Erfolgsmodell wird fortgesetzt

Marktgemeinde Waging gehört weitere drei Jahre zur Ökomodellregion

Ein Artikel von Monika Konnert, erschienen am 31.01.2019 in der Südostbayerischen Rundschau
Foto: Monika Konnert.

Waging am See: Waging wird weitere drei Jahre der Ökomodellregion (ÖMR) Waginger See-Rupertiwinkel angehören. Der Gemeinderat hat sich in seiner letzten Sitzung mit einer Gegenstimme dafür ausgesprochen und das Finanzierungskonzept abgesegnet.  Demnach beträgt der Finanzierungsanteil der Marktgemeinde 10.198 Euro in diesem Jahr, 11.586 Euro in 2020 und 12.639 Euro in 2021. Über eine Fortsetzung des Projektes über diesen Zeitraum hinaus soll zu gegebener Zeit entschieden werden.

Als das Projekt „Ökomodellregionen“ (ÖMR) 2014, gefördert durch das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, startete, war eine staatliche Subventionierung als Starthilfe bis 2019 vorgesehen. Ab dann sollte das Projektmanagement aus Mitteln der Gemeindeverbünde selbst finanziert werden, wenn eine Fortführung der Arbeit gewünscht wird. Der Kernauftrag der geförderten zwölf Ökomodellregionen in  Bayern war, den Anteil der Bio-Betriebe deutlich zu erhöhen. Diesen Auftrag hat die ÖMR Waginger See-Ruperti-winkel vorbildlich erfüllt. Die Zahl der Ökobetriebe in der Region ist zum Beispiel von rund sieben auf knapp 12 Prozent gestiegen.  Aufgrund der überaus erfolgreichen und wertvollen Arbeit, durch die viele wichtige Prozesse angestoßen wurden, hat das Staatsministerium eine letztmalige Verlängerung der Förderung um drei Jahre angeboten, um den Gemeinden den Übergang zur Eigenfinanzierung zu erleichtern. Dabei wird der Fördersatz jährlich degressiv abgesenkt, von 60 Prozent im ersten auf 20 Prozent im dritten Jahr. Um in den Genuss dieser Förderung zu kommen, muss die Finanzierung in den beteiligten 10 Mitgliedsgemeinden für die kommenden drei Jahre gesichert sein. Gemeinderat Andreas Barmbichler plädierte für den Verbleib in den nächsten drei Jahren, aber auch darüber hinaus und verwies auf den gewaltigen Zuwachs in der Vermarktung von Bio-Landwirtschaftsprodukten. Wichtig sei auch die durch den ÖMR-Verbund erreichte Vernetzung der Bio-Produzenten in der Region. Letztendlich sei die ökologische Bewirtschaftung auch ein Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität der Seen. Auch Rat Georg Huber sah die Verlängerung positiv und betonte die Vielschichtigkeit des Projektes. Er lobte das große Engagement des Management-Personals, dem es vorbildlich gelinge, viele unterschiedliche Akteure zusammenzubringen und zu vernetzen. Gegen einen Verbleib sprach sich Gemeinderat Josef Egger aus, der die Notwendigkeit einer solchen Initiative bezweifelte. Auch konventionelle Landwirte würden schonend und nachhaltig mit der Natur umgehen.

Mit seinem Entschluss, für die nächsten drei Jahre dabei zu bleiben, schließt sich Waging dem überwiegenden Teil der zehn Ökomodellgemeinden in der Region an, die ebenfalls für den Verbleib in der verlängerten Förderperiode gestimmt haben.  - kon

Taching bestätigt den Verbleib in der Öko-Modellregion

Verlängerung gilt bis Anfang 2022 – Beschluss des Gemeinderates bei zwei Gegenstimmen

Ein Bericht von Anneliese Caruso, erschienen in der Südostbayerischen Rundschau vom 04.02.2019

Taching am See. Trotz der kritischen Stimmen einiger Gemeinderäte verständigte sich das Ratsgremium in seiner jüngsten Sitzung darauf, dass die Gemeinde Taching am See drei weitere Jahre Teil der Öko-Modellregion Waginger See - Rupertiwinkel bleibt. Die Verlängerung gilt für die Jahre 2019 bis Anfang des Jahres 2022. Solange ist auch die Finanzierung durch den Freistaat Bayern gesichert. Der Freistaat hat in dieser Modellregion die Personal- und Arbeitsplatzkosten bislang bis zu 75 Prozent getragen.

Die Förderung ab dem kommenden Mai verläuft hingegen degressiv und sinkt jährlich von 60 Prozent im ersten, auf 40 Prozent im zweiten und 20 Prozent im dritten Jahr. Für 2019 muss die Seengemeinde rund 3.700 Euro, im Jahr darauf 4.100 Euro und dann 4.400 Euro dafür aufwenden. Die überschaubare Steigerung liegt daran, dass sowohl die Arbeitszeit der Projektmanagerin als auch die der Teilzeitbeschäftigten bis Ende des Förderzeitraums etwas sinkt. „Über eine über das Jahr 2022 hinausgehende Projektlaufzeit wird zu gegebener Zeit entschieden“, sagte Bürgermeisterin Ursula Haas. Dieser Beschluss wurde mehrheitlich und mit den Gegenstimmen von Markus Poschner und Johann Steiner gefasst. Die überwiegende Mehrheit zeigte sich  überzeugt von den Vorteilen, die sich durch den Verbleib in der staatlich anerkannten Öko-Modellregion ergeben.

Dargestellt wurde das bisher Erreichte von Bürgermeisterin Haas. Sie betonte, dass die Öko-Modellregionen vom Landwirtschaftsministerium gewollt sind. Deren Kernauftrag laute, die Zahl der Bio-Betriebe deutlich zu erhöhen. „Als Öko-Modellregion ist es daher nur allzu verständlich, dass sie dieses Ziel mit verschiedenen Projekten auch erreichen möchte.“ Zu keinem Zeitpunkt habe dieser Verbund Schwarz-Weiß-Malerei betrieben oder konventionelle Landwirte negativ beurteilt. „Im Gegenteil, zu jeder Zeit sind Konventionelle in die Projektarbeit miteinbezogen, informiert und auch zu den Veranstaltungen eingeladen worden.“ Die Öko-Modellregion habe stets die klare Haltung eingenommen: „Keiner muss – jeder kann“. Letztlich gehe es um den Erhalt landwirtschaftlicher Betriebe, auch von Nebenerwerbsbetrieben. Einer der möglichen Wege, dies zu erreichen, sei die Umstellung auf Bio, weil Bio über faire Preise für besonders umweltgerecht erzeugte Produkte für viele Betriebe eine Zukunftschance sei. Haas erläuterte auch, wie es überhaupt zu dieser Ökomodellregion gekommen ist, bestätigte, dass der Verbund sehr gut laufe und schon viele Projekte bei der Erzeugung und Vermarktung regionaler Bioprodukte in Angriff genommen habe, die auch gut vorankommen. An Beispielen nannte Haas unter anderem im Bereich von Biofleisch die Biozertifizierung des Schlachthofs in Laufen, der für die Biofleisch-Vermarktung zunehmend Bedeutung gewinne. Erfolgreich begonnen worden sei auch der Aufbau der Dachmarke „Waginger See-Kas“. Künftig werde der Absatz von Biokäse noch mehr gestärkt. Mit dem Anbau von Biobraugerste sei es zu einer erfolgreichen Kooperation
mit der Brauerei Stein gekommen, die nicht nur faire Preise bezahle und händeringend weitere Biogerste- Anbauer suche, sondern auch mit der Waginger See-Hoibe das erste heimische Biobier auf den Markt gebracht habe. Zwischenzeitlich gebe es auch Kontakte zu anderen Brauereien, die Biobiere aus dem Laufener Landweizen brauen möchten.

Laut Haas werden auch die Bürger und Gemeinden in der  Öko-Modellregion auf vielfältige Weise mit einbezogen. So gibt es beispielsweise rund um die Ernährungsbildung ein Netzwerk aus Bio-Wirten, deren Betriebe entsprechend zertifiziert sind. „Es gibt Kochkurse mit saisonalen Bioprodukten, eine Biogenusskiste vom Waginger See, ein Bioflascherlbrot aus Laufener Landweizen, eine Genussmanufaktur, die Biofertiggerichte aus regionalem Urgetreide und regionale Öle verarbeitet, und vieles mehr.“ Zu den weiteren Themenfeldern zählen touristische Maßnahmen, die die Besonderheiten der Region vermarkten, das ökologische Pflegekonzept für kommunale Grünflächen, den Arbeitskreis Eiweißfutter, mit dem der Import von Soja durch heimisches Eiweißfutter ersetzt werden solle, und die verschiedenen Veranstaltungen mit dem AELF Traunstein, die letztlich dem Schutz der Gewässer dienen. „Wie sich unschwer erkennen lässt, bleibt auch ein konventionell arbeitender Landwirt nicht auf der Strecke.“ Die Öko-Modellregion betreibe intensive Öffentlichkeitsarbeit, die sowohl die Bürgerbeteiligung als auch die verschiedenen Arbeitsgruppen und Partner wie LVÖ, BBV und AELF Traunstein, LPV, BN, Tourismusverbände, Partnerinitiativen und die Mitgliedsgemeinden selbst umfasse. „Diese intensive Form ist nur möglich, weil wir bei unseren Projekten thematisch breit gefächert sind.“

Seit Projektbeginn 2013 sei die Zahl der Ökobetriebe in der Region von rund sieben auf etwa zwölf Prozent gestiegen. Es handle sich bei der Öko-Modellregion um ein wirklich gutes Angebot, das Taching erneut annehmen solle. Zudem stehe mit Marlene Berger- Stöckl eine überaus engagierte Projektmanagerin an deren Spitze, die ihren Job mit großer Kompetenz und Leidenschaft betreibe. 2019 wäre die Förderung des Projektmanagements ausgelaufen, aber die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, hat es nochmals um drei Jahre verlängert, verbunden mit dem Wunsch, dass die Öko-Modellregionen anschließend über die beteiligten Gemeinden verstetigt werden sollen. Das heißt, dass dann 2022 wieder alle Mitgliedsgemeinden darüber abstimmen müssen, ob und wie es mit dem Verbund weitergehen soll.

Markus Poschner befürchtet, dass es mit dieser erneuten Verlängerung der Öko-Modellregion zu einer dauerhaft geförderten Einrichtung kommen wird. Die Argumentation, dass sie auch der Förderung des    Fremdenverkehrs diene, sei für Taching nicht sehr relevant, weil die Übernachtungszahlen seit Jahren rückläufig seien. Ratsmitglied Johann Steiner meinte, dass man in den nächsten drei Jahren unnötigerweise rund 12.000 Euro in einen Bereich stecke, der auch ohne Öko-Modellregion laufe. Die spiele keine Rolle bei der Entscheidung, ob ein Landwirt auf Bio umstellt. Das regle einzig und allein der Markt. „Wenn aber jetzt einer umstellt, findet er keine Molkerei, die seine Biomilch abnimmt.“ Außerdem benötige man für den Bio-Ackerbaubetrieb rund hundert Hektar, damit er als Vollerwerbsbetrieb wirtschaftlich geführt werden könne.

Die Gemeinde Wonneberg bleibt in der Ökomodellregion

Trotz der kritischen Stimme von Gemeinderat Josef Helminger verständigte sich das Ratsgremium in seiner jüngsten Sitzung darauf, dass die Gemeinde Wonneberg drei weitere Jahre Teil der Öko-Modellregion Waginger See-Rupertiwinkel bleibt. Die Verlängerung gilt für die Jahre 2019 bis Anfang des Jahres 2022. Solange ist auch die Finanzierung durch den Freistaat Bayern gesichert. Der Freistaat hat in dieser Modellregion die Personal- und Arbeitsplatzkosten bislang bis zu 75 Prozent getragen. Die Förderung ab dem kommenden Mai verläuft hingegen degressiv und sinkt jährlich von 60 Prozent im ersten, auf 20 Prozent im dritten Jahr. Da Wonneberg die kleinste Gemeinde im Verbund ist, ist ihr Kostenanteil auch am niedrigsten. Für 2019 muss sie 3.000 Euro, im Jahr darauf 3.387 Euro und dann 3624 Euro dafür aufwenden. Die überschaubare Steigerung liegt daran, dass die Arbeitszeit der Projektmanagerin bis Ende des Förderzeitraums etwas sinkt.

Dieser Beschluss wurde mehrheitlich und mit den Gegenstimmen von Josef Helminger und Tina Poller gefasst. Die überwiegende Mehrheit zeigte sich überzeugt von den Vorteilen, die sich durch den Verbleib in der staatlich anerkannten Öko-Modellregion ergeben.

Dargestellt wurde das bisher Erreichte von Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl. Sie betonte, dass der Kernauftrag der vom Landwirtschaftsministerium aktuell zwölf geförderten Ökomodellregionen laute, den Anteil der Bio-Betriebe deutlich zu erhöhen. Es gehe um den Erhalt landwirtschaftlicher Betriebe. Einer der möglichen Wege, dies zu erreichen, sei die Umstellung auf Bio, weil Bio über faire Preise für besonders umweltgerecht erzeugte Produkte für viele Betriebe eine Zukunftschance sei.

Bürgermeister Martin Fenninger, der zunächst erläuterte, wie es überhaupt zu dieser Ökomodellregion gekommen ist, bestätigte, dass der Verbund sehr gut laufe und schon viele Projekte in Angriff genommen habe, die auch gut vorankommen. Seit Projektbeginn 2013 sei die Zahl der Ökobetriebe in der Region von rund sieben auf etwa zwölf Prozent gestiegen. Es handle sich bei der Öko-Modellregion um ein wirklich gutes Angebot, das Wonneberg erneut annehmen solle. Zudem stehe mit Marlene Berger Stöckl eine überaus engagierte Projektmanagerin an deren Spitze, die ihren Job mit großer Kompetenz und Leidenschaft betreibe.

2019 wäre die Förderung des Projektmanagements ausgelaufen, aber die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, hat es nochmals um drei Jahre verlängert, verbunden mit dem Wunsch, die Ökomodellregionen sollten anschließend über die beteiligten Gemeinden verstetigt werden. Das heißt, dass dann 2022 wieder alle Mitgliedsgemeinden darüber abstimmen müssen, ob und wie es mit dem Verbund weitergehen soll.

Dennoch meinte Ratsmitglied Josef Helminger, dass man in den nächsten drei Jahren unnötigerweise rund 10.000 Euro in einen Bereich verschiebe, der auch ohne Öko-Modellregion laufe. Die Öko-Modellregion spiele keine Rolle bei der Entscheidung, ob ein Landwirt auf Bio umstellt. Dies regle einzig und allein der Markt. Helminger, der auch Bauernobmann im Ort sowie Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Alpenmilch eG Chiemgau und Rupertiwinkel ist, meinte, man hätte vor der heutigen Abstimmung mit den örtlichen Vertretern der Bauernschaft reden müssen. Überdies sprach Helminger Imageprobleme an, mit denen konventionell arbeitende Landwirte aufgrund der Idealisierung von Bio zu kämpfen hätten, die sich damit in die zweite Reihe gestellt fühlten.

Marlene Berger Stöckl machte jedoch deutlich, dass alle miteinander schauen müssten, wie man unerwünschte Nebenwirkungen, die die bisherige Agrarpolitik mit sich gebracht hat, gemeinsam beseitigen kann. Dabei gehe es auch um den Gewässerschutz. Auch konventionell arbeitende Betriebe könnten sehr gewässerschonend wirtschaften, aber je mehr Phosphor im Betriebskreislauf sei, desto anspruchsvoller werde die Aufgabe, Austräge zu vermeiden. „Biobetriebe tun sich da leichter, weil durch die Einsparung leicht löslicher Dünger und weiterer Faktoren die Austragsgefahr sehr gering ist“.

Sie sehe beispielsweise in der Biomilch größere Chancen, weil ein besserer Preis zu erzielen sei, und trotz größerem Biomilchaufkommen in den letzten Jahren seien die Perspektiven für neue Umsteller inzwischen wieder positiv zu bewerten.

Nach wie vor steige die Nachfrage nach Bioprodukten. „Und was wir nicht selbst produzieren, müssen wir einführen.“ So zeigte Berger Stöckl anhand eines kurzen Streifzugs durch die laufenden Modell-Projekte auf, wie weit man bei den einzelnen zu beackernden Themenfeldern, Öko-Landbau (Biofleisch, Biomilch, Biokäse und Öko-Ackerbau), bei Ernährungsbildung, beim Pflanzen von Streuobstbäumen und bei der Biozertifizierung von Streuobst sowie beim Artenschutz gekommen ist. Gerade auch der Streuobstanbau sei etwas, was auch für Konventionelle interessant sei, deren Betrieb kein Bio-Zertifikat hat.

Gut kämen auch im touristischen Bereich die Genuss-Radltouren an, die man zusammen mit der Tourist-Info noch stärker ausbauen wolle. Mit ausgelöst worden von der Ökomodellregion sei der Wettbewerb „Genussort“, bei dem unter anderem die Orte Fridolfing (Schwerpunkt regionale Spezialitäten) und Waging (Biospezialitäten aus der Öko- Modellregion) ausgezeichnet worden sind, was ihnen ein hervorragendes Renommee eingebracht habe, das nun aktiv vermarktet werde. An Projekten für alle Landwirte habe man mit dem AELF Traunstein die Tagung „Milchwirtschaft im Einklang mit der Natur“, Exkursionen zum Thema „Kleine Laufstalllösungen“ oder „naturnaher Waldbau“ angeboten. Eine wichtige Gruppierung in der Region sei die Arbeitsgruppe Eiweiß, die regelmäßig Feldbegehungen und Infoabende anbiete und von einem Fridolfinger Landwirt auf fachlich hohem Niveau geleitet werde. Zusammengefasst dürfe man wohl sagen, dass (jedes eingesparte Kilo Phosphor auch zur Verbesserung der Gewässer beitrage – das würde ich hier streichen) die Region und ihre Landwirtschaft durch die Öko-Modellregion ihr Image aufgewertet habe und bei vielen Bürgern mehr Verständnis und Interesse für die Landwirtschaft wecke.  

So sah dies auch die Mehrzahl der Gemeinderäte in Wonneberg, die sich bei zwei Gegenstimmen letztlich für den Verbleib im Verbund ausgesprochen hat. 2. Bürgermeister Peter Wolff fand passende Worte. „Hut ab, was Marlene Berger-Stöckl erreicht hat.“ Man begleite die Sache zwar kritisch, dennoch wäre es schade, dieses Markenprodukt aufzugeben.

Ein Bericht von Anneliese Caruso (Südostbayerische Rundschau vom 14.01.2019).

Modell stehen für die Bio-Zukunft

Fridolfing bleibt für weitere drei Jahre Teil der Ökomodell-Region Waginger See – Rupertiwinkel. Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung für das staatlich subventionierte Projekt ausgesprochen, das zum einen Erzeugern Wege in die ökologische Landwirtschaft aufzeigt, als Bindeglied zwischen Landwirten und regionalen Firmen fungiert und ein Bewusstsein für Bioprodukte aus der Region schaffen soll. Projektleiterin Marlene Stöckl-Berger hat vor der Abstimmung dem Gemeinderat die Fortschritte der Ökomodellregion vorgestellt.

Die Erzeugung von Bio-Produkten aus Bayern soll bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden – das hat die Bayerische Regierung als politisches Ziel vorgegeben. Damit das gelingen kann, braucht es laut Marlene Berger-Stöckl viel Aufklärungsarbeit. Den umstellungswilligen Landwirten können die Chancen, welche die Bioprodukte bieten, aufgezeigt werden, der Verbraucher müsse für höhere Preise von besonders umweltgerechten Produkten sensibilisiert und verarbeitende Betriebe überzeugt werden, damit sie noch mehr auf regionale Landwirte und Bioprodukte zurückgreifen.

Nebenbei gilt es auch, selbstgesteckte Ziele umzusetzen, wie die Wasserqualität des Waginger Sees zu steigern. Viel zu tun also. „Im Fokus steht eine faire Wertschöpfungskette heimischer Produkte. Lebensmittel, die daheim erzeugt, produziert und zu einem fairen Preis abgenommen werden“, sagte Stöckl-Berger gestern gegenüber der Heimatzeitung. Ein positiver Nebeneffekt sei der Gewässerschutz sowie die schonende und nachhaltige Landnutzung.

Dem Fridolfinger Gemeinderat präsentierte sie die bisherigen Erfolge des Projekts:  Die Salzachklinik in Fridolfing setze beispielsweise seit 2015 vermehrt auf regionale Lebensmittel und verwende zu zwanzig Prozent Bioprodukte. Weiter hob sie die Biozertifizierung des Schlachthofs in Laufen hervor, sowie das Gersten-Anbauprojekt der Brauerei Stein, das viele Landwirte aus der Region überhaupt erst wieder dazu bewogen hat, Biogerste anzubauen. Auch konnte die Zielsetzung von 1500 neuen Streuobstbäumen schon zur Hälfte erreicht werden: 750 stehen mittlerweile. Weiter wurden Arbeitsgruppen geschaffen, Infostände betreut und Vorträge organisiert.

Jährlich kostet die Ökomodellregion bis etwa 100 000 Euro. Staatlich subventioniert wurde das Projekt anfangs mit 75 Prozent der Personalkosten. Den Rest müssen die beteiligten Gemeinden aufbringen. Sukzessive sinkt die Subventionierung – von 60 auf 40, am Ende auf 20 Prozent. „Das Ziel ist, dass die Gemeinden das Projekt bald auch alleine stemmen können“, sagte Stöckl-Berger. Für Fridolfing bedeutet das, dass für dieses Jahr 6740,46 Euro fällig werden. Im nächsten Jahr sind es 7607,24 und 8264,22 Euro im Jahr 2021. Mit einer Gegenstimme von Alois Reiter jun. (CSU) wurde der Verbleib Fridolfings in der Ökomodellregion beschlossen.

Das Projekt

Im Herbst 2013 hat sich die Arbeitsgemeinschaft Waginger See – Rupertiwinkel um eine staatliche Anerkennung als Ökomodellregion beworben – mit Erfolg. Sie  ist damit ein subventionierter  Schulterschluss von zehn Gemeinden rund um den Waginger See (Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Tittmoning, Waging am See, Wonneberg, Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen). Durch gezielte Vernetzung aller Beteiligten,  Arbeitsgruppen und  aktive Beratung sollen biologische Produktion und regionale Weitervermarktung entwickelt und umgesetzt  werden. Auch die Themen  Gewässerschutz und schonende Landnutzung spielen darin eine Rolle. Weitere Infos unter https://www.oekomodellregionen.bayern/

Ein Bericht von Ralf Enzensberger (Südostbayerische Rundschau vom 22.01.2019).

Eingangsbild: Bild von Richard Scheuerecker, copyright Tourist Info Waging.

Mangelnde Unterstützung für die Landwirtschaftsministerin

Marlene Berger-Stöckl ist traurig. Die Projektmanagerin der Ökomodellregion Waginger See / Rupertiwinkel hätte sich gewünscht, dass der erfolgreich beschrittene Weg mit allen zehn Gemeinden gemeinsam weitergegangen wird. Doch die drei Gemeinden des Berchtesgadener Landes steigen nach jetzigem Stand aus. Nicht sofort, aber in drei Jahren. Teisendorf und Laufen haben es bereits beschlossen. Saaldorf-Surheim wird noch vor Weihnachten darüber abstimmen. Die drei Gemeinden werden sich mehr zur Biosphärenregion Berchtesgadener Land hin orientieren. Die hat personell stark aufgestockt und will sich künftig ebenfalls dem Thema Ökolandbau widmen.

„Ich hätte mir gewünscht, dass es in diesem Rahmen weitergeht“, sagt Berger-Stöckl im Gespräch mit der Heimatzeitung, „es ist alles so gut angelaufen und die Vernetzung der beiden Landkreise war hervorragend.“ Von der Mitgliedschaft der drei Gemeinden hätten alle profitiert. Begeisterung für die Sache spricht aus ihr, wenn sie aufzählt, was in der kurzen Zeit alle gelungen ist und auf den Weg gebracht wurde, vom Biokäseprojekt bis zum Wirtenetzwerk, von den Bioerlebnistagen bis zur Vermarktung von Bioobst, Fleisch und Laufener Landweizen, von der Zusammenarbeit mit den Biodirektvermarktern, Bäckern, Surmühle und Dorfläden, Schlachthof, Kelterei und Gut Edermann, Naturschutzakademie Laufen und dem Lebensmitteleinzelhandel. Und das mit gerade mal 1,15 Personalstellen. „Wir könnten sofort drei Leute beschäftigen“, verdeutlicht sie den Umfang möglicher Arbeitsfelder. „Es wäre genügend Arbeit für beide da, für Biosphäre und ÖMR.“

In Sachen Biolandbau stehe die Biosphäre am Anfang, man habe also viele Aufgaben, um die Vernetzung von Erzeugern und Verarbeitern in den drei BGL-Gemeinden, wie es die Ökomodellregion vorlebt, in den übrigen Landkreis Berchtesgadener Land auszuweiten, und hier könnten die drei Gemeinden als wichtige Schnittstelle fungieren, meint sie. Auch der Tourismus könnte von einer Vernetzung profitieren. Mit ihren zehn Gemeinden habe die hiesige ÖMR genau die richtige Größe, ist Berger-Stöckl überzeugt, groß genug, um etwas auf den Weg zu bringen, aber so klein, um alle mitzunehmen und zu betreuen. „Wir sind Vorbild in ganz Bayern“, erklärt die Managerin nicht ohne Stolz. Sie lobt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die sich gleich nach ihrem Amtsantritt für eine Verlängerung der ÖMR-Förderung eingesetzt habe. „Enttäuscht bin ich, dass der mutige Kurs der Ministerin und ihr persönlicher Einsatz für die Ökomodellregion ausgerechnet in diesen drei Gemeinden ihres Heimatwahlkreises keinen Widerhall mehr findet, während sich gleichzeitig 27 bayerische Regionen derzeit als Ökomodellregion bewerben und damit ein starkes Aufbruchssignal für den Kurs der Ministerin setzen. Die Ökomodellregion hat die Biosphärenregion seit dem Beitritt der drei Gemeinden inhaltlich voll unterstützt und ich hätte mir von der Biosphäre umgekehrt gewünscht, hier keine unnötige Konkurrenzsituation aufzubauen.“

„Im April war man sich in der Runde der Bürgermeister einig, gemeinsam weiter zu machen“, blickt Berger-Stöckl auf die Entwicklung, desgleichen in einer Vorstandssitzung im August. „Im September hatten wir noch mehrere gemeinsame Projekterfolge. Es war schon ein Schock, als es dann im Oktober hieß, wir übergeben das Thema jetzt an die Biosphäre.“ Eine konsequente Förderung des Ökolandbaus gehe über die Förderung von Regionalprodukten wie in der Biosphärenregion deutlich hinaus und sei am Abtsee als Vorsorgemaßnahme für den Gewässerschutz genauso wichtig wie am Waginger See. 

Ganz ähnlich äußert sich Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner: „Es hat uns in dieser Form schon überrascht“, habe es doch im Vorfeld einen intensiven Austausch zwischen Ökomodellregion und Biosphäre gegeben. Der ÖMR-Vorsitzende berichtet, dass auch ein Sofortausstieg der drei BGL-Gemeinden im Raum gestanden habe. Diese Dreijahresfrist sei ein Kompromiss, mit dem beide Seiten leben könnten, „leben müssen“, schiebt er sofort hinterher.

„Es ist alles im Fluss, und Rahmenbedingungen ändern sich“, sagt Birner. Der Verlängerungsantrag für eine Förderung liege bereits in München. Gleichwohl müssen erst noch die sieben Traunsteiner Gemeinden über eine Fortführung entscheiden. „Wir warten zunächst ab, wie die drei BGL-Gemeinden entscheiden“, denn bei einem sofortigen Ausstieg hätte die Finanzierung neu geregelt werden müssen. Für die verbleibenden sieben Gemeinden ist Birner zuversichtlich, denn die Arbeit der ÖMR werde durchwegs als Erfolg gesehen. „Ziel ist eine dauerhafte Einrichtung“, betont der Vorsitzende, also über den Förderzeitraum hinaus. Die Beschlüsse aller Kommunen beträfen die drei Jahre des aktuellen Förderzeitraums. „Weitergehende Beschlüsse waren aktuell ohnehin nicht geplant“.

Was bedeutet der Ausstieg nun konkret? Zum Beispiel für den biozertifizierten Laufener Schlachthof? „Vernetzung und Vermarktung sind schon auf einem guten Weg“, antwortet Birner, „jetzt gilt es, sich mit der Biosphäre abzustimmen, damit kein Kompetenzproblem entsteht.“ Er rechnet mit einer „vernünftigen Lösung“.

Marlene Berger-Stöckl spricht von einem Rückschlag für die Traunsteiner Gemeinden, die ihren Kollegen im Nachbarlandkreis die Hand gereicht hatten. „Es ist nicht die Zeit, wieder Mauern zwischen den Landkreisen zu errichten.“ Hans-Jörg Birner nimmt es zumindest nach außen hin eher gelassen: „Ich sehe nicht so schwarz. In drei Jahren kann viel passieren.“

Ein Bericht von Hannes Höfer (Südostbayerische Rundschau vom 11.12.2018).

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