so einfach, all die Früchte zu finden, die für die Suppe notwendig waren.

Mit einem Lageplan und einer Rezeptliste ausgestattet, hatten die Kinder nach rund eineinhalb Stunden Wanderns, Suchens und Pflückens dann alles beisammen, was für die Suppe und für die Nachspeise notwendig war – unter anderem Kartoffeln, Karotten, Sellerie, Lauch, Kohlrabi, Fenchel, Zucchini, Gurken, Broccoli, Rote Bete, Mangold, Paprika, Auberginen, Tomaten, Wassermelonen und Physalis sowie einige Kräuter.

Ein besonderes Abenteuer war das Ausstechen der Kartoffeln: Nach dem mühsamen Graben in der feuchten, schweren Erde lagen dann plötzlich zahlreiche dicke Kartoffeln zum Aufheben bereit. Nach dem Ernten kam der zweite Akt: Alles musste gewaschen und dann kleingeschnippelt werden, ehe die ganzen Zutaten über offenem Feuer in zwei an einem Dreibein aufgehängten Töpfen gekocht wurden.


Die großen Kohlrabi waren für die Kinder leicht zu identifizieren, Bild von Hans Eder.

Und dann kam die Belohnung der ganzen Mühe. Die Suppe war fertig gekocht – und ganz ohne weitere Würze, vom Salz mal abgesehen, schmeckte sie allen wunderbar. Fast jeder der kleinen Teilnehmer nahm sich noch einen Nachschlag. Und zur Nachspeise gabs dann die Melonen und die leckeren Physalis-Früchte.


Alle Kinder waren eifrigst bei der Sache, als es galt, das Gemüse klein zu schnippeln. Anschließend wurde an dieser rustikalen Strohtafel mit großem Appetit gegessen, Bild von Hans Eder.

Zwischendurch ließ Gruppenleiterin Bärbel Forster die Kinder per Blindverkostung einige Gemüsesorten erraten. Die drei eingeplanten Stunden vergingen wie im Flug. Die Kinder dankten Kristine Rühl und ihren Mitarbeitern mit einem kräftigen Applaus, Bärbel Forster lobte sie für ihren Fleiß.

Eingangsbild: An die 20 Gemüsesorten mussten auf dem Feld bei Tettenberg von den Kindern geerntet werden, ehe alle Zutaten für eine kräftige Gemüsesuppe beisammen waren. 4. von links Organisatorin Bärbel Forster, Arbeitsgruppe Ernährungsbildung, Bild von Hans Eder. 

Ein Bericht von Hans Eder (Südostbayerische Rundschau vom 12.09.2018).

Vierter Regionaltag - gemeinsamer Stand der Regionalinitiativen

Auch 2018 fand im Juli der schon fast „traditionelle" Regionaltag des Landkreises Traunstein statt. Bei schönem Ausflugswetter mit angenehmen Temperaturen kamen viele Interessierte in den Hof des Landratsamts Traunstein, um sich an den Verkaufs- und Infoständen über die Spezialitäten aus unserer Region zu informieren und natürlich die vielfältigen Köstlichkeiten zu probieren. Zahlreiche Direktvermarkter aus dem Landkreis waren gekommen und nutzten die Gelegenheit, sich mit ihren regionalen Produkten einen Tag lang vorzustellen und für sich zu werben.


Der Verkaufsstand der Ökomodellregion (links) sowie der gemeinsame Infostand der Integrierten Ländlichen Entwicklung und Ökomodellregion mit der Solidarischen Landwirtschaft von Demeter Bauerin Kristine Rühl (rechts), Bild von ILE.

Dieser vierte Regionaltag stand unter dem Schwerpunktthema „Getreide". Am Stand der Ökomodellregion konnten die Besucher bei einem Getreide-Ratespiel ihre Kenntnisse über die verschiedenen Getreidesorten und Ur-Getreidesorten unter Beweis stellen. Außerdem gab es das Granola-Bio-Müsli mit Biodinkel und –hafer aus der Ökomodellregion vom Müslihersteller Barnhouse aus Mühldorf zum Probieren und die verschiedenen Ur-Getreidesorten wie Einkorn, Dinkel, Roggen, Leinsamen und Buchweizen des Demeter Bauern Franz Obermeyer aus Tengling standen zum Verkauf.  


Der Stand der Ökomodellregion mit Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl. Hier gab es unter anderem die Ur-Getreidesorten des Demeter Bauern Franz Obermeyer zum Verkauf, Bild von ILE.

Am gemeinsamen Stand (vgl. Eingangsbild) der Integrierten Ländlichen Entwicklung und der Ökomodellregion, die an diesem Stand von Karoline Widur vertreten war, gab es viel Infomaterial zu verschiedenen ILE Projekten sowie zum gemeinschaftlich getragenen Gemüsebau-Projekt der „Solidarischen Landwirtschaft“ (SoLaWi). Karoline Widur ist die Nichte der Demeter-Landwirtin Kristine Rühl. Gemeinsam betreiben sie auf einer 1,3 Hektar großen Anbaufläche die Solidarische Landwirtschaft" in der Ortschaft Tettenberg in der Nähe von Otting. Außerdem gab es an diesem Stand Informationen zur Bio-Genuss-Kiste von Ernährungsberaterin Yvonne Liebl aus Waging. Der gemeinsame Stand, an dem sich viele Besucher informierten, macht deutlich, dass die verschiedenen Initiativen gut bei gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten, sich gegenseitig ergänzen und unterstützen.


Der Stand der Lokalen Aktionsgruppen LEADER im Landkreis Traunstein, hier war auch die LAG Traun-Alz-Salzach vertreten, Bild von ILE.

Die Lokalen Aktionsgruppen LEADER im Landkreis Traunstein hatten dieses Jahr einen gemeinsamen Informationsstand. Hier war auch die Leader LAG Traun-Alz-Salzach - eine der Regionalinitiativen Waginger See - Rupertiwinkel - mit neu gestalteten Roll-ups vertreten.

Ein Bericht von ILE.

Eingangsbild: Der gemeinsame Stand der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) mit Umsetzungsbegleiterin Alexandra Huber und der Ökomodellregion, die an diesem Stand von Karoline Widur vertreten war. Karoline Widur ist die Nichte der Demeter-Landwirtin Kristine Rühl. Gemeinsam betreiben sie die „Solidarische Landwirtschaft“ in der Ortschaft Tettenberg, in der Nähe von Otting, Bild von ILE.

Nur Gewinner beim neuen Öko-Getreidelager

„Das Öko-Getreidelager Mussenmühle in Tacherting ist ein echter Meilenstein für unsere Ökomodellregion“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Vorstellung dieses Projektes der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Alle Beteiligten - drei heimische Unternehmen und Bio-Pioniere, die Eigentümerfamilie Huber und an die 30 kleinbäuerliche Betriebe - profitieren von dieser Kooperation.

Sie wurde nun im Hotel Gut Edermann und bei einer Führung in der Mussenmühle näher vorgestellt. Viele dieser landwirtschaftlichen Betriebe, die Ökoackerbau nur auf kleinen Flächen betreiben oder im Nebenerwerb wirtschaften, haben keine guten Lagermöglichkeiten. So hatten sie bisher ihr Getreide sofort nach der Ernte zur Mühle gefahren oder an eine Vermarktungsgesellschaft übergeben, wobei hier kein besonders guter Preis erzielt werden konnte. „Selber ein Lager vorzuhalten wäre auch mit immensen Kosten verbunden“, ergänzt Landwirt Ludwig Braml aus Nussdorf bei Traunstein auf Anfrage der Redaktion. Zudem wäre es sehr aufwändig, mit einem Lkw die vielen kleinen Partien bei den einzelnen Landwirten einzusammeln.

„Wir sind da der Schlossbrauerei Stein sehr dankbar“, erklärte er. Die Brauerei, einer der ersten Kooperationspartner der Ökomodellregion, pachtete das leerstehende Lager in der Mühle für eine separate Lagerung von heimischem Biogetreide an. Alle Partner unter Vorleistung der Brauerei Stein und der Besitzerfamilie Huber investierten zuerst in die Sanierung der Siloanlagen und der vorhandenen Anlagen für Trocknung und Belüftung. Nun konnte die Braugerste, für die Stein den zwölf beteiligten Landwirten einen fairen Preis, in der Regel über dem Bio-Marktpreis, bezahlt, getrocknet, belüftet, umgewälzt, gelagert und zum Mälzen gebündelt werden.

2017 gelang es der Brauerei, mit Unterstützung ihres Technik-Experten Ulli Probst, in Pappenheim im Altmühltal eine passende Reinigungsmaschine zu erwerben und einzubauen. Zwei über 80-jährige Männer, die einst in Pappenheim für Projektleitung und Montage zuständig waren, unterstützten Probst beim professionellen Einbau der Anlage der Gebrüder Schmidt. Sie funktionierte vom ersten Tag an. Wie der Steiner Braumeister Markus Milkreiter erläuterte, können nun in mehreren Reinigungsschritten Kleingetreide und Leindotter vom Getreide getrennt werden. Seither kann neben Biodinkel auch Biohafer eingelagert werden, dessen Lagerung aufwändiger ist.


Technik-Experte Ulli Probst präsentiert die neueste Errungenschaft der Schlossbrauerei Stein für das Öko-Getreidelager, eine professionelle Reinigung, Bild von Veronika Mergenthal.

Um die Auslastung des Lagers zu erhöhen, wurde der Knuspermüsli-Hersteller Barnhouse aus Mühldorf mit ins Boot genommen. Die Bayerin Sina Nagl hatte mit dem Engländer Neil Reen nach der Gründung 1979 die ersten fünf Münchner Bioläden beliefert. Inzwischen hat sie in Mühldorf  fast 00 Mitarbeiter. Die Geschäftsführerin sieht sich in der Verantwortung, zu mehr Ökolandbau und ökologischem Bewusstsein beizutragen. „Dass man das nicht zum Nulltarif kriegt, ist selbstverständlich.“ Durch Drei-Jahres-Verträge erhalten ihre Lieferanten Planungssicherheit. Der von diesen vorgeschlagene faire Preis werde nicht diskutiert, stellte Nagl klar. Beim Hafer werde die Hälfte, beim Dinkel ein Drittel des Bedarfs aus der Region gedeckt; Ziel sei langfristig 100 Prozent. Zwischen acht und zehn Bauern aus der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel bauen seit 2015 Dinkel und Hafer für Müsli an. Durch die Bündelung in der Mussenmühle kann auf einen Schlag so viel Ökogetreide angeliefert werden, wie gewünscht ist - ob 25, 50 oder noch mehr Tonnen.

„Ich finde es super, dass wir über die Ökomodellregion unser Getreide vermarkten können“, betont Andreas Remmelberger aus Burgkirchen. Da die Getreidemenge in der Region für den Müslihersteller nicht reiche, seien die Ökomodellregion Isental und die Biogenossenschaft „Tagwerk“ mit ins Boot genommen worden. „Spaß macht vor allem die Umsetzung immer neuer Ideen. So haben wir Bauern alle ein Wildbienenhotel bekommen und können mit Mehrnutzen-Feldern, einem Gemenge aus Hafer und Leindotter, dem Insektensterben entgegenwirken.“


Ein Sieb in der Reinigungsmaschine. Zunächst wird das Ökogetreide vom Kleingetreide getrennt und in einem weiteren Schritt wird aus diesem der Leindotter heraussortiert. Leindotter liefert ein sehr hochwertiges Speiseöl mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Bild von Veronika Mergenthal.

„Wir haben dort die Möglichkeit, unser Getreide optimal zu lagern“, erläutert Ludwig Braml, der dafür eine monatliche Einlagerungsgebühr zahlt. Der Nussdorfer hat vor gut zehn Jahren auf Bioland-Ackerbau umgestellt. Früher hatte er 140 Rinder, darunter 40 Milchkühe. Bereits vor 15 Jahren habe er mit der Milch auf Bio umstellen wollen, doch damals sei die Nachfrage noch nicht so groß gewesen. Da sein Hof denkmalgeschützt ist, waren zudem Umbauten nicht möglich. Und aussiedeln wollte Braml nicht, „weil sowieso genug Milch und Fleisch am Markt ist“. Er baut nun auf seinen Feldern in der von den Vorfahren überlieferten Fruchtfolge unter anderem Ackerbohnen und Futtergetreide an – und seit zwei Jahren auch jeweils acht Hektar Dinkel und Hafer für Müsli.

Der dritte Partner für eine verbesserte Wertschöpfung im Ökoackerbau ist Byodo in Mühldorf, für den fünf bis neun Landwirte bereits Biosenf anbauen, darunter Sepp Probst aus Chieming. Er erntete im vierten Jahr etwa zwei Tonnen Senf, den er wegen der Anfälligkeit für Schädlinge zusammen mit Erbsen kultiviert. Darüber hinaus baut er Leindotter und Öllein für eine Ölmühle und alte Sorten wie Laufener Landweizen, Emmer und Einkorn - „meine Leidenschaft“ - für eine Chieminger Bäckerei an.

Auch die Besitzerfamilie, ein junges Ehepaar mit vier Buben, ist begeistert. Burgi Huber übernahm die Mühle vor zehn Jahren von ihrem Vater und führt sie in der 8. Generation. „Das Projekt ist spannend. Aber es funktioniert. So ein Biolagerhaus ist einmalig“, stellt ihr Mann Markus Wallner-Huber stolz fest.

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Trostberger Tagblatt vom 24.04.2018).

Eingangsbild: Braumeister Markus Milkreiter (li.) von der Schlossbrauerei Stein bei der Führung im Öko-Getreidelager. Rechts neben ihm Barnhouse-Geschäftsführerin Sina Nagl und ganz rechts von vorn Eigentümerin Burgi Huber und Brauerei-Geschäftsführer Stefan Haunberger, Bild von Veronika Mergenthal.

Echter Zugewinn für Direktvermarkter

Der Städtische Schlachthof Laufen wurde biozertifiziert – ein Meilenstein für die heimischen Erzeuger von Biofleisch. Nach Überreichung der Betriebsgenehmigung des Umwelt- und Verbraucherschutz-Ministeriums durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Teisendorf steht dem Bio-Zerlegebetrieb in Laufen nichts mehr im Wege.

„Beeindruckend ist die Schnelligkeit, mit der Sie dieses Vorhaben umgesetzt haben“, sagte die Ministerin bei der Präsentation des Ökomodellregions-Projekts im Hotel Gut Edermann. Schließlich sei Laufen erst Anfang 2017 als zehnte Gemeinde der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel beigetreten.

Kaniber nannte den biozertifizierten Zerlegebetrieb einen „echten Zugewinn für die direktvermarktenden Landwirte“. Eng kooperierten die Stadt, das Schlachthofteam, die Erzeugergemeinschaft (EG) Schlachtvieh Traunstein und die Modellregion bei der Vorbereitung. Die EG unter Vorsitz von Hans Grabner wirkte aktiv am Prozess mit und investierte mit in die notwendigen Maßnahmen. Ökomodellregions-Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl hob auch die Unterstützung durch den früheren EG-Geschäftsführer Bernhard Reiter hervor. Neben den fünf in Laufen beteiligten Metzgern, die den Schlachthof bereits nutzen, kann damit auch die Erzeugergemeinschaft Tiere in überschaubarer Stückzahl biozertifiziert schlachten und zerlegen, genau wie jeder Landwirt aus der Region, der in eine direkte Vermarktung von Biorindfleisch einsteigen möchte. „Aufgabe der Ökomodellregion war und ist es, die beteiligten Partner zusammen zu bringen“, erläuterte Berger-Stöckl gegenüber der Heimatzeitung.

Zur Sicherung der Zukunft ihres Schlachthofs habe die Stadt 2009 bereits 190.000 Euro investiert, erklärte Laufens Bürgermeister Hans Feil. „Ziel war, diesen mit der Biozertifizierung breiter aufzustellen.“ Mit der EG habe man einen „super Partner gefunden“. Warum dieser Zusammenschluss von über 4000 Landwirten nach dem Kauf des Schlachthofs Traunstein in das Laufener Projekt investierte, erklärte Grabner mit der verstärkten Nachfrage der Verbraucher nach Biofleisch. Das Schlachthof-Team sei ein unkomplizierter Partner gewesen. Laut Schlachthofleiter Thomas Streitwieser wurde der Umbau kostengünstig mit eigenem Personal bewerkstelligt.

Auch die Biometzger freuen sich über die neuen Chancen, wie Otto Wittschek aus Niederheining. „Ich und mein Sohn sind beide Biometzger“, erzählte er stolz. Daneben hat er einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb. Er schlachtet für bäuerliche Direktvermarkter wie Familie Beer in Weng bei Ainring und Familie Lecker in Niederheining. Damit schließt sich der Kreis zur biozertifizierten Gastronomie (s. eigener Bericht). Biofleisch kann über beteiligte Metzger oder die EG Schlachtvieh künftig direkt aus der Region bezogen werden. Berger-Stöckls Fazit: „Aufgabe ist es jetzt, den Absatz so anzukurbeln und zu stärken, dass diese Möglichkeit, soweit es die Kapazität des kleinen Schlachthofs erlaubt, intensiv genutzt wird.“

Solche Kooperationen seien „gelebter Umwelt- und Heimatschutz“, befand der Traunsteiner Landrat Sigi Walch (CSU). Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl lobte die Förderung von früher selbstverständlichen Einrichtungen wie kleine, dezentrale Schlachthöfe.

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Südostbayerische Rundschau vom 25.04.2018).

Eingangsbild: Erleichtert über die Betriebsgenehmigung: Laufens Bürgermeister Hans Feil (ganz li.), hier mit (v.li.) Biometzger Otto Wittschek, Schlachthofmeister Anderl Schmid, Ministerin Michaela Kaniber, Schlachthofleiter Thomas Streitwieser, Biometzger Christian Sichert, Rathaus-Geschäftsleiter Christian Reiter und Hans Grabner von der EG Schlachtvieh, Bild von Veronika Mergenthal.

Regionale Bioprodukte auf die Teller - „Biowirtenetzwerk“ vorgestellt

„Für uns als kleine Nebenerwerbler ist diese Ökomodellregion eine wunderbare Erfolgsgeschichte“, sagte der Landwirt Hans Koch aus Holzhausen bei Teisendorf. Viele kleine Biodirektvermarkter wie Koch stellen nur ein einzelnes Produkt her, wie Biokalbfleisch – im Falle von Koch – oder Biosonnenblumenöl. Der Zukunft dieser Höfe dient das neu geschaffene „Biowirtenetzwerk“ der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Es wurde nun im Hotel Gut Edermann öffentlich vorgestellt.

„Bio ist spitze, aber es muss regional sein“, befand als Ehrengast Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sie begrüßte, dass die Salzachklinik in Fridolfing seit 2015, nach Abschluss des Coachings „BioRegio“ ihres Hauses für die Ökomodellregion mit einem Biokoch, einen klar definierten Anteil an regionalen Bioprodukten verwendet, nämlich 20 Prozent.

„Gerade die selbst erzeugten, absolut naturnahen Produkte haben einen besonderen Reiz für die Region und tragen zum Erhalt kleiner Höfe bei. Immer wichtiger wird in der Vermarktung die Außer-Haus-Verpflegung und die Gastronomie“, so Ökomodellregions-Koordinatorin Marlene Berger-Stöckl.

Für die Gastronomie seien die Möglichkeiten einer Biozertifizierung inzwischen flexibler geworden: Jeder Wirt, der Interesse hat, einen Teil seines Aufwands in Bio zu tätigen und ohne Aufwand auf der Speisekarte sichtbar zu machen, könne daran teilnehmen. Das bedeute nicht, dass nur noch Bioprodukte verwendet werden dürfen.  „Der Anteil darf ruhig anfangs klein sein. Wichtig ist es, den Umgang mit der Biozertifizierung und mit dem regionalen Einkauf einzuüben und den Anteil später zu steigern“, erklärte Berger-Stöckl gegenüber der Heimatzeitung.

In der Ökomodellregion haben sich Ende 2017 bis Anfang 2018 mehrere Gastwirte und Hoteliers sowie ein Catering-Service zusammengefunden und biozertifizieren lassen: das Hotel Gut Edermann aus Holzhausen bei Teisendorf, mehrere Betriebe aus Waging wie das Hotel Eichenhof, das Strandkurhaus und Yvonne Liebl, die auch für die „Biogenusskiste“ der Ökomodellregion verantwortlich zeichnet, und das für seine Regionalität bekannte Hotel Rehlegg aus der Ramsau. Sie bekennen sich damit zu einem regionalen Bio-Anteil in ihrer Küche. Erzeuger wie zum Beispiel der Geflügelhof Kettenberger aus Tittmoning können anders planen, wenn sie rechtzeitig wissen, wie viele Küken aufzustellen sind, weil durchgehend ein entsprechender Absatz da ist. Dieses Netzwerk kommt auch Landwirten wie Hans Koch zugute: Er konnte im Vorjahr seine gesamte Jahresproduktion, 17 Kälber, in der Region vermarkten. Sein Kalbfleisch kommt unter anderem im direkt benachbarten Wellnesshotel auf den Tisch.

„Marlene Berger-Stöckl hat bei mir nicht locker gelassen“, berichtete der dortige Geschäftsführer Michael Stöberl. Von ihr und der Zertifizierungsstelle „ÖkoP“, die er mit seinem Küchenchef Ronny Völkel aufsuchte, habe er große Unterstützung bekommen. „Diesen Weg zur Biozertifizierung haben wir uns viel schwieriger vorgestellt“, so Stöberl. Er machte anderen Gastronomen Mut: „Man muss davor keine Angst haben.“ Das Hotel, das vor sechs Monaten innerhalb einer Woche seine Biozertifizierung erhalten habe, müsse nun lediglich den Fluss der Waren, die möglichst frisch sein sollten, dokumentieren.

„Die Hotelgäste fragen immer mehr nach Bio“, erklärte Stöberl. Auch vorher habe man schon Biolebensmittel verwendet. Inzwischen seien 30 bis 40 Komponenten beim Frühstücksbuffet Bio – etwa ein Drittel der Waren –, und auf der Speisekarte stünden drei bis vier Gerichte mit Bio-Anteil. Es gibt viele Gründe, warum Gäste auf der Speisekarte Bio wählen: Der Verzicht auf Pestizide und mineralische Dünger leistet einen wichtigen Beitrag zur Sauberhaltung der Gewässer wie Waginger See und Abtsee und damit auch des Trinkwassers. Eine vielfältige Landschaft, der Artenschutz und mehr Tierwohl werden unterstützt.

Auch den Weg der Ökomodellregion zur  Genussregion treibt das Biogastronetzwerk voran, weshalb sich auch die Vertreter der großen Tourismusverbände BGLT und Chiemgau-Tourismus in Holzhausen eingefunden hatten. Erste Besonderheiten sind die „Waginger See Hoibe“, das erste Biobier mit heimischer Braugerste,  sowie der „Waginger See Kas“, der von diversen Biokäsereien der Ökomodellregionen stammt. Regionale Biokochkurse oder Biogenussradltouren eröffnen dem Tourismus weitere Perspektiven. Hilfreich für die Biogastronomen ist auch die zeitgleiche Biozertifizierung des Schlachthofs Laufen (siehe eigener Bericht auf der Laufener Seite).      

Ein Bericht von Veronika Mergenthal (Südostbayerische Rundschau vom 24.04.2018).  

Eingangsbild: Stolz auf das neue Biowirtenetzwerk (v.li.): Eva Gruber, Leiterin der Tourist-Info Waging, Michael Stöberl vom Hotel Gut Edermann, Alfons Leitenbacher, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein; Landwirt Hans Koch und Klaus Lebek, Hotel Eichenhof in Waging, Bild von Veronika Mergenthal.

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